|
Sie befinden sich hier: Themen / Arzneistoffe / Ausgabe 6/2002 / Dynastat® - ein Analgetikum /
Dynastat® - ein Analgetikum Seit Mai bietet der Hersteller Pharmacia mit Parecoxib einen weiteren selektiven COX-2-Inhibitor zur Injektion an. Damit kam nach Rofecoxib und Celecoxib der dritte selektive COX-2-Hemmer auf den Markt. Das Fertigarzneimittel Dynastat® enthält 40 mg Parecoxib. Nach Auflösung des Pulvers im Lösungsmittel entsteht eine Injektionslösung mit 20 mg Arzneistoff pro ml.
Der injizierbare COX-2-Hemmer ist in Deutschland zur kurzzeitigen Behandlung von postoperativen Schmerzen zugelassen. Die empfohlene Dosis von 40 mg kann intravenös oder intramuskulär appliziert werden. Bei Bedarf kann der behandelnde Arzt anschließend alle sechs bis zwölf Stunden 20 oder 40 mg nachdosieren.
Eine Dosisanpassung ist bei Patienten mit leichten bis mittelschweren Leber- und Nierenfunktionsstörungen nicht erforderlich. Patienten mit schweren Leberfunktionsstörungen und Jugendliche unter 18 Jahren sowie Schwangere und Stillende sollten Parecoxib nicht erhalten. Parecoxib wird in der Leber rasch in den wirksamen Metaboliten Valdecoxib umgewandelt. Valdecoxib blockiert selektiv das Enzym Cyclooxygenase-2 und hemmt damit die Prostaglandin-Synthese.
Die Wirksamkeit von Parecoxib überprüften Wissenschaftler in verschiedenen Studien an Patienten nach einer Zahnextraktion, gynäkologischen oder orthopädischen Eingriffen sowie nach Bypass-Operationen. Die Studien mit Patienten nach Zahnoperationen ergaben, dass Parecoxib in Dosierungen von 20 beziehungsweise 40 mg vergleichbar gut die Schmerzen dämpfte wie 30 oder 60 mg Ketorolac. Beide Arzneistoffe wurden intravenös oder intramuskulär verabreicht. Das Analgetikum Ketorolac ist in Deutschland nur in Form von Augentropfen verfügbar. Nach gynäkologischen Eingriffen wirkten 20 beziehungsweise 40 mg Parecoxib effektiver als 4 mg Morphin beziehungsweise Placebo und ebenso stark wie 30 mg Ketorolac. Eine Untersuchung mit 208 Patienten nach einem orthopädischen Eingriff führte zu denselben Ergebnissen.
Der COX-2-Hemmer wurde in der Regel gut vertragen. Als häufigste Nebenwirkungen registrierten die Mediziner bei den Studienteilnehmern gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen, außerdem traten Kopfschmerzen und Fieber auf.
Nach Bypass-Operationen sollten die Patienten Parecoxib nur nach sorgfältiger Risikoabwägung erhalten, da bei ihnen ein erhöhtes Risiko für zerebrovaskuläre Vorfälle, Nierenfunktionsstörungen und Komplikationen bei der sternalen Wundheilung besteht. In verschiedenen kleinen Untersuchungen hatten 20 und 40 mg Parecoxib keinen Einfluss auf die Thrombozytenaggregation. Gastroduodenale Ulzera traten zwar häufiger als unter Placebo auf, waren jedoch seltener als bei unselektiven nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR). Dennoch ist auch Parecoxib bei Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen, aktiven peptischen Ulzerationen und gastrointestinalen Blutungen kontraindiziert.
Maximale Plasmakonzentrationen werden nach parenteraler Gabe in 0,5 bis 1,6 Stunden erreicht. Parecoxib wird in der Leber rasch in Valdecoxib und Propionsäure umgewandelt. 5 Prozent des Valdecoxib werden unverändert und zirka 70 Prozent in Form von inaktiven Metaboliten mit dem Harn ausgeschieden.
Die gleichzeitige Gabe von Parecoxib und Warfarin erhöht das Blutungsrisiko. Wie andere NSAR kann Parecoxib die Wirkung von Diuretika und ACE-Hemmern abschwächen und die von Ciclosporin verstärken. Die Wirkung von Parecoxib wird durch Ketoconazol und Fluconazol verstärkt. Bei Substanzen, die über das Enzymsystem CYP 2D6 metabolisiert werden wie Flecainid, Propafenon und Metoprolol ist Vorsicht geboten, ebenso bei der gleichzeitigen Gabe von Substraten des Enzymkomplexes CYP-2C19 wie Phenytoin, Diazepam oder Imipramin, obwohl Valdecoxib eigentlich über andere Enzyme metabolisiert wird. 
|