Apotheker ohne Grenzen zieht erste Bilanz |
Apotheker Jochen Wenzel koordiniert ehrenamtlich das Ukraine-Team von AoG und hat sich an mehreren Grenzorten in Polen, Rumänien und an der Grenze zu Moldawien unterwegs. / Foto: Apotheker ohne Grenzen
Die aktuellste Lieferung beinhaltet 32 Paletten mit Verbandsstoffen für Mykolajiw in der Südukraine. Die Prioritäten der auf pharmazeutische Hilfe spezialisierten Nichtregierungsorganisation liegen hierbei immer auf der bedarfsgerechten Beschaffung von essenziellen Medikamenten sowie einer direkten und zielgerichteten Verteilung an medizinische Einrichtungen wie Krankenhäuser, Ambulanzen oder Verteilungspunkte.
Seit Anfang der Krise setzt AoG auf eine enge Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen sowie öffentlichen Einrichtungen und Behörden wie zum Beispiel der ukrainischen Botschaft in Berlin. Die aufwendige Koordination aller Anfragen und die Hilfseinsätze in den ukrainischen Nachbarländern kann der Verein nur leisten, weil er auf einen großen Pool an speziell für die Nothilfe und Entwicklungszusammenarbeit ausgebildeten Einsatzkräften zurückgreifen kann. Viele im Team leisten ihre Arbeit in dem bereits vor 22 Jahren gegründeten Verein im Ehrenamt, so auch derzeit die meisten im Koordinationsteam Ukraine.
»Unsere Aufgabe ist es, die Situation vor Ort und an den Grenzen zu analysieren, die vielen Anfragen aus der Ukraine zu bewerten, geeignete im Land übliche Medikamente auszuwählen und zu beschaffen, sie bei Bedarf in Landessprache zu kennzeichnen und den Erhalt direkt in medizinische Einrichtungen sicherzustellen«, erklärt Apotheker und ehrenamtlicher Ukraine-Koordinator Jochen Wenzel. Zuletzt ging beispielsweise um den Transport von lebenswichtigen Injektionen, die im Land mit jedem Kriegstag knapper werden. Insuline im Wert von knapp 13.000 Euro erreichten allein letzte Woche das Regionalkrankenhaus von Kirovograd.
Bei der teils anspruchsvollen Logistik greift AoG auf ein seit Jahren bestehendes Netzwerk zurück, geht aber auch neue Wege wie zuletzt mit einer mit der ukrainischen Pilotenvereinigung Air Rescue eingerichteten Luftbrücke für Trauma-Notfallkits nach Lviv. Wenzel und weitere AoG-Einsatzkräfte reisten zur Vorbereitung der Missionen in den letzten Wochen mehrfach nach Polen, Rumänien und an Grenze zur Republik Moldau.
Apotheker ohne Grenzen freut sich über jede Spende mit dem Betreff »Ukraine-Hilfe«:
Deutsche Apotheker- und Ärztebank
IBAN: DE 88 3006 0601 0005 0775 91
BIC: DAAEDEDDXXX
Bereits Ende Februar warnte Apotheker ohne Grenzen vor der Sammlung von ungeeigneten Arzneimittelspenden – vor allem Altarzneien: »Gut gemeinte Hilfe kann große Probleme machen. Spenden aus Privathaushalten sind unbrauchbar, nicht bedarfsgerecht und müssen mit viel Aufwand sortiert und vielfach entsorgt werden«, so Apotheker Ulrich Brunner vom AoG-Koordinationsteam.
Sein Kollege Andreas Portugal, seit Ende Februar unter anderem für die Projektarbeit an der polnisch-ukrainischen Grenzen verantwortlich, ergänzt: »Was bei uns nicht mehr gebraucht wird, sollte man nicht ungefragt verschicken.« Beide kennen die Probleme zu gut aus zahlreichen Einsätzen rund den Globus. Daher klärt der gemeinnützige Verein seit vielen Jahren Privathaushalte aber auch Arztpraxen und Apotheken zum Thema sinnvolle Arzneimittelspenden auf.