Sehr enttäuscht zeigte sich Anja Zierath über die angepassten Pläne der Politik, die PTA-Vertretung einzuführen. / © BVpta e.V.
Der Kabinettsentwurf des Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) liegt seit gestern auf dem Tisch. Die Anforderungen für die geplante PTA-Vertretung sind zwischen Referenten- und Kabinettsentwurf vermeintlich höher geworden. Dennoch zeigt sich Anja Zierath sehr enttäuscht: »Es handelt sich keineswegs um ›kleine Änderungen‹, sondern um einen grundlegenden Systemwechsel. Aus einer geplanten qualifikationsgebundenen Weiterentwicklung des PTA-Berufs ist nun im Kabinettsentwurf ein regional begrenztes Provisorium geworden. Das ist weder fachlich überzeugend noch berufspolitisch fair.«
Geplant ist laut dem aktuellen Gesetzesentwurf, dass PTA die Apothekenleitung unter bestimmten Voraussetzungen insgesamt 20 Tage pro Jahr vertreten dürfen – mit zwei Einschränkungen: Zum einen soll die Regelung zunächst auf fünf Jahre begrenzt bleiben – im Rahmen einer »praktischen Erprobung«, zum anderen soll sie nur für ländliche Apotheken greifen, definiert als: keine weitere Apotheke im Umkreis von sechs Kilometern.
»Diese Differenzierung zwischen Stadt und Land ist äußerst problematisch. Diese Regelung ist realitätsfern, fachlich nicht begründbar und vermittelt den Eindruck, dass in ländlichen Regionen geringere Qualitätsmaßstäbe gelten«, moniert Zierath. Schließlich hänge Kompetenz nicht vom Arbeitsort ab, sondern von Ausbildung, Erfahrung und Qualifikation. »Die Stadt-Land-Trennung spaltet Berufsgruppen und Regionen – und löst kein Versorgungsproblem«, bezieht die BVpta-Vorsitzende klar Stellung. »Hinzu kommt, dass Verantwortung übertragen wird, ohne die Rahmenbedingungen klar zu regeln – etwa bei Zuständigkeiten, Kontrolle und Haftung.« Unter dem Strich werde damit eine eigentlich gute Idee jetzt schlecht und unausgegoren umgesetzt.
Auch dass die ursprünglich vorgesehene berufsbegleitende Weiterbildung als Voraussetzung für die PTA-Vertretung entfallen ist, stößt beim BVpta auf maximale Unverständnis. »Mehr Verantwortung ohne verbindliche Weiterbildung ist keine Aufwertung, sondern eine Abwertung unseres Berufes«, schreibt der Verband in seiner Stellungnahme. Das neue Anforderungsprofil sei »völlig unzureichend« und lasse viel Raum für Interpretationen, zum Beispiel hinsichtlich Berufserfahrung oder Tätigkeitsfeldern. Der BVpta bleibe bei seiner Forderung, dass notwendige Fort- und Weiterbildungsinhalte transparent und unter Einbeziehung der Berufsverbände entwickelt werden müssen.
Zierath bezeichnete im Gespräch mit PTA-Forum die berufsbegleitende Weiterqualifizierung aus mehreren Gründen für unabdingbar. »Sie dient vor allem der Qualitätssicherung. Eine PTA-Vertretung ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Sie darf nicht den Eindruck erwecken, als würden PTA ›einfach Apotheker ersetzen‹. Drei Staatsexamina lassen sich nicht nivellieren, auch nicht durch eine Weiterbildung. Aber wie in vielen anderen Branchen gilt: Mehr Verantwortung erfordert ein Mehr an Wissen.«
In der Weiterqualifizierung sieht Zierath überdies die Voraussetzung für eine sachlich begründbare höhere Vergütung. »Zusätzliche Verantwortung ohne formale Qualifikation und ohne finanziellen Ausgleich ist nicht akzeptabel. Gleichzeitig muss aber auch klar sein: Das PTA-Gehalt insgesamt muss steigen, was in der aktuellen wirtschaftlichen Lage der Apotheken nur dann möglich ist, wenn zusätzliche Verantwortung klar abgegrenzt und qualifikationsgebunden ist.«
By the way schütze eine geregelte Weiterqualifizierung vor unerwünschten Nebeneffekten. »Denn ohne klare Qualifikationsanforderungen entsteht die Gefahr, dass ausländischer Versandhandel oder der Drogeriemarkt argumentieren könnten, PTA dürften ›ja nun alles‹. Das würde nicht nur den PTA-Beruf entwerten, sondern auch den Heilberufsstatus der Apothekerschaft gefährden.« Die so dringend erforderliche Weiterqualifizierung sei also kein Selbstzweck. Sie schütze die Qualität, schaffe klare Zuständigkeiten, rechtfertige eine höhere Vergütung und verhindere, dass neue Kompetenzen missbraucht werden.
Zieraths Appell ist unmissverständlich: »Wir wollen eine qualitätsgesicherte Aufwertung des PTA-Berufs, keine Absenkung von Standards. Die Weiterqualifizierung ist dafür der zentrale Baustein. Alles andere öffnet Missverständnissen, Fehlanreizen und langfristig auch dem Fremdinteresse Tür und Tor – und macht PTA zur billigen Ersatzkraft und gefährdet zugleich den Heilberufsstatus der Apothekerschaft.«