|
Sie befinden sich hier: Themen / Arzneistoffe / Ausgabe 4/2001 / Lopinavir, Kaletra® – gegen HIV /
Lopinavir, Kaletra® – gegen HIVIm Juni wurde mit Lopinavir der sechste Protease-Inhibitor in Deutschland auf den Markt gebracht. Die fünf anderen Protease-Hemmstoffe sind Saquinavir, Indinavir, Ritonavir, Nelfinavir und Amprenavir. In Kaletra® von Abbott ist der neue Vertreter seiner Gruppe mit niedrigen Dosen von Ritonavir kombiniert. Kaletra® darf nur in Kombination mit anderen HIV-Therapeutika sowohl vorbehandelten als auch unbehandelten HIV-1-Patienten ab dem dritten Lebensjahr verordnet werden.
Der neue Protease-Hemmer Lopinavir hat eine sehr kurze Halbwertszeit, da er im Organismus rasch abgebaut wird. Aus diesem Grund wurde Lopinavir mit Ritonavir, einem weiteren Vertreter der selben Substanzklasse kombiniert. Schon 100 mg Ritonavir verlangsamen deutlich den Abbau von Lopinavir. Die fixe Kombination wurde inzwischen in zahlreichen Studien an unbehandelten und vorbehandelten Patienten untersucht. Die meisten Erfahrungen liegen mit unbehandelten HIV-Infizierten vor. In einer Studie erhielten 653 unbehandelte Patienten neben der Standardtherapie aus Lamivudin und Stavudin zusätzlich entweder zweimal täglich die Kombination aus 400 mg Lopinavir und 100 mg Ritonavir oder dreimal täglich 750 mg Nelfinavir. Die Behandlung mit Lopinavir/Ritonavir war Nelfinavir signifikant überlegen. Gemessen wurde die Zahl der RNA-Viruskopien pro ml Plasma. In der Lopinavir/Ritonavir-Gruppe sank die Zahl unter 400.
In einer anderen Untersuchung prüften die Wissenschaftler die neue Kombination an 70 Patienten, die auf eine Therapie mit anderen Protease-Hemmern nicht ansprachen und noch keinen nicht nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Hemmer erhalten hatten. Sie erhielten zweimal täglich 400 mg Lopinavir plus 100 oder 200 mg Ritonavir anstelle des bisherigen Protease-Hemmers. Ab dem 15. Tag nahmen sie zusätzlich Nevirapin. Nach 72 Wochen fand man bei 75 Prozent der Patienten, die die niedrigere Dosis Ritonavir einnahmen, weniger als 400 RNA-Viruskopien pro ml Plasma.
Die Nebenwirkungsraten waren bei den unterschiedlichen Therapiemethoden vergleichbar. Am häufigsten litten die Patienten unter leichten gastrointestinalen Beschwerden, Kopfschmerzen und Hautausschlag. Teilweise waren die Triglycerid- und Cholesterolwerte sowie die Leberwerte deutlich erhöht.
Da die Kombination aus Lopinavir und Ritonavir hauptsächlich über das Cytochrom-P450-Isoenzym 3A4 (CYP3A) verstoffwechselt wird, muss bei zahlreichen Arzneistoffen mit Wechselwirkungen gerechnet werden. Kaletra® darf unter anderem nicht zusammen mit Flecainid, Propafenon, Astemizol, Terfenadin, Cisaprid, Lovastatin, Simvastatin, Rifampicin, Midazolam, Triazolam, Johanniskraut-Präparaten oder Ergotaminen gegeben werden.
Eine Kapsel enthält 133 mg Lopinavir und 33 mg Ritonavir, 1 ml Sirup 80 und 20 mg. Das Resistenzmuster des neuen HIV-Therapeutikums ist erst teilweise bekannt. Wahrscheinlich unterscheidet es sich nicht grundsätzlich von dem anderer Protease-Hemmer. Bei vorbehandelten Patienten sollten vor der Therapie mit dem neuen Arzneimittel eventuelle Resistenzen gegen Protease-Hemmer geprüft werden. Ob Kaletra® als Therapeutikum der ersten Wahl gegeben werden sollte, lässt sich noch nicht abschließend bewerten. Die Substanz wird zwar gut vertragen, beeinflusst aber die Blutfettwerte.

|