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Aktualisierte Leitlinie
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Diese Inhalatoren schonen das Klima

Bei Asthma und COPD ist die inhalative Therapie Goldstandard. Wenn möglich, sollte bei der Verordnung eines Inhalators die Klimabilanz einbezogen werden, wie die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie (DGP) anlässlich einer neu veröffentlichten Leitlinie betont.
AutorKontaktJuliane Brüggen
Datum 27.03.2024  14:00 Uhr

»Hierzulande werden etwa zu 50 Prozent Dosieraerosole und zu 50 Prozent Pulver-Inhalationssysteme genutzt«, sagt Dr. Christian Grah, Vorsitzender der DGP-Taskforce »Klimawandel und Gesundheit« – nach Ansicht des Experten zu viele Dosieraerosole. Denn die verwendeten Treibmittel Norfluran und Apafluran belasten das Klima, und zwar tausendfach mehr als das allseits bekannte Treibhausgas Kohlendioxid.  Während CO2 ein »Global Warming Potential« (GWP) von 1 hat, liegt der Wert für Norfluran bei 1530, der für Apafluran sogar bei 3600.

Die klimafreundlichere Alternative: Pulverinhalatoren, die ganz ohne Treibgase auskommen. Bei diesen wird die Dosis über das Einatmen freigesetzt und verteilt. Angesichts der Verordnungsanteile in Deutschland sagt Grah: »Wenn man sich vor Augen führt, dass in Skandinavien rund 90 Prozent in Pulverform inhaliert wird, ist das eine schlechte Position. Dafür gibt es auch keine Rechtfertigung, es ist einfach Verschreibungspraxis in Deutschland.« Besonders hoch ist der Anteil an verordneten Dosieraerosolen bei den bronchienerweiternden Bedarfsmedikamenten, die kurzwirksame Beta-2-Agonisten wie Salbutamol enthalten.

Ändern soll sich das Verordnungsverhalten mithilfe der neuen S2k-Leitlinie »Klimabewusste Verordnung von Inhalativa«, die die DGP in federführender Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) erstellt hat. Sie ist ein Upgrade der zuvor geltenden S1-Leitlinie. Das neue Dokument enthält unter anderem Informationen über die CO2-Fußabdrücke der verschiedenen Inhalativa und liefert einfache Entscheidungshilfen.

Inhalator Dosieraerosol Pulverinhalator
Auslösung Synchronisation von Sprühstoßauslösung und Inhalation erforderlich (Ausnahme: Atemzug-getriggerte Systeme) Keine Synchronisation erforderlich (im Einzelfall Atemfluss-getriggert)
Atemmanöver Langsamer und tiefer Atemzug Gleichmäßiges, kräftiges Einatmen, langsamer und tiefer Atemzug
Spacer Möglich Nicht möglich
Zählwerk Manchmal Fast immer
Klimaschaden* durch Treibmittel Sehr hoch Gering
Unterschiede Dosieraerosol und Pulverinhalator, Quelle: S2k-Leitlinie »Klimabewusste Verordnung von Inhalativa«; *Zum gesamten CO2 -Fußabdruck tragen auch Produktion, Verpackung und Vertrieb der Medikamente bei.

Pulverinhalatoren bevorzugen

Die Leitlinienautoren empfehlen, bei Jugendlichen über 12 Jahren und Erwachsenen auf eine klimabewusste Therapie zu setzen, vorzugsweise mit Pulverinhalatoren – oder, wenn möglich, auf eine solche umzustellen. Aus klinischer Sicht sei der Wechsel von Dosieraerosol auf Pulverinhalator unproblematisch – sofern der Patient grundsätzlich mit der Inhalation von Pulver zurechtkommt. Denn hierfür braucht es einen ausreichenden inspiratorischen Atemfluss, dessen Höhe sich je nach Device unterscheiden kann. Eine entsprechende Übersicht findet sich in der Leitlinie. 

Für Kinder unter fünf Jahren, geriatrische Patienten und Patienten mit akuter Exazerbation sind Pulverinhalatoren nicht geeignet. Eine treibgasfreie Alternative sind Sprühvernebler, die das Aerosol passiv erzeugen und bei geringen Atemflüssen geeignet sind. Noch sind allerdings nur wenige Wirkstoffe in dem entsprechenden Device (Respimat®) verfügbar.

Soll ein Dosieraerosol verordnet werden, sind der Leitlinie zufolge Präparate mit dem Treibgas Norfluran zu bevorzugen. Dieses ist weniger klimaschädlich als das Gas Apafluran, das noch in einigen wenigen Dosieraerosolen zu finden ist (Aarane®, Allergospasmin®, Flutiform®). Die Verordnung von Inhalatoren mit Cromoglicinsäure und Reproterol sehen die Leitlinienautoren grundsätzlich kritisch, nicht nur, weil Apafluran enthalten ist, sondern auch, weil der medizinische Nutzen fraglich sei.

Von Vorteil sind nicht zuletzt Präparate, die ein Zählwerk haben. So werden keine Dosen verschwendet. Denn auch das ist ein Problem für die Umwelt: der Müll, der am Ende übrigbleibt.

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