| Katja Egermeier |
| 13.02.2026 16:00 Uhr |
Aktuell sind immer mehr junge Frauen von Schilddrüsenknoten betroffen. Eine Ursache dafür ist eine strikte vegane Ernährung. / © Getty Images/Anna Zielinska_ gpointstudio
Die Ursachen für die aktuelle Jodunterversorgung sind bekannt. Zum einen sind die Böden in Deutschland jodarm, sodass Pflanzen und Tiere nur wenig davon aufnehmen und viele regionale Lebensmittel entsprechend wenig Jod enthalten. Wurden in den 1990er-Jahren noch gezielt Maßnahmen ergriffen und Tierfutter Jod beigemischt oder Jodsalz für Back- und Fleischwaren verwendet, ist dieser Trend inzwischen stark rückläufig. Auch die immer beliebteren Fertigprodukte enthalten meist kein jodiertes Salz.
Das hat dazu geführt, dass laut des aktuellen Jodmonitorings des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat 32 Prozent der Erwachsenen und 44 Prozent der Kinder und Jugendlichen ein erhöhtes Risiko für eine Jodunterversorgung aufweisen.
Ein weiterer zentraler Grund sind laut Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner (BDN) die veränderten Ernährungsgewohnheiten – insbesondere die zunehmende Beliebtheit rein pflanzenbasierter Ernährung. »Wir sehen in unserer Ambulanz immer häufiger junge Veganerinnen, die in Folge eines Joddefizits Schilddrüsenknoten entwickeln«, so Professor Dr. Markus Essler, Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Bonn.
Frühe und eher diffuse Anzeichen für einen Jodmangel können Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Gewichtszunahmen, Frieren, Verstopfung, Haarausfall, depressive Stimmung, trockene Haut und brüchige Nägel sein. Eindeutiger ist es laut Essler, wenn dann Heiserkeit, Schluckbeschwerden und ein empfindlicher Hals auftreten.
Für den Experten eine bedenkliche Entwicklung, denn typischerweise treten Schilddrüsenknoten erst im Alter auf. »Jetzt aber schicken hausärztliche Praxen vermehrt auch junge Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter zu uns, die sich vegan ernähren.« Das zeigt, dass die jungen Frauen häufig ersatzlos auf wichtige Jodlieferanten wie Milch, Milchprodukte, Eier und Meeresfisch verzichten. »Wir erkennen die Patientinnen oft schon daran, dass sie mit großen Pulloverausschnitten im Wartezimmer sitzen, weil sie Rollkragen als störend empfinden und den Hals frei haben möchten«, so Essler. Denn neben Heiserkeit sind auch empfindliche Hälse ein Zeichen für eine mögliche Jodmangelstörung.
Essler weist daher dringend darauf hin, dass Veganerinnen und Veganer unbedingt täglich Jodsalz verwenden, Kaliumjodid-Tabletten einnehmen oder den veganen Produkten Jodtropfen zusetzen sollten. Auch Seealgen seien eine natürliche und vegane Quelle. Hier bestehe jedoch aufgrund stark schwankender und oft hoher Jodgehalte das Risiko einer Jodvergiftung.
Jodmangel ist vor allem bei Kleinkindern und Ungeborenen sehr riskant. Essler: »Eine Unterversorgung in dieser Phase erhöht das Risiko für spätere Einschränkungen der intellektuellen Fähigkeiten und der Feinmotorik.« Schon milde Defizite in der Schwangerschaft sorgten für messbare IQ-Verluste und Lernschwierigkeiten im späteren Leben der Kinder.