PTA-Forum online Avoxa
instagram facebook

Hautspiritus
-
Auf den pH-Bereich achten

Tabellen mit Angaben von rezeptierbaren pH-Bereichen von Wirkstoffen stellen in der Rezepturherstellung eine wichtige Hilfe dar. Manchmal ist ein zweiter Blick notwendig.
AutorKontaktAndreas Melhorn
Datum 06.03.2026  12:00 Uhr

PTA Gabi Galenik hat ein Rezept für Hautspiritus von einer Kundin mit der Bitte um Herstellung bekommen. Als erstes prüft sie die rezeptierbaren pH-Bereiche der Wirkstoffe. Sie erinnert sich, dass Ciclopirox-Olamin in Lösung basisch reagiert, was bei der Verarbeitung von bestimmten Glucocorticoiden problematisch sein kann.

Laut den »Tabellen für die Rezeptur« des DAC/NRF liegt der rezeptierbare pH-Bereich von Clobetasolpropionat bei 2 bis 9 und der von Ciclopirox-Olamin bei 3 bis 9. Clobetasolpropionat ist ein sehr stark wirksames Externsteroid (Klasse IV). Es hat laut Rezepturhinweis »Clobetasolpropionat« der Website des DAC/NRF einen Therapeutischen Index (TIX) von 1,5 und soll nur kurzfristig angewendet werden. Gabi hat einen niedrigeren rezeptierbaren pH-Bereich in Erinnerung. Im Rezepturhinweis findet sie, dass das ZL Stabilitätsuntersuchungen von Hautspiritus gemacht hat, in denen ungepufferte Lösungen mit einem pH von 7,4 über 6 Monate stabil waren, was zu den Angaben in den Tabellen passt. Der Rezepturhinweis listet mehrere ungepufferte alkoholische Lösungen auf, für die eine Laufzeit von 6 Monaten angegeben ist.

Ciclopirox ist ein Breitband-Antimykotikum, als Rezeptursubstanz ist Ciclopirox-Olamin erhältlich. In Lösung reagiert es basisch. Eine wässrige 1-prozentige Lösung hat einen pH-Wert von 8 bis 9. Das liegt gerade noch im oberen Bereich der Stabilität des Glucocorticoids Clobetasolpropionat. Gabi wirft einen Blick in den Rezepturhinweis »Ciclopirox-Olamin«. Dort wird beschrieben, dass das Antimykotikum aus Gründen der Stabilität und der Lokalverträglichkeit durch Ansäuerung gezielt als Ciclopirox ausgefällt werden sollte. Weiter unten findet Gabi Angaben über wässrig-alkoholische Lösungen. Dort steht, dass durch Zugabe von Citronensäure das Ciclopirox-Olamin in die Säureform überführt werden kann. 2-Propanol in einer Konzentration von 60 bis 90 Prozent (V/V) wird als praktikables Lösemittel genannt. Das Ciclopirox würde also gelöst vorliegen.

Im Speziellen wird ein mit Citronensäure angesäuerter Hautspiritus beschrieben, der dem verordneten sehr ähnlich ist (nur ohne das Glucocorticoid). Außerdem existiert ein basischer Hautspiritus ohne Citronensäure. Eine Zugabe von Clobetasolpropionat zu einer der beiden Rezepturvorschriften scheint möglich zu sein. Gabi ist sich unsicher, ob die Ansäuerung notwendig ist. In Säureform scheint der Wirkstoff besser lokalverträglich. Sie gibt noch einmal alle Bestandteile in das Suche-Feld der Website des DAC/NRF ein, um zu schauen, ob der Rezepturenfinder eine passende Vorschrift anzeigt und findet einen Spiritus, der fast genau der Verordnung entspricht, allerdings mit 0,5 g Citronensäure ergänzt wird.

Die Laufzeit wird dort mit 4 Wochen angegeben, weil die chemische Stabilität der Lösung nicht untersucht wurde. Die Zeit erscheint Gabi aber praktikabel zu sein, denn die Lösung soll ohnehin nur kurz angewendet werden. Einen Eintrag ohne Citronensäure findet sie nicht. Nach Unterredung mit der verordnenden Ärztin kann Gabi den angesäuerten Spiritus herstellen.

TEILEN
Datenschutz

Mehr von Avoxa