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RKI alarmiert
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Diphtherie-Ausbruch in Deutschland?

Das Robert-Koch-Institut sieht ein Signal für einen bundesweiten Diphtherie-Ausbruch und ruft dazu auf, für die Erkrankung verstärkt sensibilisiert zu sein. Die Zahl an Fällen respiratorischer Diphtherie sei erhöht.
AutorKontaktPZ
Datum 12.05.2025  13:00 Uhr

Aktuelle Genomsequenzanalysen wiesen auf einen »deutschlandweiten Ausbruch von Diphtherie mit Corynebacterium diphtheriae vom Sequenztyp ST574« hin, informiert das Robert-Koch-Institut (RKI) im »Epidemiologischen Bulletin« (18/2025). Betroffen seien vor allem vulnerable Bevölkerungsgruppen, darunter geflüchtete Menschen, Menschen in Wohnungslosigkeit, Menschen, die Drogen konsumieren, Ungeimpfte sowie ältere, vorerkrankte Personen.

Der Sequenztyp ST574 wurde in Deutschland erstmals im Herbst 2022 bei Geflüchteten entdeckt. Bei Genomanalysen wurden inzwischen mehrere Isolate aus unterschiedlichen Regionen und Bevölkerungsgruppen identifiziert, die genetisch sehr eng verwandt sind, »sodass von einer vermehrten Übertragung innerhalb Deutschlands ausgegangen werden muss.« Eventuell seien auch Nachbarstaaten betroffen, heißt es vom RKI.

Bis zum 28. April 2025 wurden in Deutschland 126 Fälle mit ST574 registriert: 55 Fälle im Jahr 2022, 49 im Jahr 2023, 18 im Jahr 2024 und bislang mindestens vier Fälle im Jahr 2025. Der Großteil der Fälle umfasst geflüchtete Menschen. Unter den aktuelleren Fällen zeigten sich aber zwei Subcluster mit überwiegend Einheimischen.

Das RKI weist darauf hin, dass die Zahl der Diphtherie-Fälle steige – sowohl der respiratorischen als auch der Hautdiphtherie – und die Erkrankung längst nicht mehr nur Geflüchtete betreffe, sondern zunehmend auch andere vulnerable Gruppen. Auffällig sei der Anstieg schwerer und teils tödlicher respiratorischer Verläufe. Zudem finden die Infektionen zunehmend autochthon statt, also innerhalb Deutschlands.

Das RKI ruft daher medizinisches Personal, Labore und den öffentlichen Gesundheitsdienst zu erhöhter Wachsamkeit auf. Im Fall von bestätigten Diphtherie-Erkrankungen sollen laut RKI-Ratgeber konsequent Maßnahmen wie die Ermittlung enger Kontaktpersonen ergriffen werden. Dabei sei die jeweilige Lebensrealität der Betroffenen zu berücksichtigen. Besonders wichtig: eine enge Zusammenarbeit mit Drogen- und Wohnungslosenhilfe sowie Einrichtungen für Geflüchtete. Unterstützung bieten ergänzend zwei spezifische RKI-Empfehlungen zum Ausbruchsmanagement in Gemeinschaftsunterkünften und zum Infektionsschutz bei Wohnungslosigkeit.

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