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Haut

Die richtige Pflege für Diabetiker

Datum 08.10.2014  11:06 Uhr

Von Inga Richter / Die Haut kann auf vielfältige Art von einer ­Diabetes-Erkrankung betroffen sein. Mit einem gut eingestellten Blutzuckerwert sowie einer regelmäßigen, sorgfältigen und ­geeigneten Hautpflege können Patienten aber Hautschäden ­vorbeugen.

Wenn die Haut spannt, manchmal juckt oder schuppt, fehlt es ihr an Feuchtigkeit. Trockene Haut betrifft nicht nur Diabetiker. Doch sie leiden wesentlich häufiger darunter als stoffwechselgesunde Menschen. Einerseits, weil der Wasserhaushalt über die Nieren gestört ist und somit zuviel Wasser ausgeschieden wird, erklärt Dr. Markus Zutt, Chefarzt der Klinik für Dermatologie und Allergologie des Bremer Klinikverbundes Gesundheit Nord. Besteht bereits eine Neuropathie, werden zudem die Schweiß- und Talgdrüsen in Mitleidenschaft gezogen, sodass die Haut nicht mehr genügend Fett und Feuchtigkeit speichern kann.

 

Barriere gestört

»Trockene Haut mit dem zugehörigen leichten Juckreiz ist zwar nur eine Befindlichkeitsstörung«, sagt Zutt, manchmal sei das Symptom aber auch der Grundstein für Folgeerkrankungen. In erster Linie ist durch den Fett- und Feuchtigkeitsmangel die Barrierefunktion der Haut gestört, wodurch Keime leichter eindringen können. Zusätzlich öffnen durch Kratzen entstandene kleine Wunden den Krankheitserregern die Pforten. Mehr noch: »In einer Umgebung mit erhöhtem Blutzucker- und Gewebezuckerspiegel fühlen sich insbesondere Pilze und Bakterien sehr wohl«, so der Dermatologe. Pilzinfektionen befallen bevorzugt die Haarfollikel am Bart, das Gesicht, Hände und Füße. Sie verursachen Rötungen, Juckreiz und Bläschen. Ebenfalls verbreitet sind Hefepilzinfektionen im Mund (Soor) oder in der Scheide. Bei immungeschwächten Patienten können Pilze der Gattung Candida auch generalisierte Hefepilzinfektionen hervorrufen, die sich großflächig auf der Haut, den Schleimhäuten oder gar in den Organen im Körperinneren ausbreiten. Derartige Candidosen sind schwerwiegend und sollten unbedingt rechtzeitig behandelt werden.

 

Bei den bakteriellen Erregern lösen am häufigsten Staphylokokken und Streptokokken Hauterkrankungen aus. Erstere sind verantwortlich für Entzündungen von Haar- und Talgdrüsenfollikeln sowie der Nagelwälle. Eine Ansiedlung an den Schweißdrüsen führt zu Furunkeln und Abzessen. Streptokokken hingegen bedingen eher großflächige Dermatosen wie Eiterflechte (Impetigo) oder Wundrose. »Äußerst wichtig zur Vorbeugung von Infektionen jeglicher Art ist eine konsequente und gründliche Hautpflege und Hauthygiene«, sagt Zutt. »Pflegeprodukte mit Harnstoff sind besonders geeignet, weil sie Wasser in der Haut binden und selbst entzündungshemmend wirken.« Zusätzlich rät er, viel zu trinken, sofern die Nieren noch nicht in Mitleidenschaft gezogen sind. Haben die Keime dennoch die Überhand gewonnen, ließen sich Hautinfektionen aber gut behandeln. Zum Einsatz kommen örtlich wirksame, desinfizierende Medikamente, gegebenenfalls systemisch wirkende Antimykotika oder Antibiotika. Manches Mal kann auch eine Kombination äußerlicher und innerlicher Arzneistoffe nötig sein.

Tabelle: Mögliche Hautveränderungen durch Diabetes mellitus

Krankheit Symptome Häufigkeit unter Diabetikern Behandlung
Vitiligo (Weißflecken-
krankheit)
Schädigung der pigmentbildenden Zellen (Melanozyten): Scharf begrenzte, kalkweiße Areale von unterschiedlicher Größe, Anzahl und Form. ca. 4,8 %, aber: nur etwa 0,7 % der gesunden Bevölkerung Vermeidung von Sonne; bei Leidensdruck: PUVA-Therapie
Bullosis diabeticorum Schmerzlose, nicht entzündliche Blasen, vorwiegend an den Unterschenkeln; meist ohne Entzündungszeichen und schmerzlos. 0,3 % der Diabetiker, aber: 60 bis 70% der Menschen mit B. diabeticorum leiden an Diabetes nicht erforderlich
Sklerodermie Wachsartige Schwellungen der Haut an Handflächen, Fingern, Unterarmen oder Oberschenkeln durch gestörte Kollagensynthese. Das ausgehärtete Kollagen kann zu Bewegungseinschränkungen der jeweiligen Gelenke führen. keine genauen Angaben, selten Vermeidung von Kälte; Krankengymnastik, Ergotherapie; mitunter Phototherapie.
Necrobiosis lipoidica Ovale, rötlich-bräunliche Herde, meist an den Unterschenkel­streckseiten. Führt zur Nekrose mit Entzündungsreaktionen des Gewebes. ca. 0,3 %, vorwiegend Frauen Kompressionsbehandlungen; Glucocortikoide innerlich oder äußerlich; je nach Schwere Immunsuppressiva, Biologica, Pentoxifyllin zur Förderung der Durchblutung, Tacrolismus.
Rubeosis diabeticorum charakteristische Gesichtsröte häufig nicht erforderlich
Xanthome bei erhöhten Blutfettwerten: Fettablagerungen in der Haut, orange-gelblich schimmernd, knotenartig, harmlos. keine Angabe möglich lassen sich durch Laser, Skalpell oder Vereisung entfernen; gegebenenfalls Lipidsenker.
Xanthelasmen (Ablagerungs-
dermatose)
bei erhöhten Blutfettwerten: Fettablagerungen im Bereich der Augen. keine Angabe möglich siehe Xanthome

 

Die Stoffwechselerkrankung stört nicht nur den Feuchtigkeitshaushalt der Haut. »Bei einem dauerhaft erhöhten Blutzuckerwert lagert sich der Zucker in Blutgefäße und Nervenfasern ein«, sagt Zutt. In der Folge verkalken kleinere und größere Arterien, manche verschließen sich, es kommt zu Durchblutungsstörungen. Die daraus resultierende periphere arterielle Verschlusskrankheit tritt vornehmlich an Unterschenkeln und Füßen auf, da diese Körperteile am weitesten vom Herz, der »Blutpumpe«, entfernt sind. Dort erscheint die Haut blass oder bläulich und fühlt sich kühl an.

 

Wunden heilen schlecht

Durch die Mangeldurchblutung heilen Wunden schlechter oder gar nicht. Verheerend ist dabei, dass die Betroffenen die Verletzungen nicht spüren, denn die Nervenschäden beeinträchtigen sowohl das Schmerz-, als auch das Temperaturempfinden. So bleibt eine Abschürfung, ein Kratzer oder Schnitt oftmals unbemerkt, wächst zur Wunde bis hin zum offenen Bein (Ulcus cruris). »Schlimmstenfalls setzt sich eine bakterielle Entzündung darauf, dann besteht die Gefahr der schwersten Form, der Gangrän«, so Zutt. Häufig ließen sich derartige Gewebeschäden durch entsprechende Wundauflagen und Salbenbehandlungen heilen. Bei schwerem Verlauf sind operative Verfahren notwendig–manchmal sogar eine Amputation.

An den Füßen gehört der Druckulkus zu den schwerwiegenden Folgen leichter Hautverletzungen. Durch Fehlbelastungen oder falsches Schuhwerk entstehen ausgestanzt wirkende, offene Wunden mit verdickten Randsäumen an der Fußsohle. »Bei Durchblutungsstörungen und Nervenschädigungen sollten die Betroffenen täglich ihre Füße untersuchen und dabei auf Wunden, Abschürfungen, Rötungen oder Blasen achten«, betont Zutt. Deutschlandweit würden jährlich 21.000 Amputationen durchgeführt, weil ein diabetischer Fuß zu spät entdeckt wurde und somit zu lange unbehandelt geblieben ist.

 

Weitaus weniger dramatisch äußert sich die diabetische Dermopathie. »Das sind rötliche bis bräunliche Flecken, die meist an den Schienbeinen auftreten«, erklärt Zutt. Die Pigmentierungsstörungen treten bei 30 bis 70 Prozent aller Diabetiker auf, vorwiegend bei Männern und älteren Patienten, die bereits seit längerem unter Diabetes leiden. Man vermutet, dass die Veränderungen durch Mikroangio- und Neuropathien hervorgerufen werden.

 

Bei etwa jedem dritten Diabetiker kommt es außerdem zu einer Hautveränderung mit dem Namen Pseudoacanthosis nigricans, samtartigen, bräunlich verfärbten und verdickten Hautstellen, die meist in den Achselhöhlen, am Nacken und in den Leisten zu finden sind. Womöglich beruhen diese Veränderungen auf einer vermehrten Bildung von insulinähnlichen Wachstumsfaktoren (engl: Insulin Growth Factors, IGF1), welche bei Akne nachgewiesenermaßen das Wachstum von Hornzellen anregen. Solange keine Komplikationen auftreten, bedürfen die Hyperkeratosen keiner Behandlung. Verursachen sie jedoch Schmerzen, nässen oder entzünden sich, können die Bereiche mit Salicylvaseline oder Retinoiden behandelt werden.

 

Viele Hautschäden treten gar nicht erst auf oder bilden sich zumindest zurück, wenn sich die Insulinresistenz bessert. »Oberstes Gebot ist die optimale Einstellung des Blutzuckerspiegels«, sagt Zutt. Wenn der Patient Übergewicht vermeidet oder abbaut, sich gesünder ernährt und ausreichend bewegt, lässt sich auch die Medikamentendosis stark reduzieren. /

Hauthygiene und Pflege

  • Warmes Wasser trocknet die Haut aus, daher besser duschen als baden, nicht länger als wenige Minuten, nicht heißer als 34°C.
  • Rückfettende Badezusätze oder Duschcremes verwenden.
  • Gründlich abtrocknen, tupfen, nicht rubbeln, besonders auf trockene Haut­falten achten: Ein feuchtwarmes Milieu fördert die Besiedlung von Keimen.
  • Eincremen: Wasser-in-Öl-Emulsionen verwenden, versetzt mit Harnstoff (Urea) oder Milchsäure. Bei sehr trockener Haut helfen pflegende Öle.

Besonderheiten für die Füße:

  • Füße täglich kurz (unter drei Minuten) mit lau­warmem Wasser waschen. Die Temperatur (höchstens 34°C) mit einem Thermometer prüfen, da wegen möglicher Nervenschäden das Temperaturgefühl fehlen könnte. Bei kalten Füßen keine Heizkissen oder Wärmflaschen verwenden, Verbrühungsgefahr!
  • Füße täglich kontrollieren, bei Veränderungen den Arzt aufsuchen.
  • Zum Abtrocknen sanft tupfen, auf Zehen­zwischenräume achten.
  • Eincremen: feuchtigkeitsspendende Fußcreme, keine fetthaltigen Produkte.
  • Zur Hornhautentfernung keine scharfkantigen Geräte verwenden, bei Neuropathie zur medizinischen Fußpflege gehen.
  • Hautverträgliche Baumwollsocken ohne schnürende Gummis tragen sowie weiche bequeme Schuhe ohne Innennähte.
  • Die Schuhe vor jedem Tragen auf Steinchen oder ähnliches kontrollieren.
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