Stress ist eine natürliche Reaktion des Körpers auf eine Herausforderung oder Bedrohung. Auf Dauer bedroht er jedoch unsere Gesundheit. / © Adobe Stock/peopleimages.com
In Umfragen gibt regelmäßig ein hoher Prozentsatz der Beschäftigten an, sich durch Stress belastet zu fühlen: Laut einer Befragung der KKH Kaufmännische Krankenkasse aus dem Jahr 2024 stehen 43 Prozent der Berufstätigen häufig unter Druck, 15 Prozent sogar sehr häufig. Auch der Stressreport der Techniker Krankenkasse, für den im Mai 2025 gut 1400 Menschen in Deutschland ab 18 Jahren zu ihren Erfahrungen mit Stress befragt wurden, zeigt: 58 Prozent fühlen sich durch Schule, Studium oder den Beruf gestresst. Häufiger wurden als Ursache nur hohe Ansprüche an sich selbst genannt (61 Prozent). Doch was macht Arbeit stressig? Und wie lässt sich die Belastung gezielt reduzieren?
Stressforscher haben eine ganze Reihe möglicher Auslöser, sogenannte Stressoren, identifiziert. Oft spiele Zeitdruck eine Rolle, sagt Anne Casper, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Freien Universität Berlin. »Man hat das Gefühl, dass man mehr erledigen muss, als man in der vorhandenen Zeit gut bewältigen kann.« Entweder sind es zu viele Aufgaben oder der Auftrag ist zu komplex für das Zeitfenster, das dafür eingeräumt wurde.
Doch nicht nur die Arbeit selbst kann belasten: Auch Probleme im sozialen Bereich, Konflikte im Team oder mit Vorgesetzten »sind oft mit intensivem Stress verbunden«, sagt Casper. Und dann sind da noch die kleinen Ärgerlichkeiten im Büro, der defekte Drucker, die Verbindungsprobleme bei der Videokonferenz, die neue Software voller Bugs, die in der Summe das berühmte Fass zum Überlaufen bringen.
Die Arbeitswelt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert, und in den vergangenen fünf Jahren seit Beginn der Corona-Pandemie noch einmal mehr. Arbeitsorganisation und Kommunikation wurden digitalisiert, das Homeoffice mit Videocalls vom Ausnahme- zum Normalfall. Viele Beschäftigte fühlten sich durch digitale Tools überwacht und zur Dauerpräsenz gezwungen.
Außerdem stehen die Benachrichtigungen über neue Mails und Chat-Nachrichten weit oben auf der Liste der digitalen Stressfaktoren. »Bearbeite mich, jetzt, sofort«, signalisieren die Pop-up-Fenster und der Fokus auf die eigentliche Aufgabe ist erst einmal weg.
Stress ist eine natürliche Reaktion des Körpers auf eine Herausforderung oder Bedrohung. Er aktiviert das sogenannte Kampf-oder-Flucht-System: Der Körper schüttet Stresshormone wie Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol aus, die den Herzschlag beschleunigen, die Aufmerksamkeit steigern und die Muskeln anspannen. Typische Stresssymptome sind ein schneller Puls, Herzrasen, manchmal auch Magenbeschwerden, man reagiert erregt und ärgerlich. Im optimalen Fall klingen die Symptome ab, wenn die Herausforderung bewältigt ist. »Probleme mit Krankheitswert können sich entwickeln, wenn stressigen Phasen keine Phasen der Entspannung entgegengesetzt werden«, sagt Stressforscherin Anne Casper.
Chronischer Stress erhöht das Risiko für psychische Erkrankungen wie Burn-out oder Depressionen und kann körperliche Beschwerden wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck und Schlafstörungen auslösen.
Nicht nur die äußeren Umstände sind maßgeblich fürs Stress-Empfinden, sondern auch die innere Haltung: »Studien zeigen, dass die Art und Weise, wie wir über die Arbeit nachdenken, Einfluss darauf hat, wie es uns dabei geht«, sagt Casper.
Drehen sich die Gedanken nur um die Dinge, die schlecht gelaufen sind? Oder gelingt es, den Fokus auf die Erfolge zu legen? »Menschen, die eher auch das Positive sehen, sind in stressigeren Situationen anpassungsfähiger und reagieren mit besseren Bewältigungsstrategien auf ihr tägliches Arbeitspensum«, sagt die Psychologin.