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Evidenzlage im Check
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Ist Aromatherapie heilsam oder Humbug?

Viele Menschen verwenden ätherische Öle zur Raumbeduftung, für Massagen, Bäder oder zum Inhalieren. Glaubt man der Aromatherapie, hat das in vielen Fällen positive Effekte auf die Gesundheit. Belegt sind diese jedoch nur für wenige Arzneipflanzen und Indikationen.
AutorKontaktCarina Steyer
Datum 11.08.2022  12:00 Uhr

Gerüche erzeugen Gefühle

In einem weiteren großen Anwendungsgebiet der Aromatherapie werden ausschließlich die Gerüche ätherischer Öle genutzt, um Beschwerden zu lindern und die Stimmung zu beeinflussen. So sollen Zitronen-, Rosen-, Geranium- und Bergamottöl eine aufmunternde Wirkung besitzen, Orangenöl die Energie und Lebensfreude steigern und Mandarinen- sowie Neroliöl Stress reduzieren. Muskatellersalbei soll gegen Angstzustände und depressive Verstimmungen wirken, Pfefferminze, Kamille und Bergamotte wird eine schmerzstillende Wirkung nachgesagt, Lavendel und Melisse sollen krampflösend wirken. Das Vernebeln von Thymian und Zitrone wird bei Husten empfohlen, Nelke und Salbei wird eine antibiotische und desinfizierende Wirkung zugesprochen. Rosmarin und Thymian sollen beruhigend wirken, Eukalyptus und Lemongras die Konzentration erhöhen.

Um eine Wirkung zu erzielen, werden die ätherischen Öle mit Aromalampen verdunstet. Verwendet werden nur wenige Tropfen (je nach Raumgröße fünf bis zehn) des ätherischen Öls. Zu intensive Gerüche oder eine zu lange Stimulierung über mehr als zwei Stunden sollten vermieden werden, da beides zu Kopfschmerzen und Übelkeit führen kann. Bei Kindern und empfindlichen Menschen sollten weniger Tropfen verwendet werden.

Dass ausschließlich der Duft eines ätherischen Öls körperliche Beschwerden lindern kann, ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Unbestritten ist jedoch, dass ätherische Öle den Geruchssinn anregen und ihr Duft über die Geruchssensoren im oberen Teil der Nase an den Riechkolben im Hirn weitergeleitet wird. Im Gehirn werden die Gerüche dann identifiziert und bewertet.

Klar ist, dass ein bestimmter Geruch Gefühle und Erinnerungen wecken und darüber das Wohlbefinden beeinflussen kann. Auch der Handel nutzt diesen Effekt mitunter aus. So kann der Geruch nach frischen Backwaren den Umsatz im Lebensmittelhandel steigern oder der »Neuwagengeruch« in gebrauchten Autos die Kaufwahrscheinlichkeit erhöhen.

Sicherheitshinweise beachten

Ob nachgewiesene Wirkung oder reiner Wohlfühleffekt, gegen die Verwendung ätherischer Öle ist grundsätzlich nichts einzuwenden, wenn sie als angenehm empfunden wird. Beachtet werden sollten lediglich einige Sicherheitshinweise:

  • Kampfer, Eukalyptus-, Thymian- und Pfefferminzöl dürfen keinesfalls in den ersten zwei Lebensjahren angewendet werden. Sie lösen starke Reizungen und Krämpfe der Atemmuskulatur aus, die zu akuter Atemnot führen können. Auch Eltern und anderen engen Bezugspersonen wird geraten, die Öle nicht am Körper zu tragen, wenn sie mit dem Baby in Kontakt kommen.
  • Eisenkraut-, Zedern- und Muskatellersalbeiöl besitzen eine neurotoxische Wirkung. Bei gesunden Erwachsenen sollten sie nur sehr zurückhaltend eingesetzt werden. Für schwangere und stillende Frauen, Babys und Kleinkinder sowie Epileptiker sind sie ungeeignet.
  • Bei empfindlicher Haut wird unbedingt dazu geraten, vor dem großflächigen Hautkontakt eine Kontaktprobe an einer kleinen Stelle am Arm durchzuführen.
  • Pflanzenallergiker sollten bedenken, dass bei der Verwendung des ätherischen Öls der allergieauslösenden Pflanze ebenfalls mit einer Reaktion zu rechnen ist. Einige Öle wie Teebaum-, Nelken- oder Zimtöl lösen häufig Allergien aus und sollten von Allergikern eher gemieden werden.
  • Ätherische Öle sind haut- und schleimhautreizend. Sie dürfen nicht unverdünnt angewendet werden.
  • Zitrusöle erhöhen die Empfindlichkeit der Haut gegenüber UV-Strahlen. Von Sonnenbädern wird nach der Anwendung auf der Haut abgeraten.
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