| Caroline Wendt |
| 13.02.2026 08:00 Uhr |
Babys und Kleinkinder müssen in den ersten Lebensmonaten viele Impfungen erhalten – da lohnt sich die Kombination. / © Getty Images/FatCamera
Was ist eine Kombinationsimpfung?
Kombinationsimpfstoffe enthalten eine definierte Menge verschiedener Erreger, Erregerbestandteile oder Toxoide in einer Spritze. Sie ermöglichen den gleichzeitigen Schutz vor mehreren Infektionskrankheiten mit nur einer Injektion.
Seit wann gibt es Kombinationsimpfstoffe?
Kombinationsimpfstoffe, die Diphtherie- und Tetanustoxoide (Td) in Kombination mit Antigenen gegen Pertussis (Tdap) enthalten, werden bereits seit der Mitte des 20. Jahrhunderts eingesetzt. Im Laufe der Zeit wurden diese Impfstoffe schrittweise um weitere Komponenten erweitert.
Seit 1994 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) die Sechsfachimpfung zur Grundimmunisierung von Säuglingen gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Poliomyelitis, Haemophilus influenzae Typ b (Hib) und Hepatitis B. Das Impfschema wurde im Laufe der Jahre angepasst; aktuell wird für reifgeborene Säuglinge ein 2+1-Schema anstelle des früheren 3+1-Schemas empfohlen.
Bereits seit 1991 empfiehlt die STIKO die kombinierte Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR). Mitte der 2000er-Jahre wurde der Impfstoff um die Komponente gegen Varizellen (Windpocken) erweitert, sodass heute die MMRV-Kombinationsimpfung zur Verfügung steht.
Welche Vorteile bieten Kombinationsimpfstoffe?
Kombinationsimpfstoffe reduzieren die Anzahl der notwendigen Injektionen erheblich, was die Akzeptanz bei Kindern, Jugendlichen und Eltern steigert. Ohne Kombinationsimpfstoffe müssten Säuglinge und Kleinkinder bis zu 30 Mal geimpft und zahlreiche Arzttermine wahrgenommen werden.
Die gleichzeitige Gabe mehrerer Impfkomponenten in einer Spritze erhöht zudem die Wahrscheinlichkeit, dass alle empfohlenen Impfungen rechtzeitig erfolgen und die vorgeschriebenen Zeitabstände eingehalten werden. Das führt zu einer besseren Impfquote und damit zu einem zuverlässigeren Schutz der Kinder.
Gibt es Nachteile oder mehr Nebenwirkungen?
Grundsätzlich können dieselben Nebenwirkungen wie bei Einzelimpfungen auftreten – ein Kombinationsimpfstoff ist also nicht weniger gut verträglich als ein Einzelimpfstoff. Die enthaltenen Komponenten und das von der STIKO empfohlene Impfschema sind so aufeinander abgestimmt, dass das Immunsystem nicht überfordert wird.
Durch die kombinierte Gabe mehrerer Impfungen in einer Spritze werden lokale Reaktionen an der Einstichstelle – wie Schmerzen, Rötung oder Schwellung – auf eine einmalige Injektion reduziert.
Ausnahme Varizellen: Bei der ersten Impfung gegen Varizellen empfiehlt die STIKO, den Varizellen-Impfstoff parallel zu einem MMR-Impfstoff an verschiedenen Körperstellen zu verabreichen. So lässt sich ein leicht erhöhtes Risiko für Fieberkrämpfe vermeiden. Die zweite Dosis kann dann als Vierfachimpfstoff (MMRV-Kombination) erfolgen.
Welche weiteren Kombinationsimpfstoffe gibt es?
Neben den Standard-Kombinationsimpfungen für Säuglinge und Kinder (zum Beispiel Sechsfachimpfstoffe, MMR/MMRV) sind in Deutschland weitere Kombinationsimpfstoffe gegen Hepatitis A + B und Typhus für spezielle Indikationen oder Reisen zugelassen. Andere internationale oder seltene Kombinationen, wie Cholera-Kombinationsimpfstoffe, sind in Deutschland nicht zugelassen.
Welche Besonderheiten sind bei Patienten mit Immundefizienz zu beachten?
Bei Patienten mit angeborener oder erworbener Immundefizienz sowie unter immunsuppressiver Therapie sind Totimpfstoffe grundsätzlich geeignet – auch als Kombinationsimpfstoffe. In Einzelfällen kann eine Kontrolle des Antikörpertiters sinnvoll sein, um den Impferfolg zu prüfen. Lebendimpfstoffe wie MMR oder MMRV sind bei schwerer Immundefizienz kontraindiziert; bei milderen Formen dürfen sie nur nach sorgfältiger Risikoabwägung durch einen Arzt verabreicht werden.
Können Schwangere und Frühgeborene Kombinationsimpfungen erhalten?
Kombinationsimpfstoffe mit Totimpfstoffen sind auch in der Schwangerschaft grundsätzlich sicher; im ersten Trimenon sollten jedoch nur dringend notwendige Impfungen erfolgen. Seit 2020 empfiehlt die STIKO für alle Schwangeren eine Immunisierung gegen Keuchhusten mit einer Kombinationsimpfung gegen Tetanus, Diphtherie und Pertussis (Tdap). Für einen optimalen Nestschutz des Neugeborenen sollte die Impfung Anfang des dritten Trimenons (bei drohender Frühgeburt bereits im zweiten Trimenon) durchgeführt werden.
Lebendimpfstoffe – wie MMR oder MMRV – sind in der Schwangerschaft kontraindiziert und dürfen nicht verabreicht werden. Daher sollten Frauen mit Kinderwunsch bereits vor einer geplanten Schwangerschaft ihren Impfstatus überprüfen lassen.
Auch bei Frühgeborenen (< 37. Schwangerschaftswoche) ist eine konsequente Immunisierung besonders wichtig, da sie ein erhöhtes Risiko für schwere Infektionsverläufe haben. Abweichend vom allgemeinen Impfschema erhalten sie die Sechsfach-Kombinationsimpfung weiterhin im 3+1-Schema.
Sind die Meningokokken-Impfstoffe auch Kombinationsimpfstoff?
Meningokokken sind Bakterien der Art Neisseria meningitidis und werden in verschiedene Serogruppen unterteilt. Seit Oktober 2025 empfiehlt die STIKO zusätzlich zur Immunisierung im Säuglingsalter gegen B-Meningokokken eine Impfung für alle Kinder im Alter von 12 bis 14 Jahren mit einem Vakzin gegen die Untergruppen A, C, W und Y. Da es sich hierbei jedoch nicht um verschiedene Erregerarten, sondern lediglich um unterschiedliche Serogruppen handelt, werden diese Impfstoffe nicht als Kombinationsimpfstoffe eingestuft.
Grippe und Corona gleichzeitig impfen?
Seit der Coronapandemie ist es für viele Risikogruppen üblich geworden, sich zu Beginn der Infektionssaison gleichzeitig gegen die saisonale Grippe und Covid-19 impfen zu lassen.
Die STIKO gibt an, dass zwischen Covid-19-Impfungen und der Verabreichung anderer Totimpfstoffe – wie etwa der Influenza-Impfung – kein Impfabstand von 14 Tagen mehr eingehalten werden muss. Die Impfungen können simultan verabreicht werden und sollten jeweils an unterschiedlichen Gliedmaßen erfolgen. Vorübergehende lokale und systemische Impfreaktionen sind möglich.
Eine Kombination beider Impfungen in einer Spritze gibt es bisher noch nicht, Studien laufen jedoch bereits. Im Mai vergangenen Jahres veröffentlichte der Impfstoffhersteller Moderna die Ergebnisse einer Phase-3-Studie im Fachjournal JAMA. Die Studie zeigte eine gleichwertige oder teils überlegene Immunantwort im Vergleich zur gleichzeitigen Verabreichung von Einzelimpfstoffen. Unerwünschte Nebenwirkungen wie Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit oder Kopfschmerzen traten bei dem Kombinationsimpfstoff etwas häufiger auf.
| Stoff- oder Indikationsgruppe | Beispiele | Patientengruppe |
|---|---|---|
| Diphtherie, Tetanus | Td-IMMUN® | ab 5 Jahren |
| Diphtherie, Tetanus, Pertussis | Boostrix®, Covaxis®, TdaP-IMMUN® | ab 4 Jahren |
| Diphtherie, Tetanus, Polio | Revaxis®, Infanrix® | ab 5 Monaten (Infanrix), ab 5 Jahren (Revaxis) |
| Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Polio | Boostrix Polio®, Repevax® | ab 3 Jahren |
| Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Polio, Hib | Pentavac®, Infanrix-IPV+Hib® | ab 2 Monaten |
| Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Polio, Hib, Hepatitis B | Hexacima®, Hexyon®, Vaxelis®, Infanrix hexa® | ab 6 Wochen bzw. ab 2 Monaten (Infanrix hexa) |
| Masern, Mumps, Röteln | M-M-RVAXPRO®, Priorix® | ab 12 Monaten (M-M-RVAXPRO), bzw. ab 9 Monaten (Priorix) |
| Masern, Varizellen, Mumps, Röteln | Priorix-Tetra® | ab 11 Monaten |
| Masern, Mumps, Varizellen, Röteln | ProQuad® | ab 12 Monaten |
| Hepatitis A, Hepatitis B | Twinrix® Erwachsene, Twinrix® Kinder, Ambirix® | ab 16 Jahren (Twinrix Erwachsene), 1 bis 15 Jahren (Twinrix Kinder), 2 bis 15 Jahren (Ambirix®) |
| Hepatitis A, Typhus | ViATIM® | ab 16 Jahren |