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Wenn Antidepressiva nicht helfen
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Ketamin gegen Depressionen?

Wenn klassische Therapien bei schweren Depressionen nicht helfen, kann die Ketamin-Variante Esketamin eine Alternative sein. Was Patienten über Wirkung, Anwendung und Risiken wissen sollten.
AutorKontaktdpa
Datum 05.02.2026  13:00 Uhr

Wann ist eine Ketaminbehandlung gegen Depressionen geeignet?

Ketamin wird zur Behandlung von schweren Depressionen nur nach sorgfältiger medizinisch-psychologischer Abklärung eingesetzt. Ketamin würde »in Kombination mit anderen psychiatrischen Behandlungen, Psychotherapie und innerhalb eines Gesamtbehandlungsplans verabreicht«, so Andreas Reif.

Voraussetzung ist in der Regel, dass die Patientin oder der Patient auf mindestens zwei unterschiedliche Therapien mit Antidepressiva nicht angesprochen hat. Unter Umständen kann es auch zur kurzfristigen Notfallbehandlung schwerer Depressionen zum Einsatz kommen.

Wie bei vielen anderen Wirkstoffen müsse die Behandlung individuell getestet werden, so Knop. Es gibt derzeit keinen medizinischen Messwert, der zuverlässig vorhersagt, ob und auf welches Antidepressivum Patientinnen und Patienten ansprechen.

Nicht geeignet ist die Therapie laut Knop für Menschen mit wahnhaften Depressionen oder Suchterkrankungen. Zwar ist das Suchtpotenzial nicht vergleichbar mit Alkohol oder starken Drogen. Aber: »Es kann passieren, dass Patienten den rasch einsetzenden Effekt vermissen, wenn das Medikament abgesetzt wird«, so der Arzt.

Wie läuft eine Behandlung mit Esketamin typischerweise ab?

Das Arzneimittel darf in Deutschland nur eine Psychiaterin oder ein Psychiater verschreiben. Dafür erfolgt ein ausführliches fachärztliches Vorgespräch zur Klärung der Indikation und möglicher Kontraindikationen.

Der Wirkstoff wird als Spray in die Nase gesprüht. Esketamin wird laut Reif in der Klinik oder Arztpraxis angewendet. Das Nasenspray verabreicht sich der Patient oder die Patientin selbst, wird dabei aber medizinisch überwacht. Beim ersten Mal erfolgt meist eine einstündige Beobachtung, später genügt es, wenn eine medizinische Fachkraft in Rufweite ist.

Denn Esketamin kann unter anderem Blutdruck und Puls erhöhen, weshalb diese Werte während der Behandlung überwacht werden. Gelegentlich treten Kopfschmerzen oder Schwindel auf. Typisch ist ein vorübergehender dissoziativer Zustand, in dem sich Betroffene außerhalb ihres Körpers fühlen oder Eindrücke intensiver wahrnehmen. »Diese Effekte sind harmlos und gehen nach ein bis zwei Stunden vorbei, können aber kurzfristig Angst auslösen«, so Reif.

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