Unangenehmen Symptomen der Wechseljahre möchten viele Frauen gerne so nebenwirkungsarm wie möglich gegensteuern. / © Getty Images/Fiordaliso
Die Menopause kann eine herausfordernde Lebensphase sein. Neben Hitzewallungen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen können auch Gelenkschmerzen, Hautveränderungen und Konzentrationsprobleme den Alltag beeinträchtigen. Viele Frauen suchen nach Behandlungsmöglichkeiten ohne Hormone. Als natürliche Option wird Pycnogenol empfohlen, ein patentierter Extrakt von der Schweizer Firma Horphag Research aus der Rinde der französischen Meereskiefer (Pinus pinaster subsp. atlantica). Die Pflanzenart aus der Gattung der Kiefern stammt aus dem westlichen Mittelmeerraum und wird bis zu 300 Jahre alt. Pinienrindenextrakte werden bereits seit Jahrhunderten in der traditionellen Medizin eingesetzt. Heute ist Pycnogenol in Produkten weltweit enthalten.
In Deutschland hat der Extrakt den Status eines Nahrungsergänzungsmittels (NEM) und ist in der Apotheke in Form von Monopräparaten oder in Kombinationspräparaten, dann zum Beispiel ergänzt mit Vitaminen oder Mineralstoffen, erhältlich. Die Produktion von 1 kg Pycnogenol erfordert etwa 1000 kg Rinde, die als Nebenprodukt von Bäumen aus der Holzindustrie anfällt. Die verwendeten Kiefern sind bei der Fällung im Durchschnitt 35 bis 50 Jahre alt und stammen aus kontrolliertem Anbau.
Die Rinde wird als Rohstoff bevorzugt, da sie im Gegensatz zu anderen Pflanzenteilen keinen jahreszeitlichen Schwankungen unterliegt und eine gleichbleibende Qualität gewährleistet. Pycnogenol entspricht der Monografie »Maritime Pine Extract« der United States Pharmacopeia (USP). Der patentierte Meereskieferextrakt zählt zu den intensiv untersuchten pflanzlichen Zubereitungen, sowohl in klinischen Studien als auch hinsichtlich seiner Wirkmechanismen. In den vergangenen 40 Jahren gab es mehr als 160 klinische Studien und 450 wissenschaftliche Veröffentlichungen zu Sicherheit und Wirksamkeit.
Pycnogenol enthält als wirksame Bestandteile eine Kombination aus Procyanidinen, Bioflavonoiden und Phenolsäuren. Mengenmäßig am meisten enthalten sind oligomere Procyanidine (OPC), die zur Klasse der Polyphenole gehören und nach USP einen Gehalt von 65 bis 75 Prozent aufweisen müssen. OPC werden antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben.
Studien legen nahe, dass Pycnogenol bei verschiedenen Krankheiten wirksam sein könnte. Die beworbenen Indikationen reichen von kardiovaskulären Erkrankungen über kognitive Einschränkungen und rheumatische Beschwerden bis hin zur Frauengesundheit. Der Extrakt wird auch in der Kosmetikindustrie geschätzt, da er die Produktion von Kollagen und Hyaluronsäure fördern soll.
Laut der Monografie für Pycnogenol des American Botanical Councils wird der Extrakt vor allem im Bereich der kardiovaskulären Gesundheit untersucht. Kontrollierte Studien zeigen Hinweise auf eine verbesserte Durchblutung, Normalisierung des Blutdrucks und eine positive Wirkung bei chronischer Venenschwäche. Studien deuten auch auf einen Effekt bei Bluthochdruck und auf eine verbesserte endotheliale Funktion bei koronarer Herzkrankheit hin.
Als ein möglichen Wirkmechanismus vermuten Forschende, dass der Extrakt die endotheliale Stickstoffmonoxid-Synthetase aktiviert, wodurch die Produktion von Stickstoffmonoxid (NO) gesteigert wird und sich Gefäße erweitern. Zugelassene Arzneimittel mit dem Extrakt gibt es jedoch keine, da die Wirksamkeit nicht ausreichend belegt ist.
Ein 2020 aktualisierter Review der Cochrane Collaboration kam zu dem Schluss, dass aktuell keine verlässlichen Aussagen zu Wirksamkeit oder Sicherheit von Kiefernrindenextrakt bei chronischen Erkrankungen getroffen werden können. In die Analyse schlossen die Autoren 27 randomisierte kontrollierte Studien mit 1641 Teilnehmern ein. Es ging um die Wirkung bei zehn chronischen Erkrankungen, darunter Asthma, kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes, chronische Venenschwäche, Osteoarthritis und sexuelle Dysfunktion.
Es ergab sich eine nur sehr niedrige Evidenz für eine mögliche Wirksamkeit des Extrakts bei bestimmten Indikationen. In vielen Fällen war die Stichprobengröße klein, die methodische Qualität unzureichend oder die Ergebnisse waren uneinheitlich.
Häufig werden NEM mit Meereskiefernextrakt auch Frauen im Klimakterium empfohlen. Zu typischen Wechseljahrsbeschwerden zählen vasomotorische Symptome wie Schwitzen, Hitzewallungen oder Herzklopfen, Müdigkeit, Stimmungsschwankungen, kognitive Probleme, verminderte Libido, Knochen- und Gelenkveränderungen (Osteoporose) sowie urogenitale Symptome. Es gibt Hinweise aus Tierstudien und klinischen Prüfungen, dass Pycnogenol mehrere dieser Symptome beeinflussen könnte.
So ergab eine kleine Studie mit 38 Frauen, die täglich 100 mg Pycnogenol einnahmen, dass Symptome wie Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, vaginale Trockenheit und andere typische Wechseljahresbeschwerden signifikant zurückgingen. Dazu heißt es, dass Meereskiefernextrakt die Beschwerden lindert, ohne hormonelle Veränderungen hervorzurufen.
Wie die Wirkung genau zustande kommt, ist jedoch unklar. Zu beachten ist, dass die vorliegenden Studien eher klein und von überschaubarer Dauer sind. Die bisherige Evidenz ist daher noch nicht ausreichend, um den Extrakt als Therapie gegen Wechseljahresbeschwerden zu empfehlen. Die NEM könnten jedoch für Frauen interessant sein, die keine (hormonellen) Arzneimittel einnehmen wollen und ihren Körper in dieser Umbruchphase pflanzlich unterstützen wollen.
Interessant vor allem für die weibliche Kundschaft kann jedoch noch die Wirkung auf die Haut sein. Der Hautzustand lässt sich außer mit Kosmetika auch über die Ernährung verbessern. Für Pycnogenol gibt es Hinweise, dass die Einnahme eine Hyperpigmentierung reduzieren und die Hautbarrierefunktion und die Homöostase der extrazellulären Matrix verbessern könnte.
Studien haben auch gezeigt, dass NEM mit dem Extrakt die Feuchtigkeitsversorgung und Elastizität der Haut verbessern können. Die Effekte waren am ausgeprägtesten bei Frauen, die vor Beginn der Supplementierung unter trockener Haut litten. Die hautphysiologische Verbesserung ging mit einer signifikanten Zunahme der mRNA-Expression von Hyaluronsäuresynthase-1 (HAS-1) einher, einem Enzym, das an der Synthese von Hyaluronsäure beteiligt ist. Auch die Kollagen-Neusynthese wurde angeregt.
Wenn Frauen die natürliche Hilfe ausprobieren möchte, sollten sie auf eine geeignete Dosierung achten. Derzeit existiert zur Behandlung von menopausalen Beschwerden keine etablierte Standarddosierung. Am besten starten Frauen mit einer geringeren Dosis und beobachten, wie sie darauf reagieren. Pycnogenol wird allgemein gut vertragen und zeigt wenige Nebenwirkungen. Allerdings fehlen Langzeitstudien zur Sicherheit.
Um gastrointestinale Beschwerden zu vermeiden, empfehlen viele Hersteller die Einnahme mit der Nahrung. Neben Magen-Darm-Beschwerden wurden noch Schwindel und Kopfschmerzen als mögliche Nebenwirkungen gemeldet. Bei Frauen mit PMS oder Dysmenorrhoe traten gelegentlich Akne, Durchfall und Zyklusstörungen auf. Wechselwirkungen mit Medikamenten sind derzeit nicht bekannt. Als Vorsichtsmaßnahme wird Pycnogenol nicht für Kinder unter sechs Jahren und während der ersten drei Schwangerschaftsmonate empfohlen.