PTA-Forum online Avoxa
instagram facebook

Schilddrüse und Psyche
-
Basedow-Krankheit kann von selbst verschwinden

Morbus Basedow, eine autoimmune Schilddrüsenüberfunktion, kann sehr plötzlich ausbrechen – und sich unter bestimmten Voraussetzungen ebenso spontan wieder zurückbilden – ohne medikamentöse Therapie. Das zeigt eine Publikation, die gerade im »Journal of the Endocrine Society« erschienen ist.
AutorKontaktKatja Egermeier
Datum 08.05.2024  10:00 Uhr

In beiden Fällen – dem Ausbruch sowie der spontanen Zurückbildung – spielten einschneidende und belastende Lebensereignisse eine Rolle. Man wisse seit Langem, dass die Basedow-Krankheit eine psychische Komponente besitzt, erklärt Professor Dr. Detlef Moka, Vorsitzender des Berufsverbands Deutscher Nuklearmediziner (BDN). Das bezog sich aber vor allem auf den Ausbruch der Erkrankung. »Dem ersten Auftreten von Krankheitssymptomen gehen oft einschneidende Ereignisse wie der Tod eines nahen Angehörigen, eine schwere Erkrankung in der Familie, Beziehungskrisen oder der Verlust des Arbeitsplatzes voraus«, sagt Moka.

Wie sich das Ende einer psychischen Krise auf die Schilddrüsenerkrankung auswirken kann, haben nun die Forschenden um Jeresa Willems vom Zuyderland Medical Center in Sittard-Geleen (Niederlande) beobachtet. In ihrer Publikation berichten sie von elf Patientinnen und Patienten, die nach einer erheblichen emotionalen Belastung an Morbus Basedow erkrankten, eine übliche Behandlung mit Thyreostatika jedoch ablehnten. Dennoch normalisierten sich bei neun der Betroffenen der Hormonspiegel im Blut und die klinischen Symptome wieder, nachdem die Stresssituation beendet war. In fünf Fällen habe dieser Zustand dauerhaft angehalten, bei vier Betroffenen sei die Erkrankung nach ein bis vier Jahren zurückgekehrt.

Stressabbau als Therapieansatz?

Dieses Studienergebnis zeige den erheblichen Einfluss der Psyche auf das Autoimmungeschehen, so Moka. Es sei zwar bekannt, dass sich die Schilddrüsenfunktion bei Morbus Basedow wieder normalisieren kann – beispielsweise mittels Psychotherapie oder Psychopharmaka zusammen mit einer thyreostatischen Therapie. »Wie wirksam eine Stressreduktion ohne begleitende medikamentöse Therapie ist, wurde bislang aber noch nicht untersucht«, so der BDN-Vorsitzende.

Auch wenn er gleich den niederländischen Forschenden noch weiteren Forschungsbedarf sieht, sollten diese Fallbeispiele aus seiner Sicht dazu anregen, nicht bei allen Basedow-Patienten direkt mit einer medikamentösen Therapie zu beginnen. Auch die Dauer der Thyreostatika-Gabe könne möglicherweise flexibler gehandhabt und in manchen Fällen deutlich früher ein Auslassversuch gestartet werden. Die Fallbeispiele zeigten jedoch auch, dass bei sehr hohem Autoantikörper- und Schilddrüsenhormonspiegel oder Augenbeschwerden nicht auf die Medikamentengabe verzichtet werden könne.

TEILEN
Datenschutz

Mehr von Avoxa