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Glivec® - gegen chronisch-myeloische Leukämie Seit November 2001 ist der neue Tyrosinkinase-Inhibitor Imatinib, Glivec® von Novartis, auch in der EU zur Therapie von Patienten mit chronisch-myeloischer Leukämie (CML) zugelassen. Bislang darf der Arzneistoff nur Patienten in fortgeschrittenen Stadien oder der letzten Phase der Krankheit verabreicht werden, wenn Interferone nicht mehr wirken.
Imatinib ist ein maßgeschneidertes Therapeutikum, das gezielt eine Gruppe von Tyrosinkinasen blockiert, die unter anderem die unkontrollierte Vermehrung entarteter Leukozyten fördern. Die meisten Patienten mit CML haben im Erbgut ein so genanntes Philadelphia-Chromosom mit der fatalen Folge, dass die Aktivität einer spezifischen Tyrosinkinase ansteigt, die die Zellteilung ankurbelt und den Zelltod unterdrückt. Imatinib blockiert unter anderem diese Kinase und verhindert so die unkontrollierte Vermehrung der entarteten Zelllinien.
In einer klinischen Studie der Phase I erhielten 54 Patienten das Medikament in der chronischen Phase der Erkrankung. Alle sprachen zuvor nicht auf eine Therapie mit Interferon-a an. Bei 53 Patienten normalisierte sich das Blutbild, bei 29 ging die Zahl der Zellen mit Philadelphia-Chromosom im Blut deutlich zurück. Bei sieben Patienten waren in zehn untersuchten Zellkernen überhaupt keine Philadelphia-Chromosomen mehr nachweisbar.
In eine andere Phase-I-Studie wurden Patienten in der letzten Phase der Erkrankung aufgenommen. Hier verbesserte sich immerhin noch bei 21 von 38 Patienten das Blutbild, bei vier Patienten war das Blutbild anschließend nicht von dem gesunder Patienten zu unterscheiden. Bei sieben Patienten hielt dieser Effekt unter weiterer Therapie mit Imatinib 101 bis 349 Tage an. Allerdings brach die Erkrankung anschließend bis auf einen bei allen Patienten wieder aus.
Alle Studienteilnehmer hatten täglich mindestens 300 mg Glivec eingenommen. Die Nebenwirkungen wurden als schwach beschrieben. Am häufigsten nannten die Betroffenen leichte Übelkeit, die allerdings durch die Einnahme zu den Mahlzeiten gemildert werden konnte. Daneben litten die Patienten teils unter Ödemen, Muskelkrämpfen, Durchfall und Hautreaktionen. Multicenterstudien der Phase II brachten ähnliche Ergebnisse. Nach fast einem Jahr normalisierte sich bei 91 Prozent der Patienten in der chronischen Phase das Blutbild vollständig.
Ob die Therapie mit Imatinib das Leben der Patienten verlängert, ist noch nicht klar. Nach bisher veröffentlichten Daten betrug die Lebensverlängerung von Patienten in der letzten Phase der Erkrankung gerade einmal einen Monat (6 Monate im Vergleich zu 7 Monaten). Ursache dafür sind Resistenzen der Tumorzellen gegen das Medikament, die vor allem in den fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung sehr schnell auftreten. Dennoch ermöglicht der geringe Zeitgewinn bei einigen Patienten eine Transplantation von Blutstammzellen. Dies ist nach derzeitigem Wissensstand die einzige Möglichkeit, eine CML zu heilen.
Inzwischen laufen Studien mit Patienten in frühen Phasen der Erkrankung. Zudem wird die Wirksamkeit des Tyrosinkinase-Inhibitors bei anderen Tumorerkrankungen untersucht. Je nach Schweregrad der Erkrankung beträgt die tägliche Dosis von Imatinib 400 bis 600 mg. Sie wird einmal täglich peroral eingenommen. Da die Substanz unter anderem über Cytochrom P450 3A4 metabolisiert wird, ist bei entsprechenden Enzym-Inhibitoren (zum Beispiel Ketokonazol) Vorsicht geboten. Imatinib kann aber auch die Plasmakonzentrationen anderer Arzneistoffe wie Simvastatin oder Ciclosporin erhöhen. 
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