|
Sie befinden sich hier: Themen / Arzneistoffe / Ausgabe 05/2003 / Hepsera® – gegen Hepatitis B /
Hepsera® – gegen Hepatitis BSeit Mitte April steht mit Adefovirdipivoxil ein neues Nukleotidanalogon für erwachsene Patienten mit chronischer Hepatitis-B-Infektion zur Verfügung. Die Patienten müssen einmal täglich 10 mg Adefovirdipivoxil einnehmen. Eine Hepsera-Tablette von Gilead enthält 10 mg Wirkstoff.
Der Arzneistoff ist ein Prodrug von Adefovir, einem Analogon von Adenosinmonophosphat. Aus Adefovirdipivoxil wird nach peroraler Gabe durch Esterspaltung rasch Adefovir freigesetzt. Die höchsten Konzentrationen von Adefovir wurden in der Leber, den Nieren und im Magen-Darm-Trakt gefunden. In der Zelle wird der Arzneistoff in das wirksame Diphosphat umgewandelt. Dieses hemmt die Polymerasen des Hepatitis-B-Virus (HBV) und führt nach Einbau in die Virus-DNA zum Kettenabbruch. Damit kann sich das Virus nicht mehr vermehren. Eine Gefahr für die menschlichen Polymerasen besteht dabei nicht, da für deren Blockade deutlich höhere Dosen erforderlich sind.
In zwei Doppelblindstudien erhielten chronisch kranke HBV-Patienten 48 Wochen lang entweder 10 oder 30 mg Adefovirdipivoxil oder Placebo. 515 Studienteilnehmer trugen das Hepatitis-B-e-Antigen (HBeAg), das als Marker für eine hohe virale Vermehrung gilt; 185 Patienten waren HBeAg-negativ.
Als Therapieerfolg wurde eine Besserung des Lebergewebes definiert. Der histologische Befund sollte anzeigen, dass die Leberentzündung gestoppt werden konnte oder nicht weiter voranschritt.
In der Gruppe der Patienten, die 10 mg Adefovirdipivoxil erhielten, verbesserte sich der histologische Befund gegenüber der Placebogruppe signifikant: 53 und 64 Prozent im Vergleich zu 25 und 33 Prozent unter Placebo. Deutlich größer war auch der Anteil der Patienten, bei denen die Virus-DNA-Spiegel im Serum sanken: Bei jedem fünften HBeAg-positiven und jedem zweiten HBeAg-negativen Patienten, die 10 mg Verum einnahmen, sanken die viralen DNA-Spiegel unter die Nachweisgrenze, während kein Patient diesen Wert mit Placebo erreichte.
Der neue Arzneistoff scheint bei einigen Patienten eine Ausheilung der Infektion zu ermöglichen: 12 bis 14 Prozent unter Adefovirdipivoxil und 6 Prozent aus der Placebogruppe zeigten nach 48 Wochen eine Umwandlung der positiven HBeAg-Reaktion in eine negative. Während der Dauer der Therapie wurden keine Resistenzmutationen beobachtet.
Schwere Nebenwirkungen traten bei 9 bis 10 Prozent der Patienten unter Verum und bei 8 Prozent unter Placebo auf. Abgesehen von Schwäche und Durchfall, die in den Adefovir-Gruppen häufiger waren, wurde die 10-mg-Dosis ähnlich gut vertragen wie Placebo. Appetitlosigkeit und eine Entzündung der Rachenschleimhaut (Pharyngitis) traten jedoch in der 30-mg-Gruppe deutlich häufiger auf; außerdem stiegen die Serumkreatininwerte. Da das Nutzen-Risiko-Verhältnis für die 10-mg-Dosis günstiger ausfiel, wurde nur diese zugelassen. 
|