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Diabetes
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Lunge wird viel öfter krank

Folgeschäden des Diabetes ähneln den Armen eines Kraken. Sie umschlingen den ganzen Organismus, den ganzen Menschen. Beinahe jedes System im Körper kann betroffen sein. Auch die Lunge gehört dazu.
AutorKontaktIsabel Weinert
Datum 04.01.2023  12:00 Uhr

Unabhängig vom Diabetestyp – Typ 1 oder Typ 2 – entwickeln Diabetiker im Vergleich zu stoffwechselgesunden Menschen häufiger Lungenkrankheiten, die dann auch vermehrt schwerer verlaufen. Nachweisen konnten Wissenschaftler diesen Zusammenhang für die schwerwiegenden Bronchial- und Lungenkrankheiten Asthma, COPD, Lungenfibrose und Lungenhochdruck. Auch Lungenkrebs entwickelt sich öfter bei Diabetikern.

Wissenschaftler vermuten, dass Diabetiker überdurchschnittlich häufig an der Lunge erkranken, weil das Gewebe durch die Stoffwechselkrankheit früher altert. Das Altern beinhaltet schlechtere Reparaturfunktionen bei negativen Veränderungen im Erbgut. Oxidativer Stress spielt in diesem Prozess ebenfalls eine wichtige Rolle. Zudem schwelt im Organismus von Menschen mit Typ-2-Diabetes eine chronische Entzündung, die die Lungenfunktion beeinträchtigen könnte, so die Überlegungen von Wissenschaftlern zu den Ursachen. Nicht zuletzt schädigt ein langjähriger Diabetes die Blutgefäße im Organismus, auch diejenigen in der Lunge.

Bei einer Lungenfibrose handelt es sich um eine sogenannte restriktive Lungenerkrankung. Teile des Lungengewebes verlieren ihre Funktion, weil sie vernarben. Die Lunge kann sich nicht mehr wie nötig ausdehnen. Handelt es sich nur um kleine Areale, bemerken Betroffene das oft gar nicht. Schreitet die Vernarbung aber fort, fällt es zunehmend schwer, genug Luft einzuatmen. Das wirkt sich auf die Lebensqualität aus. Wer an einer Fibrose leidet, fühlt sich häufig erschöpft und hat einen höheren Erholungs- und Schlafbedarf.

Bei Asthma und COPD spielt allerdings nicht nur der Diabetes eine wichtige Rolle, sondern auch der weitere Lebensstil. Übergewicht etwa begünstigt Asthma, Rauchen ist die Hauptursache einer COPD. Besonders bei diesen beiden Bronchial- beziehungsweise Lungenerkrankungen haben Diabetiker also zumindest ein Stückweit selbst in der Hand, ob die Krankheiten ausbrechen und in welchem Ausmaß.

Diabetiker, die durch ihre Krankheit auch eine diabetische Nierenerkrankung entwickelt haben, die diabetische Nephropathie, sind noch gefährdeter für Lungenkrankheiten, wie Mediziner heute wissen.

Aus diesen Gründen kann man Diabetikern folgendes raten:

  • Lassen Sie Ihre Nieren regelmäßig prüfen, das heißt, einmal pro Jahr oder häufiger. Dabei bestimmt der Arzt die sogenannte eGFR (geschätzte glomeruläre Filtrationsrate) und untersucht den Urin auf eine Albuminurie hin;
  • Achten Sie auf gute Blutzuckerwerte, wann immer möglich. Ein Langzeit-Blutzuckerwert (HbA1c) zwischen 6,5 und 7,5 Prozent zeigt den Zielkorridor an. Hohe Blutdruck- und Blutfettwerte müssen gesenkt werden und Diabetiker sollten auf keinen Fall rauchen;
  • Halten Sie Ihre Lungen in Schuss, indem Sie sich regelmäßig bewegen. Mit einem Trainingsprogramm können bislang eher inaktive Diabetiker starten, sobald ein Arzt sein Go dafür gegeben hat, Herz und Kreislauf Bewegung also bewältigen können. Wer bereits an einer Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems leidet, schließt sich am besten einer Herzsportgruppe an. Diabetiker mit einem Lungenleiden sind am besten in einer Lungensportgruppe aufgehoben, in der die Bewegung an die individuellen Möglichkeiten angepasst werden.

Wer die Tipps beherzigt, kann entweder verhindern, ein Lungenleiden zu entwickeln oder ein bereits existierendes womöglich deutlich bessern. Klar ist jedoch: Trotz aller Bemühungen um eine gute Diabeteseinstellung kann die Erkrankung Schaden anrichten. Ein ganz klein wenig gehört wie im ganzen Leben auch hier eines dazu: ein Quäntchen Glück. Unterschwellige oder offene Vorwürfe gegenüber Diabetikern mit Folgeschäden nach dem Motto »Hätten Sie besser auf Ihren Diabetes geachtet« oder – noch schlimmer - »wohl zu viel Süßes gegessen«, sind deshalb völlig fehl am Platz.

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