PTA-Forum online Avoxa
instagram facebook

Flunkern erlaubt
-
Der Aprilscherz im Wandel der Zeit

Jedes Jahr am 1. April spielen sich Menschen in weiten Teilen der Welt einen Streich. Mit einem »April, April!«-Ausruf wird die Situation dann aufgelöst, die Flunkerei entpuppt sich als Scherz. Doch wie verankert ist der Brauch, jemanden »in den April zu schicken« überhaupt noch? Und was unterscheidet einen Aprilscherz von einer Lüge?
AutorKontaktdpa
Datum 01.04.2024  09:00 Uhr
Der Unterschied zwischen einer Lüge und einem Aprilscherz

Der Unterschied zwischen einer Lüge und einem Aprilscherz

»Lügen sind intentionale Falschaussagen«, erklärt Philipp Gerlach, Professor für Allgemeine und Sozialpsychologie an der Hochschule Fresenius in Hamburg. Das bedeutet nach seinen Worten: Wir behaupten absichtlich etwas, damit eine andere Person etwas glaubt, von dem wir wissen, dass es nicht stimmt. Eine Lüge ist damit also eine geschriebene oder ausgesprochene absichtliche Täuschung. Ein Aprilscherz kann, muss aber keine Lüge sein. Und wenn, dann wird ein Aprilscherz in der Regel später aufgelöst. Eine derartige Auflösung passiere bei »klassischen« Lügen meist nicht.

Aprilscherze könnten aber auch versteckte Gegenstände, manipulierte Geräte oder unerwartete Ereignisse beinhalten, sagt Gerlach. »Das wären Täuschungen, die wir im eigentlichen Sinne nicht als Lüge ansehen würden, weil die Unwahrheit hierbei nicht gesagt oder geschrieben wurde. Täuschungen sind sie natürlich trotzdem«, erklärt der Experte.

Warum wir überhaupt lügen

Es gibt viele Motive fürs Lügen. Menschen lügen laut Gerlach aus Höflichkeit, Habgier oder um ihr Gesicht oder das von ihren Freunden zu wahren. Letztlich beinhalten Lügen immer ein Risiko. »Kurzfristig könnten wir durch eine Lüge ein Ziel erreichen, aber wir könnten beim Lügen auch erwischt werden und so langfristig das Vertrauen des anderen verlieren«, erklärt der Hamburger Professor. Lügen seien also in gewisser Weise Versuchungen – denen man bekanntermaßen unterliegen könne.

Das sei auch ein Problem bei Aprilscherzen: »Wer mit den Aprilscherzen übertreibt und dann tatsächlich in eine brenzlige Lage gerät, in der er auf die Hilfe anderer angewiesen ist, dem könnte nicht geglaubt werden«, warnt Gerlach.

Woher der Brauch eigentlich kommt

Der Aprilscherz ist primär ein westliches Phänomen. Doch wann genau der Brauch entstand, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Seit 1618 ist die Redensart »jemanden in den April schicken« in Bayern überliefert, die Bezeichnung »Aprilscherz« bürgerte sich dagegen erst später ein, erklärt Hirschfelder. Das Deutsche Wörterbuch der Gebrüder Grimm aus dem Jahr 1854 kennt zwar schon den »Aprilsnarr«, den »Aprilscherz« aber nicht. Die Ursprünge kultureller Muster seien selten genau herauszubekommen, sagt der Kulturwissenschaftler.

Bis zum Beginn der Neuzeit spielten Kalenderdaten gar keine Rolle, sagt Hirschfeld. »Vor allem der mittelalterliche Mensch und letztlich auch der antike Mensch agierte im Rahmen von Jahreszeiten, im Rahmen von Ernte und Aussaat.« Das habe sich erst mit dem Beginn der Neuzeit geändert, erklärt Hirschfeld und ergänzt: »Was man zu bestimmten Brauchterminen faktisch getan hat, ist für uns weitestgehend eine Blackbox.«

TEILEN
Datenschutz

Mehr von Avoxa