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Hunger macht Stimmung
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»Hangry« gibt es also doch

Wenn der Magen knurrt, hat man nicht gleich schlechte Laune. Nur wer den Energiemangel bewusst wahrnimmt, wird auch »hangry«. Ein Training der Selbstwahrnehmung könnte nicht nur Diabetikern beim Erkennen von Unterzuckerungen helfen, sondern auch die Therapie von Depressionen und Adipositas positiv beeinflussen, zeigen neue Forschungsergebnisse.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 13.04.2026  10:00 Uhr

Als »hangry« wird jener Zustand bezeichnet, bei dem jemand nicht nur hungrig (»hungry«), sondern auch übellaunig (»angry«) wird. Was dem Zusammenspiel von Blutzucker, Hunger und Stimmung genau zugrunde liegt, haben sich nun Psychiater der Universitäten Bonn und Tübingen angesehen, wie sie im Fachblatt »eBioMedicine« berichten.

In die Untersuchung wurden 90 gesunde Erwachsene einbezogen, darunter 46 Frauen und 44 Männer. Über vier Wochen trugen die Teilnehmenden kontinuierliche Glukosesensoren am Oberarm und beantworteten mehrfach täglich über eine Smartphone-App Fragen zu ihrem momentanen Hunger, ihrer Sättigung und ihrer Stimmung. Im Mittel ergaben sich rund 48 Bewertungen pro Person.

Wie erwartet, beobachteten die Experten, dass die Teilnehmenden besser gestimmt waren, wenn ihr Blutzucker hoch war. War der Zuckerspiegel dagegen niedrig, waren die Probanden hungrig und mies gelaunt. Allerdings, so stellte das Wissenschaftsteam fest, wirkte sich nicht der Blutzucker allein auf die Stimmung aus. Vielmehr war entscheidend, wie intensiv die Teilnehmenden den Mangel an Energie wahrnahmen. Jene Probanden, die die Veränderungen des Blutzuckerspiegels besonders gut registrierten, litten dabei weniger unter Stimmungsschwankungen als andere.

Die Studie liefert damit neue Evidenz für die Bedeutung der sogenannten Interozeption – also der bewussten Wahrnehmung innerer Körperzustände – bei der Regulation von Emotionen, erklärt Coautor Professor Dr. Nils Kroemer in der begleitenden Pressemitteilung der Universitäten Bonn und Tübingen. »Die Ergebnisse sprechen dafür, dass das bewusste Spüren des eigenen Körpers eine Art Puffer für die Stimmung sein kann. Ein gutes Gespür für körpereigene Signale scheint dabei zu helfen, emotionale Stabilität zu bewahren – selbst wenn der Energiehaushalt schwankt.«

Die Forschenden sehen darin auch eine wichtige Grundlage für künftige Untersuchungen bei Patienten mit Stoffwechsel- oder psychischen Störungen. »Erkrankungen wie Depression oder Adipositas gehen mit veränderten Stoffwechselprozessen einher«, so Kroemer. »Ein besseres Verständnis dafür, wie Körperwahrnehmung und Stimmung zusammenhängen, kann langfristig helfen, Therapieansätze zu verbessern – etwa durch gezieltes Training der Selbstwahrnehmung oder nicht-invasive Stimulation des Vagusnervs, der die Organe mit dem Gehirn verbindet und die Interozeption beeinflusst.«

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