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Mikrobiom und Typ-1-Diabetes
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3 Mythen und 3 Wahrheiten

»Das Mikrobiom ist nach wie vor ein Hot Topic. Wir stecken aber wissenschaftlich noch in den Kinderschuhen, zudem sind einige Mythen im Umlauf«, so Juniorprofessorin Dr. Marie-Christine Simon vom Universitätsklinikum Bonn, auf der Vorab-Pressekonferenz zur Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).
AutorKontaktIsabel Weinert
Datum 03.11.2025  10:00 Uhr

Simon, Leiterin der Forschungsgruppe »Computational Microbiome & Brain Health« in der Abteilung Bioinformatik von Fraunhofer SCAI, nannte als ersten Mythos, dass die Mikrobiomforschung neu sei. Sie beruhe vielmehr auf jahrhundertealten Methoden der Mikrobiologie. Ein weiterer Mythos sei, dass das Darmmikrobiom ursächlich sei für verschiedene Erkrankungen. Das verneinte die Expertin – auch im Zusammenhang mit Typ-1-Diabetes. Mythos 3: Es gebe im Darm mehr Bakterienzellen als der Organismus an menschlichen Zellen besitze.

Neben den Mythen gibt es aber auch Wahrheiten. Die erste: Das Mikrobiom kann als eigenes Organ angesehen werden und die von den Bakterien produzierten Metaboliten wirken auf die Stoffwechselsituation des Wirtsorganismus. Die zweite: Die Bakteriengemeinschaft im Darm kann Vorläufersubstanzen für Neurotransmitter bereitstellen und damit Hunger und Sättigung beeinflussen. Und die dritte: Zwar gelingt mit dem Einsatz von Prä- und Probiotika eine Modifikation der Darmflora, diese eigne sich jedoch nicht als alleiniges Therapiekonzept etwa, um Hunger und Sättigung zu verändern.

Eine großangelegte chinesische Beobachtungsstudie hat in diesem Zusammenhang gezeigt, dass Kinder, die von Geburt an bis zum zweiten Lebensjahr Probiotika erhielten, im Schulalter ein geringeres Risiko für Übergewicht hatten, als jene, die diese Probiotika nicht erhalten hatten. Ob dieses Resultat und diejenigen anderer Studien tragen, wisse man noch nicht.

Kritisch betrachtet Simon, dass es in Deutschland noch keine konkrete Regulierung von Probiotika-Produkten gibt. Sie warnte ausdrücklich vor Präparaten, die damit beworben würden, dass sie die GLP-1-Sekretion stimulierten. Zwar gebe es Hinweise auf einen solchen Effekt im Zusammenhang mit bestimmten Probiotika, es gebe jedoch keine ausreichende Evidenz und zudem sei die individuelle mikrobielle Zusammensetzung im Darm sehr unterschiedlich. Simon fasste zusammen: »Probiotika können im Kindesalter potenziell modulieren – insbesondere beim Risiko für Gewichtszunahme –, aber sie sind kein Konzept, das allein die Appetitregulation vollständig steuern oder eine Typ-1-Diabetes-Entstehung verhindern würde.«

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