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Capecitabin, Xeloda® – ein Zytostatikum Mit Capecitabin hat Hoffmann-La Roche ein peroral anzuwendendes Zytostatikum zur Firstline-Therapie von metastasierten Dickdarmtumoren auf den deutschen Markt gebracht. Capecitabin ist ein Prodrug, aus dem in drei Stufen das wirksame 5-Fluoro-Uracil (5-FU) entsteht. Den letzten Schritt katalysiert das Enzym Thymidinphosphorylase, dessen Aktivität in den Tumorzellen des Dickdarms etwa viermal größer als im angrenzenden gesunden Gewebe ist. Eine Studie ergab: Bei 19 Patienten mit einem Dickdarm-Karzinom lag die Konzentration von 5-FU im Krebsgewebe etwa 3,2fach höher als im gesunden Kolongewebe. 5-FU stört sowohl die Synthese von DNA als auch von RNA und Proteinen. Der Wirkstoff wird zu inaktiven Metaboliten abgebaut und über die Nieren ausgeschieden.
In zwei randomisierten Phase-III-Studien wurde die Monotherapie mit Capecitabin mit der Kombination aus 5-FU und Folinsäure verglichen. 603 Patienten bekamen peroral vierzehn Tage lang zweimal täglich Capecitabin in einer Dosis von 1250 mg/m2. Darauf folgte eine einwöchige Pause. 604 Patienten erhielten das so genannte Mayo-Regime: fünf Tage lang intravenös 20 mg/m2 pro Tag Folinsäure plus 425 mg/m2 5-FU. Die Behandlung wurde nach 28 Tagen wiederholt.
Durch die neue Arzneisubstanz erlebten deutlich mehr Patienten eine komplette oder partielle Remission: Capecitabin ergab eine Rate von 25,7 Prozent im Vergleich zu 16,7 Prozent beim Mayo-Regime. Die durchschnittliche Zeit bis zu einem erneuten Tumorwachstum war fast identisch: 4,6 im Vergleich zu 4,7 Monaten. Auch die Gesamtüberlebenszeit betrug bei beiden Therapien 12,9 Monate.
Allerdings war Capecitabin besser verträglich. Erheblich weniger Patienten mussten wegen schwerer Nebenwirkungen ins Krankenhaus eingeliefert werden: nur 11,6 im Vergleich zu 18 Prozent. Insgesamt verursachte Capecitabin seltener Übelkeit, Erbrechen und Stomatitis. Mit schweren Diarrhoen reagierten unter der Therapie mit Capecitabin 13 Prozent der Patienten und nur 12 Prozent bei der Kombinationsbehandlung aus 5-FU und Folinsäure.
Capecitabin führte deutlich häufiger zum so genannten Hand-Fuß-Syndrom. Die Hälfte der Patienten klagte über die typischen Symptome. Diese reichen von Taubheitsgefühl, Kribbeln und Missempfindungen bis zu starken Schmerzen, Geschwür- und Blasenbildung an Händen oder Füßen.
Capecitabin wird morgens und abends innerhalb von 30 Minuten nach einer Mahlzeit eingenommen. Die empfohlene Tagesdosis ist 2500 mg/m2, das bedeutet, dass die Patienten drei bis sieben Tabletten schlucken müssen. Bei schweren Nebenwirkungen wie Durchfall, Übelkeit, Bauchschmerzen, Entzündungen der Mundschleimhaut oder bei Hand-Fuß-Syndrom wird die Therapie unterbrochen oder die Dosis reduziert.
Derzeit werden auch die Kombinationen aus Capecitabin mit Irinotecan oder Oxaliplatin bei Patienten mit Dickdarmkrebs sowie bei Frauen mit metastasiertem Mammakarzinom als Behandlungsmethode der ersten oder zweiten Wahl geprüft.

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