PZ-Akademie online
Sunstar Gum

NEUE ARZNEISTOFFE

Sie befinden sich hier: Themen / Arzneistoffe / Ausgabe 10/2003 / Evra® – ein Kontrazeptivum  / 


Evra® – ein Kontrazeptivum

Das Matrixpflaster Evra® von Janssen-Cilag enthält zwei Wirkstoffe gelöst in einem Träger, der zugleich Haftschicht und Wirkstoffreservoir ist. Pro Tag diffundieren aus dieser Schicht 150 µg Norelgestromin und 20 µg Ethinylestradiol in den Blutkreislauf. Norelgestromin ist der aktive Metabolit von Norgestimat, das bereits seit mehreren Jahren in oralen Kontrazeptiva Anwendung findet.

 

Das beige, 4,5 cm x 4,5 cm große Pflaster wird einmal wöchentlich appliziert. Es kann auf den Bauch, die Außenseite der Oberarme, das Gesäß oder den Oberkörper, nur nicht auf die Brüste, geklebt werden. Nach sieben Tagen wird es zu einer beliebigen Uhrzeit gegen ein neues Pflaster ausgetauscht. Vergisst die Anwenderin den Wechsel, gewährt das Pflaster noch weitere zwei Tage einen wirksamen Schutz. Nach insgesamt drei Wochen und damit drei Pflastern folgt eine pflasterfreie Woche.

 

Das Wirkprinzip entspricht dem monophasischer oraler Kontrazeptiva. Primär wird die Ovulation gehemmt, aber auch der Zervikalschleim und das Endometrium können sich verändern, was zur Wirksamkeit des Präparates beiträgt.

 

Sowohl Norelgestromin als auch Ethinylestradiol erreichen nach circa 48 Stunden ihre höchsten Serumkonzentrationen. Während der einwöchigen Applikation des Pflasters beträgt die Konzentration von Norelgestromin circa 0,8 ng/ml und die von Ethinylestradiol circa 0,05 ng/ml. Wird das Pflaster entfernt, ist die Hälfte des Norelgestromins nach etwa 28 Stunden und des Ethinylestradiols nach circa 17 Stunden über die Nieren und mit den Fäzes ausgeschieden.

 

In multizentrischen Phase-III-Studien mit 3319 Frauen wirkte das Pflaster ebenso sicher wie die Pille (Pearl Index von 0,72 für Methodenversagen und 0,9 für Gesamtversagen). Das Auftreten von Blutungsstörungen entsprach mit 12 Prozent demjenigen niedrig dosierter oraler Kontrazeptiva. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Reaktionen an der Applikationsstelle (17 Prozent), Brustbeschwerden, Kopfschmerzen und Übelkeit.

 

Die einfache Anwendung verbesserte die Compliance der Frauen: In einer Vergleichsstudie mit oralen Kontrazeptiva wendeten 88 Prozent der Pflasterträgerinnen das Präparat korrekt an, verglichen mit 78 Prozent Frauen, die die Pille einnahmen. Im Gegensatz zu den oralen Kontrazeptiva beeinflussen Magen-Darm-Störungen wie Erbrechen oder Durchfall die transdermale Wirkstoffresorption nicht.


Zurück Nach oben
Startseite Kontakt Impressum