| Juliane Brüggen |
| 04.02.2026 12:00 Uhr |
Anna-Lina Bechtloff (links) erhält ihre Urkunde von Pia Bredlich, Bundestrainerin Pharmacy Technician. / © Völker-Schule
PTA-Forum: Die PTA-Meisterschaft 2025 ist beendet, die Siegerin gekürt. Wie sind – nun mit etwas Abstand – Ihre Eindrücke vom Tag und von den Teilnehmerinnen?
Bredlich: Es war wieder eine ganz fantastische Veranstaltung. Es war tatsächlich so, wie ich es mir gewünscht hatte: Jede hat versucht, das Beste zu geben, aber es gab auch eine nette Gemeinschaft – die Teilnehmerinnen haben sich in den Pausen zusammengesetzt, sich unterhalten und natürlich tolle Ergebnisse erzielt.
PTA-Forum: Frau Bechtloff, Sie haben den ersten Platz erreicht. Herzlichen Glückwunsch noch einmal! Wie haben Sie den Tag in Erinnerung? Wie war der Umgang untereinander?
Bechtloff: Durchaus positiv, auch wenn es zwischendurch ein Auf und Ab war. Es war ein richtig schöner Tag – und die chaotischste Rückfahrt mit dem Auto, die ich seit Langem erlebt habe. Mein Vater, der gefahren ist, hat mir ein bisschen leidgetan. Ich und meine Freunde saßen zu dritt auf der Rückbank und haben gefühlt jede einzelne Minute analysiert.
Den Abend vor der Meisterschaft waren wir alle zusammen essen und das war wirklich gut, weil wir dann am Samstag alle besser miteinander umgehen konnten und uns schon kannten. Das hat das Gruppengefühl gestärkt und es war nicht nur eine reine Wettkampfsache.
PTA-Forum: Ist Ihnen ein Moment besonders in Erinnerung geblieben?
Bechtloff: Woran ich sofort denke, ist, wie ich da vorne stehe, gewonnen habe und sehe, dass meine Eltern weinen. Meine Eltern haben mich sehr unterstützt. Als ich gesagt habe, dass ich teilnehmen möchte, haben beide gleich gefragt: »Wie können wir dir helfen? Was brauchst du?« Das hat mich emotional am meisten berührt.
PTA-Forum: Der Wettbewerb fand unter dem Dach der World Skills statt. Frau Bredlich, können Sie noch einmal erklären, was das genau bedeutet?
Bredlich: World Skills ist im Prinzip die Dachorganisation. Man kann sich das wie die Olympia-Mannschaft der nicht akademischen Ausbildungsberufe vorstellen. Es gibt über 50 verschiedene Skills, also Berufsfelder, in denen junge Menschen bis 25 zunächst auf nationaler Ebene gegeneinander antreten, zum Beispiel im handwerklichen Bereich, aber auch im Gesundheitsbereich wie der Pflege oder – relativ neu – PTA. Die jeweiligen Gewinner können dann mit der Dachorganisation World Skills in den europäischen oder in den internationalen Vergleich gehen.
Wir wollen damit auf den Beruf der PTA aufmerksam machen und darauf, welchen wichtigen Beitrag sie für das Gesundheitswesen leisten. Nicht nur für die Teilnehmer selbst, sondern auch für die Bevölkerung, denn der Beruf PTA ist hier nicht so präsent. Außerdem wollen wir so gegen den Fachkräftemangel anarbeiten und erreichen, dass sich mehr junge Menschen auch für den Beruf interessieren.
Die Deutsche PTA-Meisterschaft 2025 fand im vergangenen November in Osnabrück in den Räumen der Völker-Schule statt und wurde vom dort ansässigen Bundesleistungszentrum »Pharmacy Technician« sowie der Expopharm, Leitmesse für den Apothekenmarkt, veranstaltet. Der Wettbewerb fand nach den Standards der Worldskills, der WM der Berufe, statt. In vier Disziplinen galt es, sich zu beweisen und durchzusetzen: Herstellung einer Rezeptur, Beratung und Abgabe, Blutdruckmessen und Social Media. Neben Können und Fachwissen waren auch starke Nerven gefragt, denn es gab zeitliche Limits – und natürlich Publikum.
PTA-Forum: Frau Bechtloff, wie hat denn das Apothekenteam reagiert, als Sie als Gewinnerin zurückkamen?
Bechtloff: Ich hatte eigentlich darauf gehofft, dass ich das am Montag mit meiner Medaille in der Hand verkünden kann. Mein Chef kam mir dann aber zuvor, er hat es schon am Sonntag über Instagram herausgefunden und direkt eine Nachricht an alle verfasst. Die Reaktionen waren richtig positiv. Alle haben mir gratuliert und gesagt: „Das haben wir dir gleich gesagt“. Es war richtig schön.
Wir hatten tatsächlich auch Kunden, die nachgefragt haben. Ich hatte vorher die Plakate bei uns aufgehängt. Erst war es ein kleiner Hype, aber jetzt nimmt es wieder ein bisschen ab und normalisiert sich.
PTA-Forum: Frau Bredlich, wie war das Feedback der anderen Teilnehmerinnen?
Bredlich: Von zwei Teilnehmerinnen habe ich zum Beispiel die Rückmeldung bekommen, dass es ihnen Spaß gemacht hat und dass sie das Ganze als Challenge für sich gesehen haben, auch um zu schauen, wo sie sich befinden, wie sie sich weiterentwickeln können.
Das Format war ja etwas anders als letztes Jahr. Das Finale fand diesmal nicht auf der Expopharm statt, sondern war davon losgelöst. Das war auch sehr schön, dadurch war es etwas intimer für die Teilnehmerinnen, nicht ganz so viel Trubel drum herum, man konnte dem Ganzen so ein bisschen mehr den Wettkampfcharakter anmerken. Und wir konnten natürlich die Räumlichkeiten der Schule nutzen.
PTA-Forum: Vor allem beim Herstellen der Rezeptur hat man gesehen, dass die Aufgaben gar nicht so leicht sind. Einige Teilnehmerinnen sind nicht fertig geworden. Warum ist der Anspruch so hoch?
Bredlich: Es sollen wirklich die Besten, also hervorragende Talente, herausgefiltert werden. Das bedeutet, dass die Aufgaben zum Teil auch innerhalb der vorgegebenen Zeit schwer zu lösen sind. Leistung ist auch immer ein Zeitfaktor. Aber so ist es im Prinzip auch in der Apotheke: Die Arbeit muss – natürlich gut und sorgfältig – in einer gewissen Zeitspanne erledigt werden. Und das ist hier mit zum Tragen gekommen.
PTA-Forum: Frau Bechtloff, welche Aufgabe hat Sie denn besonders herausgefordert?
Bechtloff: Auf jeden Fall das Beratungsgespräch. Da muss man sofort etwas parat haben und kann nicht noch einmal darüber nachdenken wie bei einer Rezeptur. Das hat mich am meisten gestresst. Aber als die Kundin reinkam, war ich auf einmal richtig entspannt. Ich habe mir also vorher mehr Stress gemacht, als es in dem Aufgaben-Moment dann tatsächlich der Fall war.
Ich arbeite hauptsächlich in der Rezeptur, das heißt, meine Berührungspunkte zum HV sind eher gering. Ich habe natürlich das Wissen, aber mir fehlt die Routineerfahrung, dass ich jeden Tag mehrere Stunden im HV stehe. Deswegen war ich da ein bisschen unsicher und habe am meisten dafür gelernt.
PTA-Forum: Wie haben Sie sich denn außerdem vorbereitet auf den Wettbewerb?
Bechtloff: Wir hatten im Vorfeld zwei Online-Treffen mit Pia. Da hat sie uns zuerst grob erklärt, wie die Meisterschaft abläuft, welche Disziplinen es gibt und worauf es dabei ankommt. Im zweiten Training konnten wir Fragen stellen, natürlich wurden keine Details verraten. Auch bei der Expopharm konnten wir zum Beispiel schon einmal das Blutdruckmessen üben.
Nach der Messe habe ich mir dann die Selbstmedikation vorgenommen und mir jede Erkrankung, die wir in der Schule bearbeitet haben, noch einmal angeschaut und mir je zwei Arzneimittel rausgesucht. Ich habe viele Beratungsgespräche mit meiner Mutter geführt. Ich habe auch in der Apotheke zum Beispiel darauf geachtet, wie viele Präparate ich zur Auswahl stelle.
Bei der Rezeptur wussten wir, dass die Aufgabe die Herstellung einer Suspension sein wird. Daher habe ich alle Suspensionen, die wir reinbekommen haben, mit Stundentimer hergestellt und geguckt, wofür ich besonders lange brauche. Ich habe auch Blutdruckmessen viel geübt. Beim Social-Media-Beitrag habe ich mir gedacht, das lasse ich auf mich zukommen, und habe es zu Hause nur mit Word ausprobiert, vor Ort war es dann Canva. Ich habe den Vorteil, dass meine Mutter gelernte Werbegestalterin ist, sie hat mit mir durchgesprochen, wie ich ein Plakat aufbauen und worauf ich achten muss.
PTA-Forum: Was empfehlen Sie PTA, die sich gerne bewerben möchten?
Bredlich: Das ist eine ganz tolle Herausforderung – einmal für die PTA persönlich. Anna-Lina zum Beispiel, die ja gewonnen hat, war anfangs sehr aufgeregt, hat sich dann aber selbst übertroffen. Es ist eine Gelegenheit zu schauen, was kann ich, wo stehe ich – und an sich selbst zu wachsen. Eine Challenge, auf die man noch lange Zeit zurückblicken und von der man sehr viel in den persönlichen Bereich mitnehmen kann.
Das Zweite ist, eben auch zu zeigen, was PTA tatsächlich können und wie wichtig der Beruf ist – gerade jetzt in einer Zeit der Umstrukturierung mit immer mehr Online-Apotheken, immer mehr KI. Zu zeigen, dass es lohnenswert ist, zum einen in die Apotheke vor Ort zu gehen, sich beraten zu lassen, zum anderen aber auch den Beruf zu ergreifen und wirklich mit Freude den Menschen helfen zu können.
Bechtloff: Auf jeden Fall einfach anmelden und teilnehmen! Wir wurden von Pia richtig gut gefördert. Und es ist nichts Neues, also Rezepturen können wir herstellen, wir messen Blutdruck in der Apotheke und wir beraten. Das ist eine unvergessliche Erfahrung.
PTA-Forum: Wie geht es jetzt weiter?
Bredlich: Wir sind gerade dabei, alles zu evaluieren und zu überlegen, wie wir weitermachen. Es wird auf jeden Fall weitergehen. Wenn man mal ganz weit in die Zukunft schaut, könnte es auch sein, dass Meisterschaften vermehrt im regionalen Bereich durchgeführt werden, zum Beispiel wie es bei den niedersächsischen Meisterschaften der Fall war. Wir haben da viele Ideen.
Bechtloff: Wie es für mich persönlich weitergeht, weiß ich noch nicht genau. Ich bin da noch offen, ich bin ja auch erst 20. Jetzt arbeite ich erst einmal und schaue dann, ob ich in einem Jahr vielleicht anfange zu studieren oder ob ich etwas ganz anderes machen möchte. Ich lasse es auf mich zukommen.
Pia Bredlich ist Apothekerin und arbeitet als Lehrerin an der Völker-Schule in Osnabrück. Sie ist außerdem durch den Verein Worldskills als Bundestrainerin Pharmacy Technician in Deutschland anerkannt und zusammen mit Lina Kalmer, Leiterin des Bundesleistungszentrums Pharmacy Technician, verantwortlich für Inhalte und Organisation der PTA-Meisterschaft.
Anna-Lina Bechtloff, 20 Jahre, ist pharmazeutisch-technische Assistentin in der Kreuz Apotheke in Seelze (Niedersachsen) und hat als eine von sieben PTA an der Meisterschaft teilgenommen – und den ersten Platz erreicht.