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LAV Baden-Württemberg

Coaching für die Rezeptur

Seit Anfang des Jahres bietet der Landesapothekerverband Baden-Württemberg (LAV) einen Service, der bereits viel Anklang in Apotheken findet: Apothekerin Sandra Barisch bearbeitet mit den Apotheken-Teams vor Ort deren Rezeptur-Wunschthemen.
AutorKontaktIsabel Weinert
Datum 09.07.2024  12:00 Uhr

Für die Idee, ein Rezeptur-Coaching für Apotheken in Baden-Württemberg zu etablieren, stand ein ähnliches Angebot der Apothekerkammer Nordrhein (AKNR) Modell. »Wir unterscheiden uns in unserem Ansatz etwas von dem Angebot der AKNR«, sagt Barisch im Gespräch mit PTA-Forum. Während es in Nordrhein um das Große und Ganze innerhalb der Rezeptur gehe, etwa darum, wie man Prozesse verbessern könne, können Apothekerinnen und Apotheker beim LAV Baden-Württemberg ein Coaching für bestimmte, »kritischere« Arzneiformen buchen.

»Wir coachen die Apotheken in fünf Arzneiformen, das sind die Augentropfen, gravimetrische Kapseln, Zäpfchen, Suspensionen und halbfeste Zubereitungen. Die Apothekenteams können sich das auf unserer Website anschauen und uns sagen, für was sie sich interessieren«, erklärt Initiatorin Barisch.

Etwa eine Woche vor dem vereinbarten Coachingtermin in der jeweiligen Apotheke veranstaltet Barisch dann online ein Vorabcoaching mit dem Apothekenteam. »In diesem Rahmen gebe ich dem Team ein Update zu der Arzneiform, die es sich gewünscht hat.« Der Termin dauert 60 bis 90 Minuten und startet mit einer Wiederholung von Grundlagen aus Schule und Studium. Beim Thema Augentropfen etwa stehen danach die Rezeptursubstanzen für Augentropfen auf dem Plan.

Im Anschluss erhält das Team eine Hausaufgabe, die es bis zum Coachingtermin vor Ort erledigt. Dabei berechnen die Teams schon einmal das, was sie im Coaching herstellen werden. »Außerdem bekommen die Mitarbeitenden eine Checkliste von mir, welche Geräte und Ausgangsstoffe sie brauchen«, so Barisch.

Kleiner Rahmen bietet Vorteile

Bei den Ausgangsstoffen setzt Barisch auch auf Dummys. »Zum einen ist das sinnvoll, um nicht Wirkstoff zu verschwenden, und zum anderen spart das Kosten.« In der Apotheke angekommen, gibt Barisch dem Team ein Skript mit einer kurzen Aufgabenbeschreibung, und dann geht es auch schon los. »Ich wache mit Argusaugen über alles, was sie tun«, beschreibt die Apothekerin. Sie merkt, dass die Hürde, Fragen aller Art zur Rezeptur zu stellen, im kleinen, geschützten Teamrahmen der Apotheke deutlich niedriger ist als bei größeren Veranstaltungen zum Thema. »Wir können auf diese Weise sehr viel klären.«

Barisch fällt dabei häufig auf, dass die Teams die Online-Angebote des DAC/NRF zwar sehr schätzen, sich jedoch mit etlichen hilfreichen Tools darin noch nicht richtig auseinandersetzen konnten und sie deshalb auch nicht nutzen. »Hier gehen wir Schritt für Schritt vor«, sagt Barisch. Sie erklärt alle Funktionen und lässt PTA und Apotheker das Gelernte direkt umsetzen.

Die Pharmazeutin des LAV, die auch als PTA-Schullehrerin tätig ist, resümiert: »Im Apothekenalltag reicht die Zeit oft nicht aus, um sich ausführlich mit den Neuerungen im Rezepturbereich zu beschäftigen. Insbesondere in Zeiten von Lieferengpässen stehen Apothekenteams häufig vor der Herausforderung, Arzneiformen herstellen zu müssen, für die es schon längere Zeit keine Notwendigkeit mehr gab.« Das Rezeptur-Coaching greift diese Themen auf, und die Resonanz ist bisher äußerst positiv. Für die Zukunft wünscht sich Barisch, dass die Initiative aus Baden-Württemberg auch in anderen Bundesländern Schule macht.

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