| Katja Egermeier |
| 07.10.2026 15:00 Uhr |
Wie genau die verschiedenen Umweltfaktoren dem Herz-Kreislauf-System zusetzen, erklärt Professor Münzel anhand des Endothels. Es bildet die innerste Zellschicht der Blutgefäße und reguliert unter anderem den Blutdruck, Entzündungsprozesse, die Blutgerinnung und die Gefäßweite – und damit auch die Durchblutung der Organe. »Wenn das Endothel gestört ist, beginnt häufig der Weg in Richtung Atherosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall.«
Dass erhöhtes Cholesterin, Rauchen, Bluthochdruck und Diabetes das Endothel beeinträchtigen, sei hinreichend bekannt. Doch laut Münzel dürfe nicht nur auf das individuelle Verhalten geschaut werden: »Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstehen nicht nur durch den Lebensstil, sondern auch durch die Lebensbedingungen – wo jemand wohnt, welche Luft er atmet, wie laut es nachts ist, ob es im Sommer unerträglich heiß wird, ob es Grünflächen gibt, ob der Straßenverkehr dominiert, ob er sozial benachteiligt wird.«
Ein entscheidender Punkt dabei: Diese Umweltbelastungen suche sich niemand aus, so Münzel. »Niemand entscheidet sich bewusst dafür: Heute atme ich Feinstaub ein, heute schlafe ich schlecht wegen Fluglärm, heute nehme ich Mikroplastik oder Schadstoffe auf.« Das seien aufgezwungene Risikofaktoren.
Die Experten empfehlen, in der Beratung gezielt nach Wohnort, Schlafqualität sowie Lärm- und anderen Umweltbelastungen zu fragen. Zudem sollten folgende Maßnahmen empfohlen werden:
Der entscheidende Hebel liege jedoch auf politischer Ebene. Münzel: »Herzgesundheit ist nicht nur eine Frage von Medikamenten, Lebensstil und erblicher Veranlagung. Sie ist auch eine Frage politischer Entscheidungen, der Stadtplanung, der Energiepolitik, des Verkehrs, der Industrie und der sozialen Gerechtigkeit.«