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Mastoiditis
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Gefährliches Verschleppen

Es kann als harmloser Schnupfen beginnen, sich zu einer bakteriellen Entzündung der Nasennebenhöhlen ausweiten, dann auf den Knochen hinter dem Ohr und schließlich auf die Hirnhäute übergreifen – eine Mastoiditis. Sieben wichtige Fragen und Antworten.
AutorKontaktIsabel Weinert
Datum 05.02.2026  08:00 Uhr

Was ist das Mastoid?

Das Mastoid, das auch als Warzenfortsatz oder Felsenbein bezeichnet wird, ist der Teil des Schädelknochens, der hinter dem Ohr liegt. Von außen kann man ihn als knöchernen Wulst ertasten. Obwohl Teil des Schädelknochens besteht das Mastoid nicht aus massiver Knochensubstanz, sondern aus unzähligen kleinen Hohlräumen, die mit Schleimhaut ausgekleidet sind und durch die Luft hindurchströmt. Die Schleimhaut des Mastoids steht über den sogenannten Aditus in Verbindung mit derjenigen des Mittelohrs – und dieses wiederum über die Eustachische Röhre mit dem Nasen-Rachen-Raum.

Wie gelangen Krankheitserreger dort hinein?

Die normale Schleimhaut des Nasen-Rachen-Raumes ist auch besiedelt von potenziell krankmachenden Keimen wie Staphylococcus aureus, Streptococcus pneumoniae, Haemophilus influenzae und Moraxella catarrhalis. Unter bestimmten Umständen, zum Beispiel wenn Schnupfenviren die lokale Abwehr schwächen, gelingt es diesen unter normalen Umständen harmlosen Keimen, in tiefere Gewebe einzudringen und dann eine Entzündung der Nasennebenhöhlen oder eine Mittelohrentzündung zu verursachen. 

Welche Symptome zeigen sich?

Weil sich erst das Mittelohr entzündet, leiden Menschen mit Mastoiditis typischerweise unter starken, mitunter pochenden Ohrenschmerzen, zumeist nur auf einer Seite. Drücken Sie auf den erhabenen Knochen hinter dem Ohr, dann schmerzt es. Der Knochen kann auch wie eine gerötete, schmerzhafte und geschwollene Beule erscheinen. Bei starker Schwellung steht sogar das Ohr ab. Eine derartige Entzündung zieht auch den ganzen Menschen in Mitleidenschaft; er fühlt sich sehr krank, schwach, Fieber kann auftreten. Greifen die Erreger vom Mastoid aus auf die Hirnhäute über, ist das Leben gefährdet. Kopfschmerzen, Schwindel, Verwirrtheit und auch eine Lähmung der betroffenen Gesichtshälfte, eine sogenannte Fazialisparese, können auf das zentrale Geschehen hinweisen, das stets ein medizinischer Notfall ist und umgehend stationärer ärztlicher Hilfe bedarf. Achtung, die Mastoiditis kann sich auch dann noch entwickeln, wenn die Mittelohrentzündung schon abgeheilt zu sein scheint.

Welche Menschen sind besonders gefährdet?

Eine Mastoiditis tritt häufig bei Kleinkindern und Kindern auf, weil sich deren Anatomie im Bereich des Nasen-Rachen-Raumes in Verbindung zum Ohr noch nicht vollständig entwickelt hat. Zudem leiden gerade Menschen dieser Altersgruppe häufiger unter einer Mittelohrentzündung. Aber auch Erwachsene kann es treffen, wenn die (lokale) Immunabwehr geschwächt ist, enge Verhältnisse im Nasen-Rachen-Raum die Belüftung des Ohrs behindern, Menschen ein Hörgerät tragen oder rauchen. Auch Menschen mit Diabetes tragen ein höheres Erkrankungsrisiko. 

Wie gehen Ärzte therapeutisch vor?

Das hängt vom Stadium der Erkrankung ab. Auf jeden Fall erhalten Betroffene hoch dosierte Antibiotika, in aller Regel initial intravenös, im weiteren Verlauf oral, oft über einen längeren Zeitraum. Hat sich ein Abszess gebildet, sind die Hirnhäute bereits betroffen, dann muss das Mastoid von den entzündlichen Teilen operativ befreit werden, es wird quasi ausgeräumt. Auch eine Drainage des Mittelohrs kommt infrage, um Eiter aus dem Ohr zu leiten. Auch nach einem operativen Eingriff geben Mediziner hoch dosiert intravenös Antibiotika. Drückt die Entzündung derart auf den Fazialisnerv, dass der Patient eine Gesichtslähmung erleidet, erhält er zusätzlich ebenfalls intravenös hoch dosiert ein Glucocorticoid. Unter dieser Therapie bildet sich nach erfolgreicher Operation die Lähmung über Wochen langsam wieder zurück. Wurde die Mittelohrentzündung, die die Mastoiditis bedingt hat, vor allem dadurch gefördert, dass Nasenneben- und Stirnhöhlenräume zu eng sind, kann in der Operation, in der das Mastoid ausgeräumt wird, auch dieser Bereich geweitet oder instrumentell erweitert werden.

Wie geht es nach der Therapie/Operation weiter?

Gelingt es dem HNO-Chirurgen, wirklich alle entzündeten Zellen operativ zu entfernen, dann ist das Rezidivrisiko auf dieser Seite gering. Neigt ein Mensch allerdings zu Infektionen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich, dann kann es auch die andere Seite treffen. Deshalb müssen Menschen, die einmal eine Mastoiditis hatten, gut auf die Belüftung ihrer Ohren aufpassen, wenn sie erkältet sind. Sie sollten dann mit abschwellenden Sprays oder Tropfen dafür sorgen, dass der Nasen-Rachen-Raum möglichst wenig verschleimt und nach Absprache mit dem Arzt unabhängig von Erkältungen regelmäßig mit einem Nasenballon arbeiten, um die Eustachische Röhre zu belüften. Ob Patienten mit Wasser aufpassen müssen, also beim Baden, entscheiden Ärzte abhängig vom individuellen Fall.

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