NEUE ARZNEISTOFFE

Sie befinden sich hier: Themen / Arzneistoffe / Ausgabe 2/2001 / Galantamin, Reminyl® – gegen Alzheimer  / 


Galantamin, Reminyl® – gegen Alzheimer

Keine Heilung, aber eine zeitweiligen Stopp des Fortschreitens ihrer Erkrankung können Alzheimer-Patienten von dem neuen Arzneistoff Reminyl® erhoffen. Janssen-Cilag brachte Galantamin, ein Alkaloid aus einer Schneeglöckchen-Art im März auf den deutschen Markt. Es ist zugelassen zur symptomatischen Behandlung der leichten bis mittelschweren Demenz vom Alzheimer-Typ. 

 

Ähnlich wie die bereits im Markt eingeführten Antidementiva hemmt Galantamin reversibel das Enzym Acetylcholinesterase, das den Botenstoff Acetylcholin abbaut. Indem Galantamin die Konzentration an Acetylcholin erhöht, gleicht es das cholinerge Defizit bei Alzheimer-Patienten aus. Dadurch sollen die kognitiven Fähigkeiten der Patienten verbessert werden.

 

Galantamin wurde in mehreren Studien an etwa 3200 Patienten über die Dauer von drei bis sechs Monaten, in zwei weiteren sogar zwölf Monate lang getestet. Das beste Nutzen-Risiko-Verhältnis erzielten Tagesdosen von 16 und 24 Milligramm. Die Wirksamkeit der neuen Substanz wurde mit mehreren Skalen gemessen. Erfasst wurden die kognitiven Fähigkeiten, die grundlegenden und auch erweiterten Aktivitäten des täglichen Lebens sowie Verhaltensauffälligkeiten. Zusätzlich bewertete ein Arzt das klinische Bild. Für den Zeitraum von fünf bis sechs Monaten stabilisierte oder verbesserte Galantamin, im Vergleich zu Placebo signifikant, die kognitiven Fähigkeiten, die Alltagskompetenz, das Verhalten und den klinischen Gesamteindruck der Patienten. Nach zwölf Monaten hatten sich die kognitiven Fähigkeiten und die Alltagskompetenz im Vergleich zum Beginn der Behandlung nicht signifikant verschlechtert. Die Bewertung des klinischen Bildes nach CIBIC-plus ergab eine Ansprechrate von 60 bis 68 Prozent.

 

Galantamin wird einschleichend dosiert. Zu Beginn werden zum Frühstück und zum Abendessen jeweils 4 Milligramm Wirkstoff gegeben. Die Erhaltungsdosis beträgt zweimal täglich 8 oder 12 Milligramm. Die Behandlung kann so lange fortgesetzt werden, so lange sie dem Patienten einen therapeutischen Nutzen bringt. Die häufigsten Nebenwirkungen betreffen den Magen-Darm-Trakt: Es kommt zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Gewichtsverlust. Da Alzheimer-Patienten ohnehin häufig abnehmen, sollte das Gewicht kontrolliert werden. Außerdem klagten die Patienten über Erschöpfung, Schwindel, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit.


Zurück Nach oben