| Isabel Weinert |
| 28.09.2026 08:00 Uhr |
Lösen irritierte Nerven einen Juckreiz aus, kann Physiotherapie ein Therapiebestandteil sein. / © Adobe Stock/contrastwerkstatt
Fehlt auf der Haut jegliches Anzeichen einer Veränderung und juckt es wirklich fast immer nur in einem begrenzten Gebiet, dann handelt es sich am wahrscheinlichsten um eine neurogene Ursache. Nicht nervlich im Sinne von psychisch, sondern sensorisch. Diese »Notalgia paraesthetica« genannte Nervenstörung entsteht durch Reizung oder auch chronisches Einengen von Ästen der Rückenmarksnerven und das sehr oft als Folge verschleißbedingter Veränderungen der Wirbelsäule. Kein Wunder, dass Menschen jenseits der Lebensmitte häufiger mit dieser Art Juckreiz zu kämpfen haben als junge Menschen. Die Erkrankung wird häufiger auch von Kribbeln oder Taubheit im betroffenen Areal begleitet. Bei Frauen in und nach den Wechseljahren kommt erschwerend hinzu, dass der sinkende Estrogenspiegel die Haut stärker austrocknen lässt. Zudem verliert sie an Dicke und reagiert empfindlicher. Das kann den neurogen bedingten Juckreiz verstärken.
Ein hartnäckiger Juckreiz kann auch eine schwere internistische Erkrankung anzeigen. Dann unterscheidet er sich aber in Lokalisation und betroffenen Körperteilen von dem streng räumlich begrenzten. Zwar zeigen sich auch keine äußerlich sichtbaren Hautveränderungen, aber – im Falle eines Lymphoms oder einer Leukämie als Ursache – entwickeln sich mit der Zeit auch B-Symptome wie ungewollter Gewichtsverlust und ausgeprägtes nächtliches Schwitzen. Ein ausgedehnter, quälender und hartnäckiger Juckreiz tritt zudem mitunter im Kontext von Nieren-, Leber- und Gallengangserkrankungen sowie von Störungen der Schilddrüsenfunktion oder einem Diabetes auf.
Gegen den eingangs geschilderten neurogenen Juckreiz – lokal begrenzt, oft in der Nähe eines Schulterblattes – helfen Salben mit Glucocorticoiden oder auch Mittel gegen Allergien nicht. Empfindet die betroffene Person das Jucken als stark einschränkend, dann können Physiotherapie und ein gezieltes Rückentraining Muskeln entspannen und eingeengte Nerven entlasten. Massagen und Rückenschule sind weitere mögliche Bausteine einer Therapie.
Daneben können PTA capsaicinhaltige Cremes oder Pflaster empfehlen. Sie werden auch in der S2k-Leitlinie »Diagnostik und Therapie des chronischen Pruritus« genannt. Kurzfristig lindern auch kühlende Lotionen den Juckreiz. Menopausebedingte Hauttrockenheit lässt sich mit entsprechender Pflege verbessern. Mitunter hilft aber bereits das Wissen darüber, dass dem Juckreiz keine schwerwiegende Erkrankung zugrunde liegt, sich weniger darauf zu fokussieren und ihn damit weniger wahrzunehmen.