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Neue Widerstandskraft
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Keratin geeignet, um Zahnschmelz zu reparieren

Eine altbekannte Substanz könnte künftig dazu dienen, beschädigten oder abgenutzten Zahnschmelz wieder zu reparieren. Bislang gelingt das nicht, auch nicht mit Fluorid, so die Kassenzahnärztliche Vereinigung Nordrhein.
AutorKontaktIsabel Weinert
Datum 05.11.2025  08:00 Uhr

Die Rede ist von Keratin, einem Strukturprotein und Hauptbestandteil von Haaren, Nägeln, Krallen, Klauen und Hufen. Britische Wissenschaftler des King’s College in London kamen auf die Idee, das Protein für die Zahnmedizin zu nutzen. Dazu extrahierten sie im Rahmen der Studie »Biomimetic Mineralization of Keratin Scaffolds for Enamel Regeneration« Keratin aus Schafswolle, pulverisierten es sehr fein und verarbeiteten es in einer Zahncreme. Um festzustellen, ob sich Keratin wirklich eignen könnte, Kariesvorstufen zu reparieren, also solche Stellen an den Zähnen, an denen der Zahnschmelz bereits gelitten hat, testeten sie die Zahncreme an Backenzähnen von Menschen. An diesen Zähnen wurde der Schmelz vorab beschädigt, berichtet die Kassenzahnärztliche Vereinigung Nordrhein.

Was geschah, war verblüffend genial: Das Keratin aus der Zahnpasta bildete mit natürlicherweise im menschlichen Speichel vorhandenen Mineralstoffen ein Gerüst, das sowohl in seinem Aufbau als auch in seiner Funktion und seinem Aussehen Zahnschmelz stark ähnelte. Dieses Gerüst konnte Calcium- und Phosphationen einlagern. Dadurch entstand eine Schicht, die sich, wie Zahnschmelz, schützend um die Zähne legte und auch freiligende Nervenkanäle verschloss, so die Kassenzahnärztliche Vereinigung Nordrhein. Letzteres senkte deutlich die Überempfindlichkeit der behandelten Zähne. Ersteres, der Ersatzschmelz, härtete die Zähne derart, dass sie zumindest einen großen Teil der Widerstandskraft gesunder Zähne wiedererlangten. 

Ein weiterer positiver Aspekt sei die Unweltfreundlichkeit des Keratins. Es werde aus einem Abfallprodukt gewonnen, wie Wolle von Tieren oder Haaren von Menschen, sei biologisch abbaubar und habe das Potenzial, in der Zahnmedizin bisdato eingesetzte Kunststoffharze zu ersetzen. Auch optisch dürfte das keine Probleme bereiten, ließe sich das Keratin schließlich gut der individuellen Zahnfarbe anpassen und das sogar deutlich natürlicher, als es die bislang verwendeten Kunststoffe können.

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