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Adexa und BVpta
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Das Berufsbild PTA weiter aufwerten

Die Berufsvertretungen für Apothekenangestellte und PTA (BVpta und Adexa) haben PTA-Forum Rede und Antwort gestanden. Ganz klar stehen für beide Organisationen eine gesetzlich geregelte Aufwertung des PTA-Berufs sowie eine Honoraranpassung als Grundlage gerechterer Vergütung ganz weit oben auf der Agenda. Vom BVpta antworteten die Vorständinnen Anja Zierath, Ute Jobes und Jessica Diesler, von der Adexa erster Vorstand Andreas May und die Leiterin der Tarifkommission, Tanja Kratt.
AutorKontaktIsabel Weinert
Datum 07.01.2026  08:00 Uhr

PTA-Forum: Was waren für Sie mit Blick auf den PTA-Beruf die größten Ärgernisse und was die größten Erfolge im Jahr 2025?

Zierath: Als besonders problematisch haben wir 2025 die öffentliche Diskussion über den PTA-Beruf erlebt, in der teilweise das fachliche Können und das Aufgabenprofil von PTA infrage gestellt wurden. Irritierend war dabei auch, dass diese Diffamierung nicht nur von außen kam, sondern vereinzelt auch aus den Reihen der Apothekerschaft. Dies hat viel zur Verunsicherung und Demotivation beigetragen.

Gleichzeitig ist es positiv zu bewerten, dass der PTA-Beruf überhaupt stärker in den Fokus gerückt ist. Die intensiven Diskussionen über Kompetenzen, Verantwortlichkeiten und Einsatzbereiche haben sichtbar gemacht, wie relevant PTA für den Apothekenalltag sind, und bieten die Chance, Aufgabenprofile klarer zu definieren und den Beruf langfristig aufzuwerten.

May: Ein großer Erfolg war 2025, dass Bundesgesundheitsministerin Nina Warken die PTA als »wichtige Berufsgruppe in der Apotheke« anerkannt und sich für ihre berufliche Aufwertung eingesetzt hat. Diese politische und öffentliche Wertschätzung ist ein entscheidender Schritt, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und den PTA-Beruf attraktiver zu machen. Umso enttäuschender ist, dass sich diese Haltung im Kabinettsentwurf des Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetzes (Anm. d Red.: ApoVWG)  nicht widerspiegelt. Die geplante Vertretungsregelung »zur praktischen Erprobung« wertet den PTA-Beruf nicht auf, sondern nutzt ihn vielmehr, um Versorgungslücken im ländlichen Raum zu schließen – ohne Honoraranpassung oder Qualifikationsförderung. Auch die dringend nötige Honorarerhöhung für Apotheken wurde erneut verschoben, was die wirtschaftliche Lage und die Entwicklungsperspektiven der Beschäftigten weiter belastet.

Ärgerlich war zudem, dass PTA in der Fachpresse im Zuge der Vertretungsdiskussion vielfach einseitig, zum Teil auch abwertend dargestellt wurden. Ihnen wurden Kompetenzen abgesprochen, obwohl sie täglich mit hoher fachlicher Expertise zur qualitätsgesicherten Arzneimittelversorgung beitragen. Diese öffentliche Debatte hat in vielen Apothekenteams Spannungen erzeugt und Berufsgruppen gegeneinander ausgespielt. Umso wichtiger ist es jetzt, den gegenseitigen Respekt und das Gemeinschaftsgefühl im Apothekenteam zu stärken – denn nur im Miteinander kann die Versorgung der Patientinnen und Patienten auf hohem Niveau sichergestellt werden.

PTA-Forum: Wie sehen Sie die derzeitige Diskussion um eine Aufwertung des PTA-Berufes? Wie stellen Sie sich das konkret vor und wo sehen Sie Chancen und Risiken?

Jobes: Die Diskussion um die Aufwertung des PTA-Berufs ist sehr wichtig, zeigt sie doch, dass PTA über die derzeit bestehenden gesetzlichen Regelungen hinaus Verantwortung übernehmen können. Konkret könnte dies über klar definierte Zusatzaufgaben und systematische Fortbildungen erfolgen. Hier bietet das Apothekenreformgesetz bei aller berechtigter Kritik einen ersten Ansatz. Eines muss aber klar sein: Mehr Verantwortung muss auch mit einer besseren Vergütung einhergehen. Im Ergebnis wird damit die Attraktivität des Berufs erhöht und dringend benötigte Fachkräfte werden an die Apotheke gebunden. Der Umkehrschluss ist von daher klar: Eine solche Aufgabenerweiterung gibt es nicht zum Nulltarif. Das gilt es zu verhindern.

May: Eine Aufwertung des PTA-Berufs ist nicht nur sinnvoll, sondern notwendig, um die Arzneimittelversorgung in Deutschland langfristig zu sichern. PTA übernehmen einen großen Teil der pharmazeutischen Aufgaben in Apotheken – oft im direkten Patientenkontakt, mit hoher fachlicher Verantwortung und als wichtige Entlastung für Approbierte. Diese Rolle sollte sich auch in erweiterten Kompetenzen, klaren Karrierewegen und einer angemessenen Vergütung widerspiegeln. Eine stärkere fachliche Einbindung qualifizierter PTA erhöht die Attraktivität des Berufs und hilft, dem Fachkräftemangel in Apotheken wirksam zu begegnen. Wir sprechen uns daher nach wie vor für die Einführung eines strukturierten, praxisorientierten Aufbaustudiums für PTA aus – angelehnt an das Modell des Physician Assistant im ärztlichen Bereich. Ein solcher Abschluss könnte eine erweiterte Verantwortungsübernahme ermöglichen, etwa in den Bereichen pharmazeutische Dienstleistungen, Impf- und Präventionsberatung oder digitale Versorgungsprozesse.

Damit würden qualifizierte PTA gezielt auf anspruchsvollere Tätigkeitsfelder vorbereitet und könnten Apothekerinnen und Apotheker entlasten, ohne die heilberufliche Verantwortung zu unterlaufen. Damit ein solches Aufbaustudium und die erweiterte Verantwortungsübernahme wirklich funktionieren, braucht es jedoch klare rechtliche Rahmenbedingungen, ein sorgfältig konzipiertes Curriculum, eindeutig definierte Verantwortungsbereiche sowie tragfähige Finanzierungs- und Organisationsmodelle. Nur unter diesen Voraussetzungen entsteht ein echter Mehrwert für Apothekenteams und PTA.

Kratt: Natürlich sehen wir auch erhebliche Risiken, wenn wie im Kabinettsentwurf zum ApoVWG neue Verantwortungsbereiche eingeführt werden, ohne dass dafür klare tarifliche und gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen werden. Ohne eine verbindliche tarifliche Höhergruppierung besteht die Gefahr, dass PTA zusätzliche Aufgaben übernehmen und mehr Verantwortung tragen sollen, ohne dafür angemessen vergütet zu werden. Zudem würde eine Erweiterung des Tätigkeitsprofils unweigerlich zu höherem Arbeitsdruck führen, wenn keine zusätzlichen personellen oder zeitlichen Ressourcen bereitgestellt werden. Auch die haftungsrechtlichen Fragen sind bislang völlig ungeklärt – ein unhaltbarer Zustand, wenn PTA künftig in neuen Kompetenzbereichen eingesetzt werden sollen.

Deshalb muss jede Reform, die den Handlungsspielraum von PTA erweitert, mit klaren tariflichen, rechtlichen und finanziellen Absicherungen einhergehen. Andernfalls droht eine Entwicklung, die statt Perspektive und Anerkennung vor allem Überlastung und neue Konflikte zwischen den Berufsgruppen schafft.

PTA-Forum: Wie sollen Apothekenleitende aus Ihrer Sicht eine Mehrbezahlung höher qualifizierter PTA finanzieren? Was braucht es politisch, um das finanziell zu ermöglichen?

Jobes: Apothekenleitende können eine Mehrbezahlung höher qualifizierter PTA nur dann nachhaltig finanzieren, wenn das Apothekenhonorar deutlich erhöht wird. Derzeit sind die finanziellen Spielräume vieler Apotheken stark begrenzt. Politisch braucht es von daher endlich den Willen, hier tätig zu werden. Die Erhöhung des Apothekenhonorars muss ein Mehr an Qualifikation systemimmanent berücksichtigen. Nur so kann qualifiziertes Apothekenpersonal langfristig angemessen bezahlt werden. Ein weiterer Weg für eine finanzielle Entlastung der Apotheken wäre natürlich der Ausbau der pharmazeutischen Dienstleistungen. Dies setzt aber eine kostendeckende Vergütungsstruktur voraus, die derzeit nicht gegeben ist.

Kratt: Dass höher qualifizierte PTA eine ihrer Qualifikation entsprechende Entlohnung erhalten, versteht sich von selbst. Höhere Löhne für höher qualifizierte PTA setzen in erster Linie eine auskömmliche und gezielte Finanzierung der Vor-Ort-Apotheken voraus. Nur wenn die wirtschaftliche Basis der Apotheken gestärkt wird, können sie Gehaltssteigerungen überhaupt leisten. Politisch braucht es jetzt entschlossenes Handeln: die sofortige Umsetzung der im Koalitionsvertrag zugesagten Honorarerhöhung, eine Korrektur der Regelungen im ApoVWG, die Einführung einer neuen Tarifstufe zur angemessenen Eingruppierung qualifizierter PTA sowie eindeutige rechtliche Vorgaben, zum Beispiel zur Haftung. Ohne diese Schritte bleibt jede angekündigte Aufwertung des PTA-Berufs reine Symbolpolitik – denn Apotheken können keine höheren Gehälter zahlen, wenn die finanziellen Grundlagen fehlen.

PTA-Forum: Ginge eine berufliche Aufwertung von PTA zulasten der Berufschancen von Pharmazeuten, die angestellt in Apotheken arbeiten möchten?

Diesler: Diese Frage stellt sich für uns definitiv nicht! Eine Aufwertung der PTA geht nicht zulasten der Berufschancen von Pharmazeuten. Vielmehr könnten beide Berufsgruppen voneinander profitieren, wenn Aufgaben klar definiert und die Zusammenarbeit sinnvoll organisiert ist. Jeder hat seinen Platz in der Apotheke. Jeder hat seine Kompetenzfelder.

May: Nein, im Gegenteil. Eine berufliche Aufwertung von PTA würde das gesamte Apothekenteam stärken und die Arbeitsbedingungen nachhaltig verbessern. Ziel ist nicht, Apothekern und Apothekerinnen Konkurrenz zu machen, sondern sie zu entlasten, damit sie sich auf komplexe pharmazeutische Tätigkeiten konzentrieren können. Wird dies richtig und klar geregelt umgesetzt, eröffnen sich den Apotheken völlig neue Möglichkeiten.

PTA-Forum: Welche Pläne haben Sie für dieses neue Jahr 2026? Was rücken Sie maßgeblich in den Fokus Ihrer Arbeit? Mit wem möchten Sie dringend das Gespräch suchen?

Zierath: Für das Jahr 2026 möchten wir die berufliche Weiterentwicklung von PTA und die Stärkung ihrer Rolle in Apotheken in den Mittelpunkt unserer Arbeit stellen. Das gilt insbesondere für eine bundeseinheitlich geregelte Weiterqualifikation der PTA. Der erste Entwurf des Apothekenreformgesetzes hatte hier einen ersten guten Ansatz geliefert, der aber, Stand heute, leider nicht weiterverfolgt wurde.

Daneben und begleitend wird ein zentraler Schwerpunkt unserer Arbeit der intensive Austausch mit der Politik sein. Wir werden viele Gespräche auf allen politischen Ebenen führen, um strukturelle und finanzielle Rahmenbedingungen für Apotheken und ihr Personal zu verbessern. Gleichzeitig ist der Austausch mit der Apothekerschaft in Gänze und deren Standesorganisationen entscheidend, um praxisnahe Lösungen für die Zusammenarbeit und die Aufgabenverteilung in der Apotheke zu entwickeln.

Wir werden die Interessen der PTA insbesondere gegenüber der ABDA klar formulieren und kommunizieren, um eine gemeinsame Strategie zur Aufwertung des Berufsbildes der PTA zu erarbeiten. Unser Ziel für 2026 ist es, die Sichtbarkeit und Anerkennung der PTA zu erhöhen, die Zusammenarbeit in Apotheken zu stärken und die Basis für nachhaltige berufliche Entwicklungsmöglichkeiten zu schaffen.

May: Ein zentrales Anliegen ist es, die Apothekenreform inhaltlich mitzugestalten und politisch so zu beeinflussen, dass bessere Arbeitsbedingungen verbindlich verankert werden, Honorarsteigerungen bei allen Beschäftigten ankommen und die Rolle der PTA nachhaltig gestärkt wird, ohne die zentrale Verantwortung der Apothekerinnen und Apotheker zu unterlaufen. Hierfür sollen gezielte Gespräche mit den Gesundheitsministerinnen und Gesundheitsministern der Länder geführt und der Austausch mit dem Bundesministerium für Gesundheit weiter vertieft werden. Ein Treffen mit Nina Warken wäre aus politischer Sicht höchst wünschenswert.

Kratt: Adexa wird in diesem Jahr mit allen drei Tarifpartnern (ADA, SAV, TGL) neue Gehaltstarife verhandeln. Die Tarifkommission von Adexa wird Anfang des Jahres 2026 die Ziele festlegen. In jedem Fall gilt, dass – unabhängig von einer noch ausstehenden Honorarerhöhung für die Apotheken – angemessene Gehälter für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gezahlt werden müssen.

PTA-Forum: Was ist – beruflich betrachtet – ihr größter Wunsch für das vor uns liegende Jahr?

Zierath: Wünschen darf man sich ja viel und alles. Für dieses Jahr wünschen wir uns aber vor allem, dass PTA gerecht bezahlt werden und mehr Verantwortung übernehmen können. Uns ist auch wichtig, dass es eine einheitliche, anerkannte Weiterbildung gibt, damit wir unser Wissen optimal einsetzen können. Kurz gesagt: Wir möchten, dass die Arbeit von PTA sichtbarer wird und mehr Wertschätzung erfährt – in der Apotheke und im gesamten Gesundheitssystem.

Krath und May: Unser größter Wunsch für dieses Jahr ist eine wirkliche Apothekenreform, die diesen Namen auch verdient: mit einer angemessenen Honorarerhöhung, die den Apotheken mehr finanzielle Spielräume eröffnet und zugleich die Grundlage für faire Tariferhöhungen schafft.

PTA-Forum: Vielen Dank für das Gespräch.

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