AM-Report: Verordnungen vom Geschlecht abhängig

Frauen erhalten häufiger inadäquate Medikamente als Männer. Dies ist ein Ergebnis des Arzneimittelreports 2012, den die Barmer-GEK heute in Berlin vorstellte. Demnach verschreiben Ärzte weiblichen Patienten unter anderem zwei- bis dreimal mehr Psychopharmaka als männlichen. Diese erhalten dafür mehr Arzneien mit Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System. Frauen würden also «eher Mittel mit Wirkung auf die Psyche bekommen, Männer eher Mittel mit Wirkung auf körperliche Störungen» heißt es in dem Report.
Diese geschlechtsspezifischen Differenzen seien «medizinisch kaum begründbar, widersprechen den Leitlinien und bergen ein hohes Abhängigkeitsrisiko», heißt es in einer Pressemitteilung der Barmer. Dr. Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen forderte eine Negativliste, welche «Ärzte verlässlich über Wirkstoffe informiert, die bei Frauen gefährliche Effekte auslösen können». Ähnliches leistet bereits heute die Priscus-Liste mit gefährlichen Wirkstoffen für ältere Menschen.
Auch zur Anzahl der Verordnungen gab es Zahlen: Demnach wurden bei der Barmer versicherten Frauen 2011 mit durchschnittlich 937 Verordnungen deutlich mehr Medikamente verschrieben als Männern (763 Verordnungen). Dennoch lagen die Geschlechter bei den Arzneimittelkosten beinahe gleichauf. 100 Männern wurden 2011 demnach im Schnitt Medikamente für 41.100 Euro verordnet, 100 Frauen Arzneien für 44.900 Euro. «Daraus kann geschlossen werden, dass Frauen «kostengünstiger versorgt werden», heißt es in dem Report. (ah)
26.06.2012 l PZ
Foto: Fotolia/Auremar |  | 





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