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Wechseljahre
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»Brain Fog« ist keine Demenz

Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme sowie leichte Ablenkbarkeit: Das gehört bei nicht wenigen Frauen zu den Unannehmlichkeiten in den Jahren rund um die Menopause. Könnten das frühe Anzeichen einer Demenz sein? Professorin Dr. Petra Stute, führende Wechseljahresexpertin im deutschsprachigen Raum, gibt Entwarnung.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 20.05.2026  08:00 Uhr

Zwischen 40 und 60 Prozent der Frauen haben »Brain-Fog«-Symptome, also etwa Schwierigkeiten, sich Wörter, Namen, Anekdoten und Zahlen zu merken, genauso wie Konzentrations- und Aufmerksamkeitsprobleme. Der Begriff wurde übrigens in der Coronapandemie aufgrund ähnlicher Covid-Beschwerden geprägt. »Seitdem haben die wechseljahresbedingten kognitiven Auffälligkeiten eine ganz andere Bedeutung bekommen. Bei uns in der Sprechstunde ging schon immer die Menopause Rating Scale als Fragebogen an alle Frauen raus. Und dabei wurde auch schon nach Symptomen wie Vergesslichkeit oder Konzentrationsschwierigkeiten gefragt. Aber das war nie derart prominent wie jetzt – vermutlich, weil sich das ein bisschen schwammig angehört hat«, berichtet Stute auf Nachfrage von PTA-Forum.

»Dazu muss man auch sagen, dass klimakterische Beschwerden wie schlechter Schlaf, Hitzewallungen oder Angst die kognitiven Probleme verstärken können.« In der Regel seien diese Teil des normalen Menopause-Prozesses. »Man geht davon aus, dass die meisten kognitiven Beschwerden bis zur Postmenopause wieder zurückgehen, aber dazu gibt es keine Longitudinalstudien«, so die stellvertretende Chefärztin der gynäkologischen Endokrinologie und Reproduktionsmedizin der Universitätsfrauenklinik in Bern.

Die Gynäkologin gibt zu bedenken, dass die Symptome des Brain Fogs eher schlecht untersucht sind. »Was auch damit zusammenhängt, dass sich die Veränderungen, die die Frauen als subjektiv belastend empfinden, nicht unbedingt in objektiven Messungen widerspiegeln. Die allermeisten betroffenen Frauen würden in aufwändigen psychoneurologischen Untersuchungen völlig normal abschneiden.« Sie verwies allerdings darauf, dass nach anderen Ursachen für die Beschwerden gefahndet werden müsse, zum Beispiel Schilddrüsenunterfunktion oder Depression.

Viele betroffene Frauen beschleicht die Sorge, dass ihre kognitiven Auffälligkeiten eventuell Frühsymptome einer Demenz sein könnten. Doch diesbezüglich kann Stute beruhigen: »Brain Fog ist kein frühes Anzeichen einer Demenz. Zu selten tritt diese in der Lebensmitte auf. Vergesslichkeit und Konzentrationsschwierigkeiten werden sich vielmehr bei den meisten Frauen bis zur Postmenopause wieder nivelliert haben.«

Könnte eine Hormonersatztherapie (HRT) das allgemeine Demenzrisiko positiv beeinflussen? »Die Auswirkungen auf das Demenzrisiko sind eine der am intensivsten diskutierten Fragen zur HRT, aber es gibt noch keine finale Antwort. Zusammenfassend könnte man sagen, dass die Hormonsubstitution in der Menopause zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden indiziert ist und die kognitive Leistungsfähigkeit in der Peri- und frühen Menopause zu schützen scheint. Gemäß der aktuellen Datenlage wird eine Hormontherapie aber nicht empfohlen, um kognitive Probleme in den Wechseljahren zu behandeln oder um einem kognitiven Abbau vorzubeugen. Definitiv belegt ist, dass ein später Beginn einer HRT im Alter über 65 Jahren das Risiko für eine Demenz erhöht und das Risiko für Demenz bei Frauen mit früher und prämaturer Menopause senkt«, so die Expertin.

Wichtig sei in jedem Falle ein gesunder Lebensstil, einschließlich regelmäßiger Bewegung von mindestens 150 Minuten pro Woche und einer gesunden Ernährung ohne Nikotin und übermäßigem Alkoholkonsum. »Soziale Aktivitäten und das Erlernen neuer Fähigkeiten können die kognitive Reserve erhöhen und das Demenzrisiko verringern«, empfiehlt Stute.

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