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»Doomscrolling«
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Ab wann macht Nachrichtenkonsum uns krank?

Für viele gehören Nachrichten zum Alltag. Manche Menschen leiden jedoch unter ihrem News-Konsum. Hilft Betroffenen nur komplette Abstinenz oder gibt es einen anderen Ausweg?
AutorKontaktdpa
Datum 29.08.2022  16:00 Uhr

Mehr Forschungsbedarf

Zur Klärung brauche es anders aufgebaute Studien, sagte Leonard Reinecke, Professor für Medienwirkung und Medienpsychologie an der Universität Mainz, der nicht an der Studie beteiligt war. Klar sei, dass schlechte Nachrichten kurzfristige Negativeffekte auf unsere Stimmung hätten. »Wir nehmen das Weltgeschehen über Nachrichten auf«, so Reinecke. »Wenn ein Krieg in Europa herrscht, wenn Menschen sterben, wenn wir von der Pandemie selbst betroffen sind, dann lässt uns das natürlich nicht kalt.«

Dass Menschen eher auf schlechte Nachrichten klicken, ist laut Nora Walter evolutionär bedingt. Die Professorin für Wirtschaftspsychologie an der FOM Hochschule für Ökonomie und Management war ebenfalls nicht an der Studie beteiligt. »Wir klicken Katastrophen-Schlagzeilen an, um nach Informationen zu suchen, die uns vor einer möglichen Bedrohung schützen«, so Walter. »Aber wenn man sich ständig nur mit negativen Nachrichten umgibt, besteht die Gefahr, dass man irgendwann keinen positiven Gedanken mehr fassen kann.«

»Wenn man sich ständig nur mit negativen Nachrichten umgibt, besteht die Gefahr, dass man irgendwann keinen positiven Gedanken mehr fassen kann.«
Nora Walter, Professorin für Wirtschaftspsychologie an der FOM Hochschule für Ökonomie und Management

Durch das Internet seien Mediennutzer zu jeder Zeit mit einer grenzenlosen Nachrichtenflut konfrontiert. »Auf Social Media kommt immer wieder eine neue Info, ein neuer Post, ein neues Video. Man scrollt und scrollt«, so Walter. »Da ist es schwierig zu sagen: Jetzt stoppe ich und mache etwas Anderes.« Wenn man sich durch seinen Nachrichtenkonsum beeinträchtigt fühle, könne man ihn aber wieder in den Griff bekommen. Eine Strategie: Man beschränkt sich auf eine gewisse Anzahl an Artikeln pro Tag, erklärt die Psychologin. »Oder man begrenzt sich zeitlich und nimmt sich zum Beispiel eine halbe Stunde zum Lesen. Sobald der Wecker klingelt, hört man auf.«

Auch die Autoren der Studie plädieren dafür, Nachrichten nicht ganz abzuschalten – sondern einen gesunden Umgang mit ihnen zu finden. Die Verantwortung hierfür sehen sie nicht nur bei den Nachrichtenkonsumenten selbst, sondern auch der Medienbranche. Journalisten sollten sich nicht nur auf aufmerksamkeitsgenerierende Geschichten konzentrieren, so McLaughlin.

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