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Gesundheit aus der Suchmaschine
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»Dr. Google« liegt häufig daneben

Es ist inzwischen wohl gängige Praxis: Bei den ersten Krankheitsanzeichen jeglicher Art wird umgehend »Dr. Google« konsultiert und per Smartphone nach Symptomen, Krankheiten und Behandlungsmöglichkeiten gesucht. Doch leider sind Suchmaschinen keine zuverlässige Quelle für Gesundheitsinformationen, wie ein deutsch-russisches Forschungsteam nun herausgefunden hat.
AutorKontaktKatja Egermeier
Datum 08.11.2021  12:00 Uhr

Die kleinen Textschnipsel, die als Vorschau für Sucherergebnisse angezeigt werden, enthielten nicht selten falsche oder mangelhafte Angaben. Besonders problematisch sind den Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und der uralischen Föderalen Universität (UrFU) in Russland zufolge auch die Informationen zu Hausmitteln oder »alternativen Behandlungsmöglichkeiten«.

Für ihre Studie filterten diese in einem ersten Schritt unter insgesamt rund 1,5 Milliarden Suchanfragen der in Russland verbreiteten Suchmaschine Yandex jene Anfragen heraus, in denen nach Symptomen, Erkrankungen und Behandlungsmöglichkeiten gesucht worden ist. Unter diesen 1,2 Millionen Suchbegriffen identifizierten sie etwa 4400 Krankheiten und Symptome beziehungsweise 1000 medizinisch genutzte Pflanzen und Hausmittel. »Am häufigsten ging es um alltägliche Themen wie Schwangerschaft oder Intimkrankheiten«, erklärt Alexander Bondarenko, Informatiker an der MLU. Auch wurde nach der Behandlung von beispielsweise Akne oder Cellulite häufiger gesucht als nach Krebs. Dabei hätten die Nutzer entweder wissen wollen, ob ein bestimmtes Mittel gegen eine Krankheit helfe oder wie ein bestimmtes Mittel anzuwenden sei. »Im zweiten Fall wird also bereits davon ausgegangen, dass ein Mittel hilft, obwohl das längst nicht immer erwiesen ist«, erklärt Dr. Pavel Braslavski, Dozent an der UrFU.

Bereits vorhandene Meinungen nur bestätigt

Im zweiten Schritt überprüfte das Team die von den Suchmaschinen Yandex und Google gelieferten Antworten auf die 30 häufigsten Fragen zu Krankheiten und Heilmitteln – so beispielsweise »Kann Hepatitis mit Mariendistel geheilt werden?«. Eine Medizinerin analysierte anschließend den Wahrheitsgehalt der sogenannten Antwort-Snippets, der kleinen Textteile also, die Suchmaschinen als kurze Vorschau anzeigen. Zudem prüfte sie, ob diese Warnhinweise zu möglichen Gesundheitsrisiken enthielten.

Das Ergebnis: In 44 Prozent der Fälle gab Yandex an, dass ein Mittel gegen eine bestimmte Krankheit wirkt, obwohl dafür keine wissenschaftliche Grundlage existiere. Bei Google betraf das knapp ein Drittel. »Die Angaben aus den Snippets tendieren dazu, bereits vorhandene Meinungen zu bestätigen, und liefern viel zu selten Warnungen zu möglichen Risiken«, so Bondarenko. Hinweise auf möglicherweise giftige Substanzen hätten sich tatsächlich nur in 13 beziehungsweise 10 Prozent der Fälle gefunden.

Das sei problematisch, denn bereits frühere Studien hätten gezeigt, dass Menschen dazu tendieren, an die Wirkung bestimmter Mittel zu glauben, selbst wenn es keine wissenschaftlichen Belege dafür gibt. Die Forschenden plädieren deshalb für deutlichere Warnhinweise zu möglichen Gesundheitsrisiken.

Richtig Googeln will gelernt sein

Mit der richtigen Vorgehensweise lassen sich seriöse medizinische Inhalte im Internet sinnvoll nutzen. Um den Überblick im Dschungel der Gesundheitsinformationen behalten, ist aus Sicht der Techniker Krankenkasse (TK) jedoch vor allem eines notwendig: eine gute Medien- und Gesundheitskompetenz. Dann könne »Dr. Google« erste Informationen liefern, die jedoch keinen Arztbesuch ersetzen. So rät die Krankenkasse zu folgendem Vorgehen:

  • präzise Suchanfragen stellen
    Um sich in der Informationsflut nicht zu verzetteln, rät die TK, Suchanfragen so präzise wie möglich zu stellen. Je spezifischer die Begriffe, desto wahrscheinlicher sei es, ein passendes Suchergebnis zu erhalten.
  • seriöse Quellen erkennen
    Hat sich ein auf den ersten Blick passendes Suchergebnis gefunden, sollte das Impressum der Webseite überprüft werden. Nur so sei es möglich, seriöse Quellen auszumachen, so die TK. Am zuverlässigsten gelten dabei Gesundheitsseiten, die unabhängig agieren.  Vertrauenswürdig sind beispielsweise die Webseiten des  Robert-Koch-Instituts , der  Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung  (BZgA) oder  gesundheitsinformation.de .
  • In einem seriösen Artikel kommen am besten Experten wie Ärzte oder renommierte Institutionen zu Wort, wie die TK erklärt. Ein gutes Zeichen sei zudem, wenn auf den Webseiten auf weiterführende Literatur verwiesen wird und das afgis-Qualitätslogo  zu finden ist, ein Gütesiegel für geprüfte Gesundheitsinformationen im Netz.

Übrigens: Die besten Ergebnisse stehen nicht immer an erster Stelle. Es lohnt sich häufig, eine Weile zu scrollen oder zu blättern und sich nicht gleich mit den ersten Treffern zufriedenzugeben.

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