| Isabel Weinert |
| 13.03.2026 12:00 Uhr |
Eine erklärbare KI hilft, der Pathologie des Typ-2-Diabetes auf die Spur zu kommen, indem sie das Gewebe der Bauchspeicheldrüse auswertet. / © Adobe Stock/Peakstock
Bislang lag der Fokus der Forschung bei Typ-2-Diabetes vor allem auf den Betazellen der Bauchspeicheldrüse. Arbeiten diese nicht mehr – oft vor dem Hintergrund einer Insulinresistenz –, ist das der entscheidende Schritt für die Entstehung dieses Diabetestyps. Dass diese Sichtweise zu kurz greift, zeigten nun Forschende des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) in Düsseldorf, des Paul-Langerhans-Instituts am Universitätsklinikum Dresden und des Instituts für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen am Universitätsklinikum Tübingen. Die Institute sind Partner des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD).
Mit 100 Proben von Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen an der Bauchspeicheldrüse operiert worden waren, wurde mithilfe maschinellen Lernens ein Modell trainiert, das große, informationsreiche Gewebeschnitte von Menschen mit und ohne Typ-2-Diabetes mit hoher Genauigkeit unterscheiden und den Diabetesstatus vorhersagen kann, so das DDZ in einer Pressemitteilung. Das Wichtige dabei sei, dass das System erklärbar arbeite, das heißt, es macht Entscheidungswege und Vorhersagen von komplexen KI-Modellen für Menschen nachvollziehbar und transparent.
Die Resultate zeigen: Es sind keineswegs nur Betazellen, deren Funktionsverlust einem Typ-2-Diabetes den Weg bahnt, sondern auch Alpha- und Delta-Zellen treten in anderer Position und Verteilung auf. Außerdem seien die Langerhans-Inseln, in denen sich die Betazellen befinden, kleiner, so das DDZ. Und noch etwas fiel auf: Fettzellen mischen offenbar auch innerhalb der Bauchspeicheldrüse mit. Sie befinden sich bei Menschen mit Typ-2-Diabetes öfter in direkter Umgebung der Langerhans-Inseln.
Das DDZ zitiert dazu Professor Dr. Robert Wagner, Leiter der Arbeitsgruppe Klinisches Studienzentrum: »Diese Nähe könnte die Funktion der hormonproduzierenden Langerhans-Inseln beeinflussen«. Das Forschungsprojekt zeige, dass es nicht ausreiche, nur einzelne Zellen anzuschauen, wenn man die hinter Typ-2-Diabetes liegenden Mechanismen besser verstehen wolle, sondern dass man das gesamte mikroskopische Netzwerk der Bauchspeicheldrüse betrachten müsse, so die Forschenden.