| Isabel Weinert |
| 16.02.2026 14:00 Uhr |
Der Anstieg an ADHS-Diagnosen bei Erwachsenen werden von Forschenden kontrovers diskutiert. / © IMAGO/Bihlmayerfotografie
Die Untersuchung von Forschenden der Universität Oxford in Großbritannien ist Teil des »Data Analysis and Real World Interrogation Network« (DARWIN EU®). Die europäische Zulassungsbehörde EMA setzte dafür den Start. Sie wollte herausfinden, in welchem Umfang ADHS-Medikamente eingesetzt werden, ob tatsächlich eine Überversorgung vorliegt und dadurch auch Engpässe an Medikamenten zustande kommen.
Deutschland verzeichnet im Vergleich mit anderen europäischen Ländern einen geringeren Anstieg der Verordnungen, aber seit 2017 bis 2023 ist auch hierzulande ein deutlicher Aufwärtstrend messbar. Zwar sind es auch hier, wie bei Kindern und Jugendlichen, immer noch mehr Männer als Frauen, die ein Medikament gegen ADHS erhalten, doch die Frauen holen auf.
Allerdings zeigt sich in Deutschland eine schlechtere Therapieadhärenz als in anderen europäischen Ländern: Nach einem Jahr nehmen lediglich 15 Prozent der neu-Therapierten ihre Medikamente überhaupt noch ein. Laut einem Beitrag auf SpringerMedizin.de interpretieren Experten die Ergebnisse unterschiedlich. Während die einen davon ausgehen, dass zu viele ADHS-Diagnosen im Erwachsenenalter gestellt und medikamentös therapiert werden, weil Diagnosekritierien nicht richtig angewandt würden und Alltagsprobleme zu unbedacht ADHS zugeschrieben würden, gehen andere eher von einer Unterversorgung aus und plädieren dafür, die Therapieadhärenz durch entsprechende Maßnahmen zu steigern.