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Krebsinformationsdienst
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Erhöht Milch das Brustkrebsrisiko?

Immer wieder wird in Medien vor Milchprodukten im Zusammenhang mit Brustkrebs gewarnt: Milch erhöhe das Erkrankungsrisiko. Dass das viele Frauen verunsichert, merkt auch der Krebsinformationsdienst, wie er auf seiner Website schreibt. Anfragen dazu gebe es häufig. Ein Anlass für ihn, die aktuelle Studienlage zu beleuchten. Und der Versuch, das Ergebnis verständlich zu kommunizieren. Denn so einfach lässt sich das wohl nicht beantworten.
AutorKontaktKatja Egermeier
Datum 01.08.2024  10:00 Uhr

So heißt es seitens des Krebsinformationsdiensts (KID) gleich zu Beginn: »Eine eindeutige Antwort auf die Frage, ob Milch das Risiko für Brustkrebs erhöht oder nicht, kann man derzeit nicht geben.« Zum einen hätten mehrere Beobachtungsstudien zu unterschiedlichen, teils sogar gegensätzlichen Ergebnissen geführt. Zum anderen handele es sich, wie erwähnt, um reine Beobachtungsstudien, die nur Hinweise auf mögliche Risikofaktoren liefern können. Ein ursächlicher Zusammenhang lasse sich daraus jedoch nicht ableiten, betont der KID, der als Teil des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) fungiert. Studien, die einen Zusammenhang sicher belegen können, beispielsweise indem sie einen biologischen Mechanismus aufklären, gebe es nicht.

Unterschiedliche Studien, unterschiedliche Ergebnisse

Der KID stellt im Rahmen seiner Recherche zwei Beobachtungsstudien gegenüber: Eine mit rund 53.000 Frauen in den USA und Kanada, die ergab, dass Frauen, die regelmäßig viel (täglich etwa 250 ml) Kuhmilch konsumierten, einen höheres Risiko hatten, an Brustkrebs zu erkranken. Die Rede ist von einem etwa 50 Prozent höheren relativen Risiko im Vergleich zu Frauen, die nur wenige Milliliter Milch täglich zu sich nahmen. Interessanter Nebenfakt: Das galt nicht für Milchprodukte wie Käse und Joghurt oder Sojaprodukte.

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2021 dagegen, in der 36 Beobachtungsstudien mit insgesamt über 1 Million Frauen zusammengefasst wurden, fand keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Milch und Brustkrebs. Hier habe sich gezeigt, dass Milchprodukte insgesamt das Brustkrebsrisiko, vor allem hinsichtlich östrogen- und progesteronrezeptor-positiver Tumoren, reduzierten, so der KID. Milchprodukte mit hohem Fettgehalt erhöhten das Risiko wiederum (nicht statistisch signifikant), fettarme reduzierten es – bei prämenopausalen Frauen. Fermentierte Milchprodukte (Käse, Joghurt, Kefir) schützten postmenopausal und nicht fermentierte Milchprodukte zeigten keinerlei Einfluss.

Das zeigt deutlich: Die Datenlage ist uneinheitlich und schwierig. Der KID weist zudem darauf hin, dass es sich bei den genannten 50 Prozent in der zuerst aufgeführten Studie nur um eine Erhöhung des relativen Risikos handelt. »Das ist nicht mit dem absoluten Risiko zu verwechseln.« Zudem hätten die Autoren selbst darauf hingewiesen, dass bislang unerkannte Faktoren eine Rolle für die Ergebnisse spielen könnten.

Fazit für gesunde Frauen, Brustkrebspatientinnen und die Praxis

Für den KID besteht nach eingehender Beleuchtung dieser Fakten keine Veranlassung, wegen eines möglichen Brustkrebsrisikos auf Kuhmilch zu verzichten. »Ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs durch Milch konnte bislang nicht eindeutig bewiesen werden.« Im Gegenteil hätten einige Studien sogar ein reduziertes Risiko ergeben.

Auch seitens der onkologischen Fachgesellschaften gebe es keine besonderen Hinweise zum Milchkonsum für Brustkrebspatientinnen. Diese sollen sich entsprechend der Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für gesunde Erwachsene ernähren – also täglich zwei Portionen Milch und Milchprodukte zu sich nehmen. Das entspricht laut DGE etwa einem Glas Milch (250 ml) plus 1 Scheibe Käse (30 g) oder einem Becher Joghurt (150 g). Diese Empfehlungen gelten auch für bereits an Brustkrebs Erkrankte.

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