Für die meisten in den Beipackzetteln von statinhaltigen Präparaten genannten UAW, zum Beispiel kognitive Beeinträchtigung, Depression, Schlafstörungen und periphere Neuropathie, gebe es keinen Beleg für einen Kausalzusammenhang mit der Statintherapie, so das Fazit der Autoren. Damit Patienten und behandelnde Ärzte gemeinsam eine faktenbasierte Entscheidung für oder gegen eine Statintherapie fällen könnten, sollten die Texte der Produktinformationen daher überarbeitet werden.
Dieser Forderung schließen sich mehrere unabhängige Experten an, die das Science Media Center zu dieser Studie befragt hat. »Viele Nebenwirkungen tauchen vor allem aus Haftungsgründen in den Beipackzetteln auf«, sagt etwa Professor Dr. Oliver Weingärtner vom Universitätsklinikum Jena. »Schon die Länge der Beipackzettel, wie wir sie aktuell kennen, sorgt für große Verunsicherung und führt dazu, dass hocheffektive Medikamente völlig zu Unrecht nicht eingenommen werden.«
Professor Dr. Ulrich Laufs vom Universitätsklinikum Leipzig erwähnt die hohen Abbruchraten der Statintherapie wegen unerwünschter Effekte – die jedoch zu rund 90 Prozent auf einem Nocebo-Effekt beruhten. »Dies ist ein riesiges Problem für die Einnahmetreue und die Prävention von Herz- und Gefäßkrankheiten.« Laufs verweist auf einen »alternativen Beipackzettel für Statine«, der im Auftrag der DACH-Gesellschaft Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erstellt wurde und die Vor- und Nachteile der Wirkstoffklasse evidenzbasiert darstellt.