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Emotional Dumping
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Grenzen setzen lernen

In Freundschaften kommt es manchmal dazu, dass eine Person einseitig ihre Probleme und Sorgen bei der anderen »ablädt«. Auf Dauer kann das belastend sein. Wie man mit einer solchen Situation umgeht, erklären Experten.
AutorKontaktdpa
Datum 31.01.2025  11:00 Uhr

Lädt jemand ungefragt seine Probleme bei einer anderen Person ab und spricht ohne Rücksicht auf das Gegenüber von den eigenen Sorgen und Belastungen nennt man dies im Englischen »Emotional Dumping«: Einer lädt seinen Müll ab, der andere ist der Abfalleimer, der versucht zu helfen. Diese einseitige Kommunikation kann für den Zuhörenden extrem belastend sein. Doch: »Die meisten Menschen, die ›Emotional Dumping‹ betreiben, sind sich dessen nicht bewusst. Es ist eine Art und Weise, wie sie mit allen Menschen in ihrem Leben umgehen«, so die US-Psychologin Nicole LePera.

Was tun, wenn das eigene Energielevel durch solche Gespräche erschöpft wird? Und womöglich Hilflosigkeit dazukommt, weil sich trotz unserer Bemühungen nichts ändert? Wer das Gefühl hat, der emotionale Abfalleimer für den anderen zu sein, sollte Grenzen ziehen – um zunächst das eigene Wohlbefinden zu schützen, erklärt LePera.

Das bedeute, »Nein« sagen zu lernen, sagt Wolfgang Krüger, Psychotherapeut in Berlin. In guten Freundschaften dürfe und solle man sich auch zurückziehen, wenn die Negativität des anderen zu viel wird. Wichtig: Das sollte man offen ansprechen. Wer es ankündigt und begründet, gebe der anderen Person die Möglichkeit, an sich zu arbeiten.

Wie sage ich es?

Nicole LePera schlägt vier konkrete Formulierungen vor, um Grenzen zu kommunizieren:

  • »Ich verstehe, dass es dir gerade schlecht geht, und ich möchte für dich da sein. Im Moment bin ich aber nicht in der Lage, zuzuhören.«
  • »Ich habe versucht, so gut es geht für dich da zu sein, aber ich habe das Gefühl, dass ich das Problem nicht richtig erfassen kann. Kann ich dir helfen, einen Therapeuten oder eine Selbsthilfegruppe zu finden, die das besser verstehen können?«
  • »Ich bemerke, dass sich diese Situation immer wiederholt. Wollen wir nach Lösungen suchen, bei denen ich dich unterstützen kann?«
  • »Momentan habe ich selbst so viel um die Ohren, dass ich dir nicht so zur Seite stehen kann, wie ich gerne würde. Ich brauche etwas Zeit, um meine Energie aufzuladen – danach können wir gerne sprechen.«

Warum Grenzen setzen oft unangenehm ist

»Sie könnten sich schuldig oder unwohl fühlen, wenn Sie diese Dinge sagen, und das ist in Ordnung«, so LePera. Diese Gefühle seien oft das Resultat einer tief verankerten Neigung, es anderen recht machen zu wollen. Aber: »Niemand wird Ihre emotionale Energie schützen – das müssen Sie selbst tun.« Und weiter: »Wir lehren Menschen, wie sie uns behandeln sollen.« Nur wenn wir uns um unser eigenes Wohlbefinden kümmern, »können wir in unseren Beziehungen präsent und unterstützend sein«.

»Ich muss mich wichtig nehmen und bin hierfür auf ein gutes Selbstbewusstsein angewiesen«, sagt auch Wolfgang Krüger. »Sonst besteht die Gefahr, dass ich meine Selbstachtung daraus ziehe, dass ich immer anderen helfe – und mich überfordere.« Und er hat noch einen Tipp: »Ich sollte lernen: Freundschaften und auch Liebesbeziehungen leben von einem Ausgleich. Was also könnte ich mir von anderen wünschen, wenn ich bereit bin, ihnen zu helfen?«

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