Bereits seit Mai 2001 ist ein gentechnisch hergestelltes Uratoxidase-Enzym zur Behandlung und Prophylaxe eines akuten Anstiegs der Harnsäurekonzentrationen in Deutschland auf dem Markt. Das Präparat von Sanofi-Synthelabo enthält 1,5 mg Rasburicase-Trockensubstanz und ein Lösungsmittel zur Herstellung eines Infusionslösungskonzentrats.
Das Enzym Uratoxidase katalysiert im menschlichen Organismus den enzymatischen Abbau von Harnsäure zum besser wasserlöslichen Allantoin und fördert damit die Ausscheidung durch die Nieren.
Bei einer aggressiven Chemotherapie sterben sehr viele Zellen auf einmal ab. Dadurch werden massenweise intrazelluläre Stoffe wie Nukleinsäuren freigesetzt. Kommt es durch eine derartige abrupte Tumorzellzerstörung zu lebensbedrohlichen Stoffwechselstörungen, spricht man vom »Tumorlyse-Syndrom«.
Durch die Freisetzung der Nukleinsäuren und den Abbau zu Purinen steigt schließlich die Harnsäurekonzentration im Plasma an. Infolge können Harnsäure-Kristalle in den Sammelrohren und distalen Tubuli der Niere ausfällen, was ein akutes Nierenversagen auslösen kann. Zum einen mussten die Patienten viel trinken, um die Nieren durchzuspülen; zum anderen erhielten sie bislang Allopurinol. Sehr viel schneller wirkt Rasburicase, wie eine randomisierte Studie bei 52 Kindern mit Lymphomen oder Leukämie zeigte. Vier Stunden nach Therapiebeginn sank der Plasma-Harnsäurespiegel bei den Patienten der Rasburicase-Gruppe um 86 Prozent im Vergleich zu 12 Prozent in der Allopurinol-Gruppe. Die rasche Normalisierung der Harnsäurewerte bessert die Nierenfunktion, was auch die Ausscheidung von Serumphosphat begünstigt.
Das Enzym-Konzentrat wird nach Verdünnen mit Kochsalzlösung fünf bis sieben Tage lang einmal täglich für die Dauer von 30 Minuten infundiert. Die empfohlene Dosis beträgt 0,2 mg/kg Körpergewicht. Eine weitere Behandlung wird nicht empfohlen. Eine Nebenwirkung muss beachtet werden: Wie bei anderen Proteinen können auch bei der Rasburicase-Therapie allergische Reaktionen auftreten. In einer großen Studie mit 131 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen wurden bei 14 Prozent der Patienten Antikörper nachgewiesen. Insgesamt wurde das Enzym gut vertragen. |