|
Sie befinden sich hier: Themen / Arzneistoffe / Ausgabe 8/2002 / Caspofungin® MSD - ein Antimykotikum /
Caspofungin® MSD - ein Antimykotikum Seit Mitte Juli steht mit Caspofungin von MSD Sharp & Dohme ein neues Antimykotikum zur Verfügung. Der Arzneistoff ist zugelassen für die Behandlung erwachsener Patienten mit einer Aspergillus-Infektion, wenn die Erreger in den Körper eingedrungen sind. Die Therapie soll nur erfolgen bei Patienten, die auf eine Therapie mit Amphotericin B und/oder Itraconazol nicht ansprechen oder die diese Wirkstoffe nicht vertragen.
Caspofungin ist ein Glukansynthesehemmer und somit ein Vertreter einer neuen Klasse von Antimykotika. Es hemmt die Synthese von beta-(1,3)-D-Glukan. Dieses Glukan ist ein Hauptbestandteil der Zellwand vieler Pilze und Hefen, kommt aber nicht in Säugetierzellen vor. Die neue Substanz hat ein breites antimykotisches Spektrum; sie wirkt unter anderem gegen Aspergillus- und Candida-Arten. Eine Durchstechflasche Caspofungin® MSD enthält 50 oder 70 mg Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung. Am ersten Tag der Therapie erhält der Patient 70 mg, danach jeweils einmal täglich 50 mg des Wirkstoffs. Die Arzneistofflösung wird circa eine Stunde lang langsam intravenös infundiert.
In den letzten beiden Jahrzehnten hat die Zahl der Menschen, die an Körper-Mykosen erkranken, stetig zugenommen. Gefährdet sind Patienten mit einem geschwächtem Immunsystem, zum Beispiel durch eine HIV-Infektion, eine intensive Tumortherapie oder eine immunsuppressive Therapie nach einer Transplantation. Die häufigsten Auslöser sind Candida- und Aspergillus-Arten. Viele der schwer kranken Patienten sterben trotz antimykotischer Therapie mit Amphotericin B oder Itraconazol.
In einer Studie erhielten 56 immunsupprimierte Patienten mit invasiver Aspergillose den neuen Arzneistoff. 45 hatten auf andere Antimykotika nicht angesprochen, 10 hatten diese nicht vertragen. Die meisten Patienten litten an hämatologischen oder soliden Tumoren oder hatten eine Knochenmarks- oder Stammzelltransplantation erhalten. Die Therapie dauerte durchschnittlich 33, 7 Tage.
Nach mehr als sieben Tagen Infusionstherapie manifestierte sich bei der Hälfte ein Erfolg. Dieser war definiert als klinisch signifikante Rückbildung oder als Besserung des Röntgenbefunds sowie der subjektiven und objektiven Symptome. 14 Prozent litten an Nebenwirkungen, am häufigsten an Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Flush und Komplikationen an der Infusionsvene. Drei Patienten brachen die Therapie wegen der Nebenwirkungen ab. Auch erhöhte Leberenzymwerte, Anämie oder Hautausschlag traten auf.
Nach den Therapieerfahrungen mit mehr als 300 Patienten ist Caspofungin relativ gut verträglich. Da sich sein Wirkmechanismus von Amphotericin B und den Azolen unterscheidet, ist es als Alternative oder Kombinationspartner interessant. Dies muss in weiteren Studien untersucht werden. Bereits jetzt eröffnet Caspofungin bessere Überlebenschancen für schwer kranke Patienten. 
|