Ein Doppelkinn sollte nicht länger als rein kosmetisches Problem betrachtet werden. / © Adobe Stock/kei907
Fett im Bauchbereich gilt seit Langem als einer der wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und chronische Entzündungen. Eine spanische Studie legt nahe, dass auch Fettansammlungen am Hals eine ähnlich entscheidende Rolle spielen können. Dabei geht es nicht um sichtbares Übergewicht allein, sondern um die genaue Verteilung des Körperfetts.
In der im Fachmagazin »International Journal of Obesity« veröffentlichten Studie untersuchten die Forschenden gezielt gesunde junge Erwachsene. Per Computertomographie maßen sie präzise deren Fettdepots mit dem Ergebnis: Je mehr Fett sich im Halsbereich ansammelte, desto ungünstiger waren Herz-Kreislauf-Risikoparameter und Entzündungswerte. Besonders auffällig war dieser Zusammenhang bei Männern. Hier erwies sich das Halsfett als ähnlich aussagekräftig wie das bekannte Bauchfett.
Die Studienergebnisse zeigen, dass Fettpolster am Hals ein bislang unterschätzter Indikator für die Herzgesundheit sein könnten. Das gilt auch für Menschen, die jung sind und keine diagnostizierten Vorerkrankungen haben. Die Wissenschaftler betonen jedoch, dass noch viele Fragen offen sind.
»Wir haben noch viel zu tun. Wir müssen das Fettgewebe des Halses eingehender untersuchen, um seine Rolle bei Fettleibigkeit und den damit verbundenen Begleiterkrankungen besser zu verstehen. Darüber hinaus haben wir nur wenig Wissen über die Eigenschaften der Fettzellen in diesen Ablagerungen. Wir möchten auch wissen, ob bestimmte Maßnahmen wie körperliche Bewegung oder eine eingeschränkte Kalorienaufnahme dazu beitragen können, die Ansammlung von Fett im Halsbereich zu verringern«, sagten Arias Téllez und Francisco Miguel Acosta Manzano, von der Universität Granada.
Schon frühere Untersuchungen hatten Hinweise darauf geliefert, dass Fettdepots an Nacken, Wangen und Kinn mit steigendem Körpergewicht zunehmen. Auch geschlechterspezifische Unterschiede wurden dabei beobachtet. Allerdings stammten diese Daten meist von Patienten mit bestimmten Erkrankungen.
Unklar war daher lange, ob diese Zusammenhänge auch für gesunde Menschen gelten. Die vorliegende Studie liefert starke Hinweise darauf, dass Fettverteilung im Halsbereich auch unabhängig von bestehenden Krankheiten ein relevanter Gesundheitsfaktor ist.
Die Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig ein ganzheitlicher Blick auf die Körperzusammensetzung ist. Nicht nur das Gewicht auf der Waage oder der Bauchumfang zählen, sondern auch weniger beachtete Fettdepots. Gleichzeitig machen die Forscher Hoffnung, dass gezielte Maßnahmen wie Bewegung und eine bewusste Ernährung künftig helfen könnten, Risiken zu senken. Weitere Studien sollen klären, wie sich Halsfett konkret beeinflussen lässt.