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Beratung kompakt
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Gut beraten bei Harnwegsinfekten

Nicht jede Harnwegsinfektion erfordert sofort ein Antibiotikum. Leichte Beschwerden lassen sich in vielen Fällen mit freiverkäuflichen Präparaten lindern.
AutorKontaktCaroline Wendt
Datum 09.02.2026  08:00 Uhr

Typische Symptome

  • Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen (Dysurie)
  • stark erhöhter Harndrang bei nur kleinen Urinmengen (Pollakisurie)
  • Gefühl der unvollständigen Blasenentleerung
  • mitunter Blut im Urin (Hämaturie)

Ursachen

  • meist bakterielle Infektion, in circa 80 Prozent der Fälle durch Escherichia coli (E. coli)
  • Darmbakterien steigen über Harnröhre in die Blase auf
  • bei Frauen: kürzere Harnröhre erhöhen Infektionsrisiko
  • niedrige Estrogenspiegel (etwa in den Wechseljahren) begünstigen Infekte

Schmerzen lindern

  • nicht steroidale Antirheumatika (NSAR): schmerzlindernd und entzündungshemmend; zum Beispiel Ibuprofen (wie Dolormin® extra) 3 × täglich 400 mg für maximal drei bis vier Tage
  • Butylscopolamin (wie Buscopan®): bei krampfartigen Unterbauchschmerzen; 1 bis 2 Tabletten (10 mg) bei Bedarf alle 6 bis 8 Stunden, maximal 6 Tabletten/Tag für maximal 5 Tage

Bärentraubenblätter

  • Arbutin aus Bärentraubenblättern (wie Cystinol akut®, Arctuvan®): Umwandlung zu Hydrochinon, keimhemmend
  • gute Studienlage: S3-Leitlinie nennt Arbutin als nicht antibiotische Behandlungsoption bei akuten
  • unkomplizierten Harnwegsinfekten
  • Wirkung unabhängig vom pH-Wert des Urins
  • 3 × täglich 2 Tabletten Arbutin (105 mg)
  • Anwendungsdauer: maximal 7 Tage
  • höchstens fünfmal pro Jahr
  • nicht in der Schwangerschaft

Standardisierter Pflanzenextrakt

  • Kombination aus Liebstöckelwurzel, Rosmarinblättern und Tausendgüldenkraut (BNO 1045, wie in Canephron®, Canephron® Uno)
  • entzündungshemmend, krampflösend und leicht diuretisch
  • 3 × täglich 108 mg BNO 1045 über maximal 2 Wochen
  • gute Studienlage: S3-Leitlinie nennt BNO 1045 als nicht antibiotische Behandlungsoption bei akuten unkomplizierten Harnwegsinfekten

Scharfe Hilfe

  • Senföle aus Kapuzinerkresse und Meerrettich (wie Angocin® Anti-Infekt): antibakteriell wirksam
  • 3 bis 5 × täglich je 4 bis 5 Filmtabletten (Standarddosis: 3 × täglich 4 Filmtabletten)
  • unterstützende Wirkung bei akuten Infekten und zur Prävention

Mannose & Cranberry

  • unterstützende Wirkung bei akutem Infekt und zur Prävention
  • verhindern Anhaften von E-Coli-Bakterien an das Epithel der Harnwege
  • Cranberry: Saft, Tabletten, Kapseln oder Sirup – keine einheitliche Dosierungsempfehlung
  • D-Mannose (wie Femannose®, Femalac): 2 g täglich; infektiöse Bakterien und Zucker werden über Urin ausgeschieden

Blasen- und Nierentee

  • harntreibende Drogen wie Goldrute, Brennnessel oder Schachtelhalm
  • Evidenz begrenzt
  • als begleitende Maßnahme sinnvoll, nicht als alleinige Therapie

Nicht medikamentöse Maßnahmen

  • Trinkmenge: mindestens 2 bis 2,5 Liter Flüssigkeit pro Tag
  • Muskulatur entspannen: etwa mit einer Wärmflasche auf dem Unterbauch oder warmen Sitzbädern)
  • regelmäßige zur Toilette gehen, Harndrang nicht unterdrücken
  • nach dem Geschlechtsverkehr Blase entleeren
  • nach dem Stuhlgang von vorne nach hinten reinigen
  • spermizide Verhütungsmethoden (wie beschichtete Kondome) meiden

Grenzen der Selbstmedikation

  • Blut im Urin
  • (meist einseitige) Flankenschmerzen: Hinweis auf Nierenbeteiligung
  • Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit oder Erbrechen
  • ausgeprägtes Krankheitsgefühl
  • Schwangerschaft
  • Kinder, Männer, ältere (multimorbide) Patienten
  • Immunsuppression, Diabetes mellitus oder Harnabflussstörungen
  • keine Besserung nach ein bis drei Tagen
  • häufige Rezidive (> 3 Infekte pro Jahr)

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