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Beipackzettel richtig lesen
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Auf Positives konzentrieren und Placebo-Effekt nutzen

Der Beipackzettel ist für viele Menschen eine wichtige Informationsquelle. Darin findet sich alles über Risiken und Nebenwirkungen, doch kaum etwas über die positiven Effekte des jeweiligen Medikaments. Es ist der Deutschen Hirnstiftung zufolge daher von großer Bedeutung, den Inhalt von Beipackzetteln richtig zu gewichten – um den Placebo-Effekt zu nutzen und den Nocebo-Effekt möglichst gering zu halten.
AutorKontaktKatja Egermeier
Datum 11.05.2023  15:00 Uhr

Während der Placebo-Effekt eine positive Zusatzwirkung bei der Medikamenteneinnahme entfaltet – bei Scheinmedikamenten ebenso wie bei wirksamen Arzneimitteln –, beschreibt der Nocebo-Effekt die negative Wirkung, die ein Arzneimittel haben kann, wenn der Patient darauf programmiert ist, dass dieses nicht wirkt oder bestimmte Nebenwirkungen hervorruft.

Leider seien in Beipackzetteln vorwiegend die Nebenwirkungen beschrieben, so die Hirnstiftung. Die häufig lange Liste an Risiken könne für Laien beängstigend sein, während die meist nur kurz dargestellten positiven Wirkungen des Medikaments aus dem Blickfeld gerieten. Ein Beispiel seien die Blutdrucksenker, auf deren Beipackzetteln man von gelegentlichen Magen-Darm-Beschwerden als Nebenwirkung erfahre, aber nicht, dass sie das Risiko für einen Schlaganfall halbieren. Auch Informationen zum Nutzen und zur Erfolgsquote fehlten. »Sehr hilfreich wäre etwa die Information, dass ein Blutdrucksenker zum Beispiel bei 95 von 100 Behandelten den oberen Blutdruckwert um 10 Punkte senken kann«, erklärt Professor Frank Erbguth, Präsident der Deutschen Hirnstiftung.

Häufigkeitsangaben schwer einzuschätzen

Vielen falle es zudem schwer, die Häufigkeitsangaben der Nebenwirkungen richtig einzuschätzen. Eine Nebenwirkung, die als »selten« bezeichnet wird, bedeute beispielsweise, dass weniger als 10 von 10.000 Menschen diese bekommen; bei »sehr selten« seien es sogar weniger als 1 von 10.000. »Diese Angaben passen oft nicht zum allgemeinen Alltagsverständnis, was zu einer Überschätzung des Risikos führen kann«, erklärt Erbguth. Das fördere eher eine negative Erwartungshaltung und damit den Nocebo-Effekt. Das Potenzial der positiven Erwartung, der Placebo-Effekt, bleibe dagegen außen vor.

»Was in den Beipackzetteln als seltene Nebenwirkung steht, ist tatsächlich sehr unwahrscheinlich.«
Professor Dr. Frank Erbguth, Präsident der Deutschen Hirnstiftung

Es ist daher wichtig, dass Patienten den Beipackzettel richtig lesen und verstehen, aber auch, dass Ärzte und Apotheker diese Informationen dem Patienten verständlich und umfassend vermitteln. »Placebo-Effekte zu fördern und Nocebo-Effekte zu vermeiden, ist so bei nahezu jeder Behandlung unabhängig von der Erkrankung sinnvoll und möglich«, erklärt Erbguth.

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