| Barbara Döring |
| 04.02.2026 16:00 Uhr |
Innerlich herrscht Leere, doch äußerlich funktioniert man noch – immer mehr Arbeitnehmende sind im Zustand des »Quiet Crackings«. / © Adobe Stock/Liubomir
Dauerbelastung und Unsicherheit, ständige Umorganisationen, Über- oder Unterforderung, fehlende Entwicklungsperspektiven sind laut dem Deutschen Bundesverband für Burnout-Prävention (DBVB) Gründe, wenn Motivation, Sinn und Verbundenheit mit dem Job verloren gehen.
Im Gegensatz zum bekannten »Quiet Quitting«, bei dem Beschäftigte innerlich kündigen und bewusst weniger in ihre Arbeit investieren, funktionieren Menschen beim »Quiet Cracking« nach außen weiter gut, während innerlich etwas bricht. Sie liefern nach wie vor verlässliche Ergebnisse, spüren innerlich jedoch Leere, Zynismus und Müdigkeit.
Typisch ist laut DBVB »Dienst nach Vorschrift«: Die Arbeit würde erledigt, ohne dass Arbeitnehmende einen inneren Kontakt dazu hätten. Die Qualität und Fehleranfälligkeit steige, da der Fokus schneller abreißt. Betroffene ließen zudem soziale Kontakte auf der Arbeit schleifen, würden sich zurückziehen und weniger austauschen, ohne dies bewusst zu beabsichtigen. Die Frage »Warum noch hier?« bliebe unbeantwortet.
Auch wenn beim »Quiet Cracking« keine Zukunft im aktuellen Job gesehen würde, könnten Betroffene nicht kündigen, etwa aus wirtschaftlichen Gründen oder familiären Verpflichtungen. Das Ergebnis sei eine innere Kündigung ohne äußeren Schritt. Anzeichen sei, wenn der Morgen ohne Freude beginne, Meetings als Pflicht und nicht als Austausch empfunden würden oder sich Erfolge leer anfühlten.
Der Zustand ist im Grunde ein Burnout, sagt die Arbeits- und Organisationspsychologin Professor Dr. Laura Venz von der Leuphana Universität, Lüneburg, gegenüber der Frankfurter Rundschau. Der Unterschied sei lediglich, dass Burnout ein sichtbarer Zustand sei. Quiet Cracking sei ein schleichender Prozess, der zu einem späteren sichtbaren Burnout führen könne. Venz nennt zu viel Arbeit über längere Zeit, fehlende Wertschätzung und Konflikte im Team als mögliche Gründe. Angebote wie Stress- und Zeitmanagement seien zwar sinnvoll, würden aber zu kurz greifen, wenn sich die Arbeitsbedingungen nicht verändern.