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Radon-Belastung
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Auch im Winter regelmäßig lüften

Ist es kalt draußen, bleiben die Fenster oftmals länger zu. Doch dadurch kann sich Radon, ein potenziell tödliches Gas, stärker anreichern. Strahlenschutz-Experten raten zu Messungen gerade jetzt im Winter.
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Datum 29.01.2026  09:00 Uhr

Bei eisigen Temperaturen lüften viele Menschen weitaus seltener. Das kann die Belastung mit radioaktivem Radon in der Wohnung deutlich erhöhen, warnt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter. »Man sollte auch im Winter daran denken, ein häufig genutztes Zimmer oder ein Büro im Keller gut zu lüften.« Das solle möglichst per Durchzug kurz und intensiv geschehen. Und das nicht nur alle paar Tage: Die Radonkonzentration steige innerhalb von wenigen Stunden nach dem Lüften wieder auf das alte Niveau. Das farb- und geruchlose Gas ist nach Tabakrauch die wichtigste Ursache für Lungenkrebs.

Die Radonkonzentration im Winter in einem ungelüfteten Kellerraum könne je nach Gebäude um den Faktor fünf bis zehn höher liegen als in einem gut gelüfteten Raum im Sommer, hieß es vom BfS. Zudem entsteht dem Lungeninformationsdienst des Helmholtz Zentrums München zufolge in Häusern ein kaum spürbarer Unterdruck, wenn die warme Heizungsluft im Winter im Haus aufsteigt.

Aus dem Untergrund gelangt das Gas durch Risse im Fundament, undichte Rohrdurchführungen, Kabelschächte oder offene Poren in Wänden auch in Häuser. Die höchsten Radonkonzentrationen treten typischerweise in Kellern und Erdgeschossen auf. Über Treppenhäuser, Schächte, Kamine, Kabelkanäle oder undichte Decken kommt das Gas aber auch in obere Etagen, verstärkt durch den – abgemildert auch im Sommer vorhandenen – Kamineffekt: Warme Luft steigt auf und saugt Luft von unten nach. 

Ein zusätzliches Problem ist den Helmholtz-Experten zufolge, dass im Zuge von Energiesparmaßnahmen viele Gebäude besser isoliert wurden – aber damit auch stärker von der Außenluft abgeschirmt. Die Radonkonzentration sei in Deutschland jedoch regional sehr unterschiedlich hoch.

In der Außenluft verdünnt sich das Gas schnell und stellt normalerweise kein Problem dar.

Im Winter messen

Das BfS rät dazu, gerade die kalte Jahreszeit für eine Radon-Messung zu nutzen. »Wenn die Radon-Werte im Winter niedrig sind, kann man recht sicher sein, dass sie es im Sommer auch sind«, erläutert Bernd Hoffmann, Radon-Experte beim BfS.

Sogenannte passive Radon-Messgeräte sind dem BfS zufolge die einfachste Möglichkeit für eine Radon-Messung. Man stelle sie selbst in der Wohnung auf und schicke sie nach Ende der Messung an den Anbieter zurück, der sie auswerte und das Ergebnis mitteile. Pro Messegerät koste das zwischen 30 und 50 Euro.

Wichtig: Wer viel im Homeoffice arbeitet, sollte neben Wohn- und Schlafzimmer auch den privaten Büroraum in die Messung einbeziehen.

Erste Hinweise, ob das eigene Haus oder die Wohnung von hohen Radon-Konzentrationen betroffen sein könnte, liefern Deutschlandkarten auf den Internetseiten des BfS, in denen sich über eine Orts- oder Postleitzahlensuche nach der eigenen Adresse suchen lässt. »Aussagen zu Einzelgebäuden sind aus den Prognose-Karten niemals ableitbar. Sie können nur durch Messungen im jeweiligen Gebäude getroffen werden«, heißt es dazu aber.

Was tun, wenn der Wert hoch ist?

Regelmäßiges Stoßlüften durch weit geöffnete Fenster reduziert die Radonkonzentration im Erdgeschoss schnell. Kellertüren sollten nach Empfehlung von Experten geschlossen und abgedichtet sein. Abdichten sollte man zudem Risse, Fugen, Rohrdurchführungen und Kabelschächte im Boden oder an Wänden des Erdgeschosses mit Erdkontakt. In Einzelfällen wird eine Art Drainage unter dem Boden des Hauses oder spezielle Lüftungsanlagen empfohlen. Für Neubauten oder Sanierungen gibt es gasdichte Bodenplatten oder Radon-Sperrfolien.

Wenig Radon – alles gut?

Auch mit wenig Radon im Raum sollte man auf gute Durchlüftung auch im Winter achten, wie Experten betonen. Das Gas ist nur einer von zahlreichen Schadstoffen, die die Raumluft belasten und gesundheitliche Risiken bergen. Dazu zählen etwa Formaldehyd aus Möbeln und Klebstoffen, Weichmacher aus Bodenbelägen und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) aus Holzschutzmitteln. Hinzu kommen sogenannte volatile organische Verbindungen (VOCs) aus Farben, Kosmetikprodukten und Putzmitteln.

Solche Giftstoffe können unter anderem Krebs verursachen, die Fruchtbarkeit beeinträchtigen oder ungeborenes Leben schädigen. Europäer verbringen Experten zufolge heutzutage im Mittel rund 90 Prozent ihrer Zeit in Innenräumen. Entsprechend viel Relevanz haben Giftstoffe in der Raumluft. Pro Tag atmet ein Mensch rund 10 bis 20 Kubikmeter Luft ein.

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