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Fußpilz

Behandeln statt abwarten

Datum 20.06.2016  10:28 Uhr

Von Claudia Timmermann / Jeder dritte Erwachsene leidet unter Fußpilz. Darüber sprechen möchte allerdings niemand gerne. Die Pilz­erkrankung zählt jedoch zu den häufigsten Hautinfektionen und ist hoch ansteckend. Rechtzeitig erkannt lässt sie sich gut behandeln.

Bittet ein Kunde in der Offizin hinter vorgehaltener Hand um ein Antimykotikum, kann die PTA oder der Apotheker davon ausgehen, dass es ihn große Überwindung gekostet hat. Denn viele Betroffene schämen sich für Fußpilz, noch immer in dem Irrglauben, er habe etwas mit mangelnder Hygiene zu tun. Über die wirklichen Gründe, die einer Mykose Vorschub leisten können, wissen die wenigsten Bescheid. An dieser Stelle sollten PTA oder Apotheker die Gelegenheit nutzen, ihren Kunden sensibel und diskret über die Erreger, Ansteckungsmöglichkeiten und deren Ursachen aufzuklären.

Hornschicht als Ziel

Um zu verstehen, warum Tinea pedis, so nennen Mediziner den Fußpilz, häufig langwierig und mit typischen Symptomen verläuft, sollte man die Erreger genauer unter die Lupe nehmen. Fadenpilze, sogenannte Dermatophyten, lösen circa 98 Prozent aller Fußmykosen aus. Sie nisten sich in der obersten Hautschicht ein und finden hier, was sie zum Leben brauchen: Hornzellen, aus denen sie mithilfe des Enzyms Keratinase Keratin und Kohlen­hydrate abbauen.

So gut wie jeder Fußpilz geht mit starkem Juckreiz einher. Bereits einige Tage nach Ansteckung beginnen sich kleinere, weißliche Hautschuppen abzuschilfern, die je nach Infektionsgrad zu größeren Hautfetzen werden können. Darunter kommt rosafarbene, wunde, entzündete und brennend schmerzende Haut zum Vorschein. Häufig bilden sich kleine Bläschen, die nässen und Schmerzen verursachen, sobald sie aufplatzen.

Feucht und warm

Grundsätzlich fühlen sich Dermatophyten überall dort wohl, wo sie ein feucht-warmes Milieu vorfinden. Optimale Wachstumsbedingungen bieten also Hautfalten und Zehenzwischenräume, aber auch Füße, die regelmäßig in verschwitzten, nicht ausreichend belüfteten Schuhen stecken.

So sind zum Beispiel Sportler besonders anfällig für Fußpilz-Erkrankungen. Die Bezeichnung »Athletenfuß« kommt daher auch nicht von ungefähr. Neben engen, schweiß-feuchten Turnschuhen lauert in Gemeinschaftsduschen und Schwimmbädern, in Umkleidekabinen oder in der Sauna eine besonders hohe Ansteckungsgefahr. Wer hier barfuß läuft, kann sich leicht infizieren. Denn in Hautschuppen können die Sporen der Fadenpilze lange Zeit überleben.

Erhöhtes Risiko

Durchblutungsstörungen in Beinen und Füßen wirken sich häufig auf den Zustand der Haut aus. Sie ist trocken und rissig und weniger widerstandsfähig gegenüber äußeren Einflüssen. Dermatophyten haben leichtes Spiel, sich hier anzusiedeln. Besonders Diabetiker bekommen das zu spüren. Sie haben gegenüber Gesunden ein ungleich höheres Risiko, sich eine Pilzinfektion an den Füßen zuzuziehen. Denn neben Durchblutungsstörungen machen ihnen häufig eine schwache Immunabwehr und neuropathische Beschwerden zu schaffen. Neuropathien haben oft Verletzungen an den Füßen zur Folge, die von den Betroffenen längere Zeit unbemerkt bleiben und als ideale Eintrittspforte für Pilze und andere Keime dienen.

Bleibt die Mykose unbehandelt, kann sie zum Auslöser eines diabetischen Fußsyndroms, einer großflächigen Pilzerkrankung oder sogar zu einer Wundrose werden. Das sogenannte Erysipel ist eine akute, meist durch Streptokokken verursachte Haut­infektion, die mit hohem Fieber einhergeht. Durch kleinste Haut­verletzungen dringen die Bakterien in den Organismus ein und lösen meist am Unterschenkel hochrote, flammenförmige Ent­zündungs­reaktionen aus. Ohne Anti­bio­tika­behandlung ist eine Wundrose lebensgefährlich.

Besser zum Arzt

Die am häufigsten vorkommende Fußpilz-Form Tinea pedis interdigitalis lässt sich im Allgemeinen gut selbst therapieren. Risikogruppen, zu denen Patienten mit Diabetes mellitus oder einer immunsuppressiven Dauertherapie gehören, sollten PTA und Apotheker besser zum Arzt schicken. Dasselbe gilt auch für Schwangere und Stillende und für Betroffene, bei denen weite Haut­areale sowie zusätzlich Fußnägel befallen und möglicherweise superinfiziert sind. Der Mediziner erkennt, um welche Form der Fußmykose es sich handelt (siehe Tabelle am Ende des Artikels). Er entscheidet anhand dessen, ob eine lokale antimykotische Behandlung ausreicht oder weitere, zum Beispiel systemische Therapiemaßnahmen nötig sind.

Je eher die Fußpilz-Therapie beginnt, desto schneller bekommen Betroffene ihre Beschwerden in den Griff und senken gleichzeitig die Gefahr für Folgekomplikationen. Für die Selbstmedikation stehen verschiedene Wirkstoffgruppen und Darreichungsformen zur topischen Anwendung zur Verfügung. Grundsätzlich unterscheiden sich Antimykotika durch ihre fungizide beziehungsweise fungistatische Wirkung. Fungistatisch wirksame Substanzen hemmen lediglich die Vermehrung der Pilze, Fungizide töten die Erreger ab.

Hinweise und Maßnahmen

  • Füße waschen: mit pH-neutralen Pflegeprodukten oder solchen, die im leicht sauren pH-Bereich liegen
  • Gut abtrocknen: vor allem zwischen den Zehen – eventuell trockenföhnen
  • Auf Nummer sicher gehen: zum Eincremen und Behandeln der Füße Einmalhandschuhe verwenden; Socken nur einmal und immer vor der Unterhose anziehen, um die Infektion nicht auf andere Körperbereiche zu übertragen; Handtücher nur einmal verwenden; Schuhe desinfizieren
  • Bei 60 Grad Celsius waschen: Alle Textilien inklusive Badvorleger, die mit den infizierten Hautstellen in Kontakt gekommen sind.
  • Sich und andere schützen: während der Infektion weder zu Hause noch in öffentlichen Einrichtungen (Schwimmbad, Sauna et cetera) barfuß laufen

Die Gruppe der Azole, zu denen beispielsweise Clotrimazol, Bifonazol, Miconazol sowie Econazol gehören, hemmen die Biosynthese von Ergosterol, einem essenziellen Bestandteil der Pilzzellmembran. Der Pilz kann sich nicht weiter fortpflanzen und wird über den normalen Hauterneuerungsprozess entfernt. Das dauert normalerweise drei bis vier Wochen. Genauso lange sollte also die Therapie mit Azol-haltigen Präparaten erfolgen. Wichtig in der Beratung: Auch wenn Symptome wie Rötung der Haut, Juckreiz oder Brennen, nach wenigen Behandlungstagen nachlassen oder sogar verschwinden, sollte der Betroffene unbedingt weiter cremen oder sprayen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Infektion wieder aufflammt und sich Resistenzen gegen den verwendeten Wirkstoff entwickeln.

Das Allylamin Terbinafin greift ebenfalls in den Aufbau der Pilzzellmembran ein, allerdings auf andere Weise. Es inaktiviert ein Enzym, das normalerweise aus dem toxischen Zwischenprodukt Squalen das für die Zellmembran notwendige Ergosterol synthetisiert. So kommt es zu einer Vergiftung der Pilzzelle – sie stirbt ab. Für diese Wirkung reichen bereits niedrige Konzentrationen an Terbinafin aus, was auch die kurze Behandlungsdauer von sieben Tagen erklärt. Zudem wird ein Depoteffekt genutzt. Das äußerst lipophile Fungizid bleibt circa eine Woche nach der letzten Anwendung in der Hornschicht der Haut. Bei der Einmaltherapie bildet sich ein bioadhäsiverFilm, der für eine starke Penetration von Terbinafin in die Haut sorgt.

Für jeden das Richtige

Welches Präparat sich für welchen Kunden eignet, hängt von der Ausprägung der Pilzinfektion ab, ebenso vom Alter, und davon, ob der Kunde bereits zuvor ein Präparat verwendet hat. Nicht zuletzt spielt auch das Geschlecht eine Rolle. Die Klassiker unter den Darreichungsformen sind antimykotisch wirksame Cremes. Sie haben pflegende, rückfettende Eigenschaften und eignen sich somit gut bei trockener Haut. Einfach und schnell lassen sich Sprays anwenden, weil man mit ihnen auch schwer erreichbare Hautstellen behandeln kann. Als ideale Therapieoption haben sich die kühlenden Lösungen zum Sprühen für Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit erwiesen. Patienten, die möglichst wenig Zeit in die Fußpilz-Behandlung investieren möchten, kann man ein Terbinafin-haltiges Präparat empfehlen, das nur einmal aufgetragen wird.

Konsequente Therapie

Der Hinweis, dass nur eine konsequente und kontinuierliche Behandlung, je nach Wirkstoff bis zu vier Wochen, den gewünschten Erfolg bringt, sollte in keinem Kundengespräch fehlen. Neben der Beratung zur medikamentösen Therapie sollten PTA und Apotheker Patienten außerdem darauf aufmerksam machen, mit welchen ergänzenden Maßnahmen sie die Be­handlung unterstützen sowie sich und andere vor einer erneuten Infektion schützen können. /

Fußpilzformen

Art Lokalisation Symptome Behandlung
Tinea pedis interdigitalis, (Fußpilz in den Zehen­zwischenräumen) häufigste Form, beginnt meist zwischen dem vierten und fünften Zeh Haut zwischen den Zehen ist gerötet, juckt, brennt; schmerzhafte Risse, Bläschenbildung Selbstmedikation mit fungizid oder fungistatisch wirkenden Präparaten möglich Kombi-Therapie von lokal und systemisch wirksamen Anti­mykotika, z. B. Terbinafin und Ciclopirox (Verordnung durch den Arzt)
Squamös-hyperkeratotischer Typ oder Mokassin-Typ (Fußpilz an der Fußsohle) Fußsohle und Fußkanten; selten, aber chronisch Entzündete trockene, schuppige Haut, die verhornt und einreißt Behandlung durch Arzt
Vesikulös-dishydrotischer Typ (Fußpilz mit Bläschenbildung) Fußgewölbe und Fußkanten; selten Bläschenbildung und starke Verhornung, Haut juckt und spannt Behandlung durch Arzt