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Dranbleiben für positive Effekte
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Meditieren lernen

Ruhig hinsetzen, Augen schließen – und schon stellt sich innere Stille ein? Ganz so einfach ist es oft nicht, sagen zwei Fachleute und erklären, wie der Einstieg in die Meditation gelingt und warum fast jeder profitieren kann.
AutorKontaktdpa
Datum 29.12.2025  14:00 Uhr

Wenn Meditation zu Lärm statt Stille führt

Wer sich der Meditation nähern möchte, macht das am besten mit realistischen Erwartungen. Steffen Brandt begegnet immer wieder der Vorstellung, Meditation sei gleichbedeutend mit Erleuchtung. »Und dann passiert das absolute Gegenteil«, so der Psychotherapeut. »Dass man erst mal feststellt, dass da eine ganze Menge an Gedankenlärm oder Gefühlschaos auftauchen, weil die Übung als Spiegel des eigenen Inneren fungiert.«

Auch problematisch: wenn Meditation wie ein Allheilmittel verkauft wird. »Es gibt teils sehr große Erwartungen an Wirkung und Heilsversprechen im Zusammenhang mit Meditation«, so Brandt. Manche hoffen, sich »unfassbar gut entspannen« oder Depressionen und Angststörungen »wegsitzen« zu können. Diese Erwartungen müsse man dämpfen. Meditation könne unterstützen, ersetze aber keine Therapie.

Und doch können Meditation und Achtsamkeit spürbar entlasten – vor allem, weil sie Abstand schaffen. Martina Aßmann zufolge geht es darum, sich im gegenwärtigen Augenblick »niederzulassen«, mehr vom Moment mitzubekommen und nicht sofort reagieren zu müssen.

Der Fokus auf den gegenwärtigen Augenblick nimmt den Druck, sofort handeln zu müssen. In stressigen Situationen kann man innehalten und fragen: »Was ist gerade los? Bin ich in Leib und Leben bedroht? Und erkennt dann: Nein, das ist gerade nur eine E-Mail«, beschreibt Aßmann. So trägt Achtsamkeit zur Stressreduktion bei: »Weil wir nicht sofort, wenn es juckt, kratzen oder wenn es irgendwo klingelt, aufspringen müssen.«

Vom Einsteigen und Dranbleiben

Bleibt die Frage: Wie findet man eine Praxis, die gut zu einem selbst passt? Still im Lotussitz verharren, fällt vielen erst mal schwer. Am Anfang gehe es deshalb ums Ausprobieren, sagt Steffen Brandt. Beim Einstieg können auch kostenlose Online-Angebote helfen, auf vielen Plattformen werden geführte Meditationen angeboten. »Oft ist es ja so, dass man eine Ahnung hat, wer man so ist und welcher Typ man ist. Vielleicht merkt man auch, wo es einen hinzieht«, so der Yoga- und Meditationslehrer.

Darüber hinaus helfen Fragen wie:

  • Wie still oder wie aktiv soll das Angebot sein?
  • Wie weltlich, wie säkularisiert soll es sein?
  • Soll die Meditation mit einem religiösen oder philosophischen Überbau versehen sein?
  • Wie gestalte ich Umgebung und Atmosphäre, mag ich zum Beispiel Räucherstäbchen oder Meditationsmusik?

Wichtig sei, sich ab einem bestimmten Zeitpunkt auch auf eine Form einzulassen und dranzubleiben. Langfristig gehe es darum, wirklich in einen Prozess zu kommen, so der Psychotherapeut.

Seiner Erfahrung nach kommt bei reinen Online-Formaten oft die Betreuung etwas zu kurz: »Fragen, die auftauchen, wenn man in die Stille geht, das Kopfkino startet und es eben nicht still wird, kann man oft nicht stellen.« Das kann Frust auslösen. Da ist ein Kurs, in dem man sich von einem Ansprechpartner oder einer Ansprechpartnerin begleiten lassen kann, oft ein guter Weg.

Um Meditation wirklich zu verstehen und zu verinnerlichen, empfiehlt auch Martina Aßmann Unterstützung – von Menschen, die sich auskennen, Irritationen auffangen und Fragen beantworten können.

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