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Copaxone® - gegen Multiple SkleroseSeit November 2001 ist Glatirameracetat in allen Ländern der Europäischen Union zugelassen und wird gemeinsam von Teva-Pharmaceuticals und Aventis Pharma als Copaxone® vertrieben. Bislang war die Substanz nur in der Schweiz, Kanada, Russland, Australien und den USA zugelassen und musste nach Deutschland auf Einzelverordnung importiert werden. Glatirameracetat vermindert die Häufigkeit von Schüben bei Multipler Sklerose (MS), wenn sie schubförmig wiederkehrend verläuft.
Die Entstehung der MS ist noch nicht vollständig aufgeklärt. Als Auslöser gilt eine Autoimmunreaktion; entsprechende Autoantigene konnten Forscher allerdings noch nicht identifizieren. Sie vermuten, dass sich das Immunsystem gegen ein so genanntes Myelin-basisches Protein (MBP) richtet. Die Wissenschaftler versuchten daher Eiweiße zu synthetisieren, die MBP ähneln, und damit die Entzündungsreaktionen bei MS zu beeinflussen.
Glatirameracetat ist solch eine Substanz, es besteht aus einem Gemisch von hydrophilen Polypeptiden, die nach dem Zufallsprinzip aus den L-Aminosäuren Glutamin, Lysin, Alanin und Tyrosin synthetisiert werden. Die Polypeptide haben eine Molekülmasse zwischen 4700 und 13.000 Dalton.
Da der Zufall zu unterschiedlichen Synthese-Produkten führt, muss die Wirksamkeit jeder Charge im Tierversuch überprüft werden. Der Arzneistoff kommt als gefriergetrocknetes Pulver auf den Markt, enthält Mannitol und muss vor dem Gebrauch in Wasser für Injektionszwecke gelöst werden. Patienten mit einer Unverträglichkeit gegenüber Mannitol sollten daher gewarnt werden.
Seit 1977 wurde Glatirameracetat in zahlreichen klinischen Studien an MS-Patienten geprüft. Die Dosis von 20 mg wird einmal täglich unter die Haut gespritzt.
Der genaue Wirkungsmechanismus des Polypeptids ist noch nicht bekannt. In der größten Doppelblindstudie erhielten 251 Patienten zwei Jahre lang 20 mg täglich: Die Schubfrequenz sank um durchschnittlich 30 Prozent. In der Gruppe, die mit Glatirameracetat behandelt wurde, traten die ersten Krankheitsschübe im Schnitt nach 287 Tagen auf, unter Placebo nach 198. Der Grad der Behinderung wird bei MS-Patienten mit der so genannten EDS-Skala gemessen. Nach 24 Monaten schnitten die Glatirameracet-Patienten im Vergleich zur Placebo-Gruppe signifikant besser ab.
Patienten mit niedrigem Skalen-Wert, das heißt einer schwachen Behinderung, zu Studienbeginn profitierten am meisten von der Therapie mit dem Polypeptid. Zudem gelang der Nachweis, dass sich Glatirameracetat im Vergleich zu Placebo günstig auf die im Kernspintomogramm messbaren Parameter auswirkt.
Allerdings verzögerte die Substanz nicht die fortschreitende Behinderung bei Patienten mit schubförmig wiederkehrender MS. Ebenso gelang es bislang nicht, einen positiven Effekt auf die Dauer und den Schweregrad eines Schubes nachzuweisen.
Mit Glatirameracetat behandelte MS-Patienten klagten am häufigsten über lokale Reaktionen an der Einstichstelle. Dagegen müssen die Laborwerte nicht permament überprüft werden, und es treten keine grippeähnlichen Symptome wie unter einer Interferon-Therapie auf. Ein Wirksamkeitsverlust durch neutralisierende Antikörper ist bislang nicht dokumentiert.
Noch fehlen Vergleichs-Studien zu Glatirameracetat und Interferonen. Ob und wann eine Therapie auf das Polypeptid umgestellt werden sollte, lassen die Daten nicht zu. Das Präparat könnte eine wertvolle Alternative für MS-Patienten sein, die auf andere Therapeutika nicht mehr ansprechen. Die Kosten der Glatirameracetat-Behandlung liegen knapp unter denen einer Interferon-Therapie. 
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